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Donnerstag, 20. März, 10.50 Uhr

Der Sport-Stammtisch für Samstag ist in groben Zügen schon geschrieben, da ich morgen wenig Zeit habe. Termine, Termine! In den Jahrzehnten als Mitglied der Chefredaktion habe ich mir einige Freiheiten herausgenommen, die ich jetzt ja mal zugeben kann: Dass ich nie – nie! – Schlips und Kragen anhatte, gehört dazu, das konnte ich auch nicht verbergen. Dass ich die Ausschließlichkeit aber hundertprozentig durchgezogen habe, gehört zu meinen Rumpelstilz-Geheimnissen. Ach wie gut, dass auch niemand wusste, dass ich zwar alle möglichen Zeitungen las, aber nie die des direkten Mitbewerbers vor Ort. Nicht aus Missachtung, sondern weil ich mich nicht beeinflussen lassen wollte. Außerdem genügt es völlig, die eigene Lokalzeitung zu lesen. Ach ja, ich geb’s ja zu: vor allem aber, weil ich keine Lust dazu hatte. Ich würde das auch gerne den Ex-Kollegen beider Zeitungen empfehlen, denn es befreit. Ist aber wg. beruflicher Zwänge für fast alle Redakteure nicht möglich.

Daran geändert hat sich nichts, weder an der Krawatte noch am Nicht-Lesen. Geändert hat sich nur, dass ich jetzt erstmals einen Terminkalender führen muss. Im Beruf konnte ich fast alle Termine ignorieren, die man mir aufs Auge drücken wollte, und ich kann sagen, meiner journalistischen Schaffenskraft hat das sehr gut getan. Die paar wenigen Muss-Termine konnte ich mir merken, jetzt aber, als Rentner, häufen sie sich, ich muss sie aufschreiben.

Eigentlich wollte ich jetzt etwas zur Krim schreiben und zum Balkan. Wie damals bei uns alle die Selbstbestimmungs-Forderungen auch der kleinsten Volksgruppe unterstützt hatten und jetzt … aber ich habe keine Zeit mehr. Termine!

 

Baumhausbeichte - Novelle