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Montagsthemen (vom 24. März)

Skispringen in Planica, Biathlon in Oslo, Ski alpin in Oberjoch, Eisschnelllauf in Heerenveen – der Wintersport  verweigert  im Frühlingserwachen  das Spätrechtseinschlafen. Schlupf endlich unter die Deck’!
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Mit dem ältesten Kalauer aller Jahreszeiten in die Kolumne einzusteigen, das kann ja nur böse enden. Die Albernheit in ihrem Lauf, die halt ich Ochs und Esel auf. Damit zum Fußball, zu Honecker, dem Kommunismus und dessen Gemeinsamkeit mit Bayern München.
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Honecker hätte Recht behalten, wenn er nur ein bisschen realitätsnäher formuliert hätte: Den Kommunismus in seinem Lauf  halten  nur die Kommunisten auf. Und den FC Bayern in seinem Lauf halten weder Mainz noch ManU auf, sondern wenn einer, dann nur der FC Bayern selbst.
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Was den FC Bayern sonst noch aufhalten könnte, wird gar nicht erst  angepackt. Alles Stochern im Schweizer Bankennebel kann denselben nicht lichten. Vor allem dann nicht, wenn scheinbar investigative Journalisten in einer Art Stille Kollegenpost abschreibend abschließend feststellen: Die Herkunft der Millionen auf Hoeneß’ Konto ist »restlos aufgeklärt«.
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So? Die Meldung ging als Faktum durch die Medien und berief sich auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Der stand zwar unter der Schlagzeile »Die Herkunft ist restlos aufgeklärt«, doch das Zitat der Staatsanwaltschaft spiegelt nicht den Inhalt des Textes wider, der kaum faktische Antworten gibt, sondern noch einmal die   wichtigen Fragen  stellt: »Warum war das ein so kurzer Prozess? Wollte die Justiz gar nicht alles wissen? Geht Hoeneß lieber in den Knast, als den FC Bayern zu verraten?«
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In diesem Nebel hat niemand den Durchblick, ich schon mal gar nicht. Da halte ich mich lieber an andere Vernebelungen, zum Beispiel in der Statistikeritis, dieser Fußball-Mode, die sich noch hartnäckiger hält als Wintersport im Frühling. Ich möchte  nicht schon wieder mit meiner Version der Kohl-Doktrin  langweilen, dass nur wichtig ist, was hinten rauskommt, wenn es vorne richtig reingesteckt und hinten ebenso interpretiert wird (Ballbesitz, Zweikampfverhalten, Laufkilometer usw.). Statt dessen präsentiere ich das erstaunliche Ergebnis einer neuen EU-Studie über Gewalt gegen Frauen: Die Quote ist im Norden Europas deutlich höher als im Süden.
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Wer hätte das gedacht? Die Überraschung legt sich aber schnell, denn diese Herkunft ist  restlos aufgeklärt. Die Frauen in Nord- und Südeuropa mussten zwar die gleichen Fragen beantworten, haben aber traditionell und kulturell recht unterschiedliche Ansichten über das, was unter Gewalt zu verstehen ist, wie zum Beispiel unter »Schubsen und Stoßen«, einem der Gewalt-Indikatoren der Studie. Somit bestätigt sich wieder einmal, dass nicht Statistik an sich fragwürdig ist, sondern das, was Nichtstatistiker und bewusst oder unbewusst  manipulierende Laien aus ihr machen.
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Ist Rudi Völler ein verbal gewaltbereiter Frauenfeind und  Jochen Breyer ein Vorzeige-Feminist? Die »HörZu« preist in ihrem Top- und Flop-Ranking den Sportstudio-Moderator für seinen »ungewohnten Mut«, denn er wagte es tatsächlich, »berechtigte Kritik an Rudi Völler für dessen frauenfeindlichen Spruch zu üben. Vorbildlich.«
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Mensch, Rudi, was haben Sie bloß verbrochen?  Völler hatte einen Zweikampf beim Aufwärmen, bei dem ein Spieler  weggegrätscht wurde, beschwichtigend mit dem Satz kommentiert,  »wir sind schließlich nicht beim Frauenfußball«. – Das also ist schon »frauenfeindlich«?! Breyers »Wagemut«: Er konterte den Spruch ironisch als »Völlers Beitrag zum Weltfrauentag«. Wie ungeheuer mutig! Fast schon tollkühn!
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Wie können wir die Frauen bloß vor Schubsern und Völlern schützen? »Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch«, hölderlint es da, und das Rettende wächst im Walde. Aber nur, wenn man es wachsen lässt. Denn eine weitere Studie hat herausgefunden, dass die Produktion von körpereigenem  Testosteron, das den Mann  aggressiv macht, durch Baumfällen   mehr gefördert wird als durch Doping mit männlichen Sexualhormonen, in jedem Fall aber viel stärker als durch Fußballspielen. Den Beweis dazu lieferten der Studie die Speichelproben von baumfällenden im Vergleich mit fußballspielenden Eingeborenen am Amazonas.
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Das taucht den  Kampf gegen Dschungel-Rodung in ein neues Schlag-Licht, ebenso hierzulande die Proteste gegen das Fällen jedes einzelnen Baumes. Nun wissen wir auch, woher das geflügelte Wort kommt, sich wie die Axt im Walde zu benehmen.  Im Umkehrschluss  finden wir sogar doch noch das Mittel, um den FC Bayern in seinem Lauf zu stoppen.  Seine Gegner, erst Manchester United, dann der BVB in zwei Endspielen (ach ja), dürfen im Training nicht mehr so oft das läppische Fußballspielchen »5 gegen 2« machen, sondern Bäume fällen. Denn wer die Bayern schlagen will, muss sie aggressiv angehen und nicht schon vor dem Anpfiff  friedlich die weiße Fahne hissen, wie kürzlich die Frankfurter Eintracht.
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Apropos: Selbst für Frankfurt eröffnen sich ganz neue Perspektiven: Da sie über mehr Festmeter Holz vor der Tür verfügt als die Bayern über Festgeld auf dem Konto, wird die Eintracht schon bald deutscher Meister. Die allzu braven Alex und Co. müssen nur noch eigenhändig den Stadtwald roden. Lediglich Zambrano darf nicht mittrainieren. Er hat schon als Kind in Peru ganze Quadratkilometer Dschungel gerodet. Zambrano geht es wie Obelix, er hat seine Dosis fürs Leben intus, noch mehr würde kontraproduktiv wirken, denn wer jeden Gegenspieler fällt, legt die Axt an die eigene Wurzel.

Baumhausbeichte - Novelle