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Montagsthemen (vom 3. März)

Dass die Bayern schon in diesem Monat Meister werden (können), bereitet manchem Fußball-Macher und -Schreiber Sorgen. Wegen fehlender Spannung, dem größten anzunehmenden Unfall im Showgeschäft Bundesliga. Mir nicht. Es geht nicht um Show der Show Willen, sondern um Leistungssport. Und da sind die Bayern die größte Show. Je früher Meister, desto besser die Leistung. Man mag’s beklagen, aber es ist so. Das ist Sport.
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Mich beschäftigen andere Fragen. Springt Löw über seinen Schatten und nominiert Großkreutz auch für die WM? Den manchmal etwas peinlichen Jungen aus Dortmunds Straßen, der so gar nicht in Löws Anforderungsprofil adretter Gefälligkeit passt? Oder bleibt Lahm rechts, obwohl er dort im Verein nicht mehr spielt? Oder spielt Großkreutz rechts, obwohl auch er im Verein dort nicht mehr spielt? Schwierige Frage. Am Ende muss sie von Schweinsteiger, Khedira und Gündogan beantwortet werden. So der so.
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Noch mehr aber beschäftigt mich eine kalendarische Frage: Haben wir noch Fasching oder schon 1. April? Schuld an meiner Verwirrung ist die FIFA, die an der Dreifachbestrafung und dem Video-Tabu festhält, aber in einer scheinbar wichtigeren sportlichen Grundsatzfrage revolutionäre Wege geht und Kopfbedeckungen wie Schleier und Turban erlaubt. Was wie der schwächste Gag der Hintertupfinger Faschingssitzung und selbst als Aprilscherz zu unglaubhaft wirkt, ist aber die beflissene Wahrheit.
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Verboten bleibt Werbung auf der Sportkleidung, auch durch Lupfen des Trikots gezeigte Botschaften auf Unterhemden werden weiterhin streng geahndet. Dass Turban und Schleier ebenfalls werbende Botschaften sind, ficht die FIFA nicht an.
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Manches bleibt aber verboten. Zum Beispiel die Zipfelmütze mit gelbem Engel als Bommel. Das wäre kein erlaubtes Bekenntnis zu einer großen Glaubensgemeinschaft, denn an den ADAC glaubt kein Mensch mehr. Auch Narrenkappen bleiben verboten. Außer der für Blatter.
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Ach ja, der ADAC. Da ich immer auf der Seite derer stehe, die von allen Dresche kriegen: Glaubt denn einer, die Oscars würden auf andere Art vergeben als bisher die Gelben Engel? Oder Sportlerwahlen – da kommt unterstützende Hilfestellung häufiger vor als im Turntraining. Wie auch bei den meisten Rankings, denen die Kohl-Doktrin zugrunde liegt: Wichtig ist, was hinten rauskommt. In der ernst zu nehmenden Statistik ist aber viel wichtiger, was wie vorne reingesteckt wird. Für die grassierende Fußball-Statistikeritis – zum Beispiel Ballbesitz – gilt der Merksatz: Im besten Fall objektiv nicht falsch, sondern nur sinnlos.
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Nach diesem Diskurs zum Diskus (aua! Dafür verweigert selbst Hintertupfingen den Narrhallamarsch!): In Berlin flogen auf Betreiben des umtriebigen Harting die Disken durch die Halle, und in Split warf eine Kroatin erstmals seit etwa hundertzwanzig Jahren über 70 Meter – dazu fällt mir soviel ein, dass es den Rahmen der Montagsthemen sprengen würde, mit Hartings Sportlotto, der Talentförderung und einer Verteidigung (ja, wirklich!) des Frauenfußballs. Demnächst mehr dazu in dieser Kolumne.
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Heute steht nur noch Erfüllung des Bildungsauftrags an: Narrhallamarsch oder Narhallamarsch? In unserem Archiv gewann vor sechs Jahren, als ich die Frage erstmals stellte, der Narhallamarsch bei der Deutschen Presseagentur (dpa) mit sieben zu sechs, was bewies, dass Mehrheitsentscheidungen nicht immer die richtigen sein müssen. In unserem Gesamtarchiv führt mittlerweile der korrekte Narrhallamarsch mit 196 zu 43 Treffern. Schöner Beweis für Lernfähigkeit. Und wie trennt man den Narrhallamarsch? Narr-hall-am-arsch? Helau!
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Nachdem nun jede Kappensitzung zwischen Helgoland und Zugspitze im Fernsehen übertragen worden ist, sind manche von uns  schon in Aschermittwochsstimmung. Vor allem, wenn sie verschärften Karneval à la »Da steppt der Bär beim Em-De-Är« erleben mussten.
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Mussten? Mir müsse gar nix müsse, nur sterbe duhn mir müsse! Allen wohl und niemand weh, wer was anners will, der geh!  Narrhallamarsch*. Siehste! (gw)
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* Hier im Blog schaffe ich es einfach nicht, was mir fürs Blatt gelungen ist: den Narrhallamarsch in der Zeile so zu platzieren, dass er richtig getrennt wird.

(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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