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Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Wie wir alle genarrt werden

Sie haben in Ihren Stellungnahmen zu jenem Menschen, um dessen Namen sich zu bemühen mein Gedächtnis sich weigert, die Kunst in schwindelnde Höhen getrieben, mit Verschweigen mehr zu sagen als mit spaltenlangen Kommentaren. Nur einem ist dies in ähnlicher Weise gelungen wie jetzt Ihnen: Thomas Morus in seiner Auseinandersetzung mit Heinrich VIII (den kennt man, denn, wie man gleich sieht, er hat nicht nur zwei seiner Frauen auf das Schafott geschickt, sondern eben auch eben jenen Schweiger). Thomas hat so viel zwischen den Zeilen und ohne zu sprechen geredet, dass auch bei ihm das Schweigen lauter war als jede schöne Rede. Dafür musste also auch er auf das Schafott. Das auch bezieht sich auf Katharina Howard und Anne Boleyn, nicht auf Gerhard Steines. Bei Ihnen geht es um eine ähnliche Staatsaktion, war doch jener Herr noch vor nicht allzu langer Zeit sogar einmal (nur in Bierseligkeit?) als Kanzlerkandidat im Gespräch), wie bei Thomas Morus: er sollte die Staatsraison unterstützen und protestantisch schwören, das wollte er nicht, deshalb schwieg er. Damit Ihnen das nicht geschieht, auch wenn das moderne Schafott eher im journalistischen und – wie in Gießen von interessierten Kreisen geschehen – politischen Mobbing bestehen würde, haben Sie eben selbst dann noch viel gesagt, als Sie in Ihrer Schlusswendung von heute sich ironisch oder irgendwie versteckt, erneut zu jenem Fall »äußerten«: « Uns zeigt man den Vordergrund und verdeckt damit, was im Hintergrund wirklich geschieht. Wie wir alle genarrt werden – aber das brächte uns ja doch zu dem Thema zurück, das heute keins sein soll. Also Schluss jetzt.«

Weder Sie noch ich haben offenkundig Lust, auszusprechen, was sich im Hintergrund abspielte und noch geschieht, was aufzudecken wäre und wie sehr wohl gerade die jetzt als besonders honorig empfundene Haltung dieses Menschen uns »narrt«. Legen Sie es doch auf Wiedervorlage.

Da auch ich nicht so gerne auf das Schafott gehe, schließe ich mit herzlichem Dank für den Mut, etwas zu verschweigen. Es gehört mehr dazu, als alles wortreich auszudrücken. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle