Archiv für März 2014

Sonntag, 30. März, 7.20 Uhr

Aus den Meldungen der Nacht bei dpa: Die Objekte, die am Samstag aus dem Meer geborgen worden waren, stellten sich als gewöhnliches Treibgut heraus. Diese waren die ersten geborgenen Objekte, die zu der am 8. März verschwundenen Maschine mit 239 Menschen an Bord hätten gehören können. Hübsche Formulierung: „Hätten gehören können“. Auf die Art kann man noch viele Objekte bergen, die zu der Maschine hätten gehören können.

In Malaysia fährt gleich die Formel 1 in Gedenken an die Flugzeugopfer, nachdem sie zuvor in Solidarität zu Michael Schumacher gefahren war. Über ihn gibt es keine Schlagzeilen mehr, und das ist ein dröhnendes Schweigen.

Soeben meldet dpa einen knappen Dallas-Sieg. Ob es noch was wird mit den Playoffs? Das erinnert mich an ein ein Thema, das ich mir für eine Kolumne vorgenommen habe: Wer gehört in die Hall of Fame des deutschen Sports? Wer sind die besten, die größten deutschen Sportler aller Zeiten? Ob ich es in den „Anstoß“ bringe, weiß ich aber noch nicht, denn es ist im Grunde ein beliebiges Thema, hat außerdem mit Rankings zu tun, deren Inflation ich schon oft veräppelt habe, aber es juckt mich, weil ich damit schön provozieren könnte, und zwar nicht der Provokation willen, sondern aus tiefstem sportlichen Herzen. Das liegt nicht an meiner Nummer eins Dirk Nowitzki, denn der wäre zwar nicht die Nummer eins der deutschen Mehrheit, würde aber von ihr akzeptiert. Meine Nummer zwei, knapp hinter Nowitzki, vor Boris Becker, wäre der Empörungsgrund: Jan Ullrich.

Ebenfalls eine Meldung der Nacht, aus dem beschaulichen Freiburg: Manche Nürnberger schleuderten nach Polizei-Angaben mit Nägeln und Schrauben gefüllte Flaschen auf die Freiburger. Die Polizei trennte die Gruppen. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht mitgeteilt. – Ich hoffe doch schwer, zu den näheren Einzelheiten wird die Nachricht gehören, dass das gezielte Werfen von mit Nägeln und Schrauben gefüllten Flaschen auf Menschen den Tatbestand des Mordversuchs beinhaltet und entsprechend geahndet wird. Ich fürchte aber, es wird beim „Du-Du! Das macht man nicht!“ bleiben.

Das muss natürlich in die „Montagsthemen“. Ansonsten steht noch nichts auf dem Zettel. Das wird sich hoffentlich ändern, wenn ich jetzt Inspirationen bei Kaffee, Kuchen und Zeitungen suche.

Esse ich zum Frühstück immer Kuchen? Wird der Kaffee tatsächlich mit einem Knicks serviert? Bei solchen privaten Nebengeräuschen darf der Leser auch im Blog nicht glauben, sie entsprächen der biografischen Wahrheit. Da ich keine Figur der Zeitgeschichte bin, spiele ich nur mit mir als Figur, um Meinungen, Informationen oder auch nur stilistische oder kalauerige Spielereien unterzubringen. Immer noch das beste Beispiel dafür sind Axel Hackes Gespräche mit seinem Kühlschrank Bosch. Dass er das wirklich tut, ist ungefähr so wahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass ich mit meinem E-Bike spreche. Habe ich eins? Hat Hacke überhaupt einen  Kühlschrank? Kommt jetzt die Liebste und knickst mir den Kaffee?

 

 

 

 

Veröffentlicht von gw am 30. März 2014 .
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Sonntag, 23. März, 6.35 Uhr

Ein Katzenkampf holt mich aus dem Schlaf. Zerfleischen die sich? Den Tönen nach müssen die Katzen schon halb tot sein. Sie schreien, heulen, quietschen in den höchsten und schlimmsten, den grausligsten Tönen. Raus aus dem Bett, ans Fenster. Zwei schwarze Katzen in der Dämmerung, sie sitzen sich gegenüber, Kopf an Kopf. Schreien sich an. Eine von beiden ist eine von unseren beiden. Der große faule Julius. Die andere, eine schwarzgraue, ist mir unbekannt. Sie schreien weiter, die Schwänze peitschen. Nur die Schwänze, beide Körper ansonsten wie erstarrt, Nase an Nase. Ich laufe runter, öffne die Tür. Die Katzen sehen mich. Die unbekannte geht langsam weg, Julius kommt langsam gravitätisch anstolziert. Nichts passiert. Waren nur Drohgebärden. Vielleicht nicht mal das, vielleicht nur eine angeregte Unterhaltung.

Und Honecker hat doch recht, hätte recht gehabt, wenn er nur ein bisschen realitätsnäher formuliert hätte:  Den FC Bayern in seinem Lauf halten weder Mainz noch ManU auf. Wohl wahr, denn der Fußball hat seine eigenen Gesetze, nicht die des Kommunismus. Den hielten nicht Ochs und Esel auf, sondern er sich selbst. Was den FC Bayern aufhalten könnte, wird nicht aufgearbeitet. Alles Stochern im Schweizer Bankennebel wird denselben nicht lichten. Auch der „Stern“ hat den kapitalen Fisch nicht an der Angel, präsentiert mit Vronisihrnfreund und der Hannover-Connection inklusive Mirko Slomka nur vergleichsweise irrelevanten Beifang. Sie hatten natürlich keine Ahnung, dass die Fonds, in die sie investierten, unter dem „bösen Verdacht“ stehen, „den Fiskus auszunehmen. Indem die Finanzbehörden angeblich getäuscht und so dazu verleitet werden sollten, mehr Kapitalertragssteuer zu erstatten, als zuvor überhaupt bezahlt worden waren“ („Süddeutsche Zeitung“). Jetzt haben sie den Salat. Und kein Tischlein-deck-dich.

Kein Thema für die Montagskolumne. Zu wenig Durchblick. Nicht nur ich, offenbar alle, die sich damit beschäftigen. Nein, nicht alle, die sich damit beschäftigen, nur alle, die darüber berichten. Ich halte mich lieber an andere Skandale. Die „HörZu“ preist in ihrem Top- und Flop-Ranking den Sportstudio-Moderator Jochen Breyer für seinen „ungewohnten Mut: So wagte er es etwa, berechtigte Kritik an Fußballlegende Rudi Völler für dessen frauenfeindlichen Spruch zu üben. Vorbildlich.“ Da ich in senilstörrischem Trotz die Spätsendung nicht mehr sehe, weiß ich nicht, worum es ging. Aber für so etwas ist ja das Internet gut. Dort lese ich, dass Völler zu einem Zweikampf beim Aufwärmen, bei dem Roberto Hilbert weggegrätscht wurde, beschwichtigend gesagt hat, „wir sind schließlich nicht beim Frauenfußball“. Das also ist schon „frauenfeindlich“?! Breyers „Wagemut“: Er kommentierte den Spruch als „Völlers Beitrag zum Weltfrauentag“. Wie ungeheuer mutig!

Weitere Themen auf dem Zettel: Baumfällen fördert die Testosteronproduktion  vermutlich stärker als Doping mit männlichen Sexualhormonen, in jedem Fall aber stärker als Fußballspielen. Den Beweis dazu lieferten Speichelproben von baumfällenden Eingeborenen  im Amazonas-Dschungel. Könnte ein Montagsthemchen werden, plus Trainingshinweis für kommende Bayern-Gegner: Nicht so viele Fußballspielchen a la „5 gegen 2“, sondern Bäume fällen. Wenn die Eintracht-Profis den Stadtwald roden, gewinnen sie noch die Champions League. Tätäää!

Auch auf dem Zettel: Statistik-Quatsch in der Gewaltforschung (als Schlenker nach Völlers Frauenfeindlichkeit) / „restlose Aufklärung“, die keine ist, aber abgeschrieben und vermeldet wird / neues Jacko-Gill-Trainingsvideo. Aber nun erst mal Pause. Knicks und Kuchen.

 

Veröffentlicht von gw am 23. März 2014 .
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Donnerstag, 20. März, 10.50 Uhr

Der Sport-Stammtisch für Samstag ist in groben Zügen schon geschrieben, da ich morgen wenig Zeit habe. Termine, Termine! In den Jahrzehnten als Mitglied der Chefredaktion habe ich mir einige Freiheiten herausgenommen, die ich jetzt ja mal zugeben kann: Dass ich nie – nie! – Schlips und Kragen anhatte, gehört dazu, das konnte ich auch nicht verbergen. Dass ich die Ausschließlichkeit aber hundertprozentig durchgezogen habe, gehört zu meinen Rumpelstilz-Geheimnissen. Ach wie gut, dass auch niemand wusste, dass ich zwar alle möglichen Zeitungen las, aber nie die des direkten Mitbewerbers vor Ort. Nicht aus Missachtung, sondern weil ich mich nicht beeinflussen lassen wollte. Außerdem genügt es völlig, die eigene Lokalzeitung zu lesen. Ach ja, ich geb’s ja zu: vor allem aber, weil ich keine Lust dazu hatte. Ich würde das auch gerne den Ex-Kollegen beider Zeitungen empfehlen, denn es befreit. Ist aber wg. beruflicher Zwänge für fast alle Redakteure nicht möglich.

Daran geändert hat sich nichts, weder an der Krawatte noch am Nicht-Lesen. Geändert hat sich nur, dass ich jetzt erstmals einen Terminkalender führen muss. Im Beruf konnte ich fast alle Termine ignorieren, die man mir aufs Auge drücken wollte, und ich kann sagen, meiner journalistischen Schaffenskraft hat das sehr gut getan. Die paar wenigen Muss-Termine konnte ich mir merken, jetzt aber, als Rentner, häufen sie sich, ich muss sie aufschreiben.

Eigentlich wollte ich jetzt etwas zur Krim schreiben und zum Balkan. Wie damals bei uns alle die Selbstbestimmungs-Forderungen auch der kleinsten Volksgruppe unterstützt hatten und jetzt … aber ich habe keine Zeit mehr. Termine!

 

Veröffentlicht von gw am 20. März 2014 .
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Sonntag, 16. März, 8.35 Uhr

Kaffee ist getrunken, Zeitungen sind gelesen, Vettel ist raus, und den Früheintrag im Blog hätte ich als WBI-Rätsel nehmen sollen, denn Spitzenreiter Walther Roeber hat sich schon gemaildet (hach! Spontankreation) und fragt nach, wer denn dieser H. N. ist. Und das bei diesen verräterischen Angaben! Da hätte ich Walther Roeber bei WBI endlich mal erwischt, an den Iden des März. Die waren schon immer eine schöne Erinnerungshilfe für He … s Geburtstag. Nein, nicht Heriberts.

Im Blatt hatte ich schon lange keinen Rückblog-Sampler mehr. Falls die Redaktion in dieser Woche eine Zusatzkolumne neben Montagsthemen, Ohne weitere Worte und Sport-Stammtisch will, stelle ich einen Rück-Blog zusammen. Macht Freude und wenig Kreativarbeit.

Ob ich bei Ohne weitere Worte wirklich ohne weiteren Hoeneß auskomme? Viele schöne Zitate gefunden, die (was eines der Hauptprinzipien für diese Kolumne ist)  nicht schon anderswo durchgenudelt worden sind. Mal sehen.

Letzter Schreck in der Morgenstunde: Ich werde alt, so alt! Mich gerade dabei ertappt zu erwägen, demnächst vielleicht mit Stöcken schnellzugehen. ICH!!!! Und noch so ein fataler Gedanke: Wenn die allerliebste Zielgruppe in dieser Woche ein E-Bike bekommt, könnte ich doch auch mal … nur zur Probe … ganz heimlich … irgendwo im Wald … sieht ja keiner  … auweiaweiaweia. Greisenfrust. Diese Gedanken muss ich ganz weit weg in den Kalk hinterster Hirnwindungen verstecken. Und jetzt ran an die Montagsthemen. Ohne Stock und Akku.

Veröffentlicht von gw am 16. März 2014 .
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Sonntag, 16. März, 6.30 Uhr

Beim Schreiben des Datums festgestellt, gestern den Geburtstag des lieben H.  vergessen zu haben. Schnell die Gratulation mit einer Mail nachgeholt. H. kennen nicht nur unsere Leser sehr gut, sondern für sich und als Hälfte auch ganz Hessen und mindestens halb Deutschland.

Um diese Uhrzeit fühle ich mich sonst als einziger Wacher auf der Welt, aber heute sind auch schon ein paar andere aufgestanden und schalten gleich den Fernseher an. Formel 1 in Australien. Start in mittlerweile 17 Minuten. Gigantische Tele-Quote garantiert, denn wer guckt um diese Zeit außer Formel-1-Fans Fernsehen? Selbst die werden in Nach-Schumi-Zeiten immer weniger (kommen jetzt auch die Nach-Vettel-Zeiten? Beziehungsweise die Nach-Red-Bull-Zeiten?).

Die Fernsehquoten werden aber auch ihren eigenen Schwachsinn belegen, denn so gigantisch sie auch sein mögen, sie werden erfahrungsgemäß unter ca. 75 Prozent liegen. Ein Viertel schaut also irgend was anderes. Was denn bloß?

Über die Ermittlung der Quoten habe ich schon vor zwei, drei Jahrzehnten geschrieben, über die Unglaubwürdigkeit, über die blödsinnige Art ihrer Ermittlung und über die Belanglosigkeit ihrer Ergebnisse, außerdem über die absurde Einteilung in relevante Guckerklassen. Die abstruse „14 bis 49“-Relevanz – von RTL-Thoma damals einfach erfunden und mindestens so irrelevant, wie sie als relevant verkauft wurde. Inzwischen ist sie wohl heimlich, still und leise auf „14 bis 59“ modifiziert worden, bleibt aber quatschig wie eh und je. Als kleiner Rechthaber freut mich natürlich, dass ich in den letzten Monaten in den großen Feuilletons das Gleiche lesen konnte, was ich damals geschrieben habe. Vielleicht demnächst mal ein Thema für die „Nach-Lese“ im Feuilleton. Oder nur als Randbemerkung im „Anstoß“. Für die nächste „Nach-Lese“, wenn ich denn mein altes Baby wieder mal sitten darf, habe ich mir schon Hunde vorgenommen – den von Thomas Mann, den von H. v. Hentig und meinen Kreta-Hund. Oberthema dabei: Die Einfühlsamkeit der als einfühlsam Bekannten (in diesem Fall des Schriftstellers und des Pädagogen) erschöpft sich oft in der Einfühlsamkeit für sich selbst (in diesem Fall: auf Kosten ihrer Hunde, die arme Schweine sind. Siehe Bauschan)

Für die „Montagsthemen“ habe ich noch keinen Plan außer dem, den Namen Hoeneß nicht zu erwähnen, die ganze causa nicht, nachdem von allen alles und noch viel mehr  und viel zu viel gesagt, geschrieben und gesendet worden ist. Aus sportlichem Ehrgeiz will ich sogar versuchen, in der Zitaten-Kolumne für Dienstag ohne Hoeneß auszukommen. Was schwierig wird, denn man stelle sich bloß vor, in den Zeitungen der vergangenen Woche würden alle Artikel fehlen, die mit Hoeneß zu tun haben – das wären keine Notausgaben nach Generalstreik mehr, das wären nur noch einseitige Din-A-4-Blättchen. Mit Hoeneß waren sie vielseitig einseitig.

Ein Wort zum Prozess kommt vielleicht dennoch rein. Zum Weltsensationsprozess, der rund um Deutschland herum einer ist, in Deutschland aber in der Hoeneß-Versenkung verschwand. Er wird wieder auftauchen. In der Versenkungswoche werden viele verpasst haben, was nach Lebenserfahrung den Tathergang klärt, also ob fatales Versehen oder Beziehungstat. Die identischen Aussagen der Nachbarn (erst markerschütternde Schreie, danach Schüsse) lassen nur einen Schluss zu. Ob es dennoch zu einem O.J. Simpson-Urteil kommt?

Und da wäre für mich in meiner Flugangst noch das Grausligste der letzten Tage, der Irrflug des vermissten Flugzeugs. Jemand schaltet die Geräte ab, ändert den Kurs und fliegt oder lässt die Maschine stundenlang ins Irgend- und Nirgendwo fliegen. Zum Glück steht bei mir in diesem Jahr bisher kein Flugtermin an. Ich würde ihn absagen.

So, elf nach sieben, die Formel 1 fährt schon. Erste sid-Meldung: Rosberg gewinnt Start, Vettel hat Probleme und fällt vom zwölften Platz noch drei weitere zurück. Raten Sie mal, ob ich jetzt den Fernseher einschalte oder Kaffee serviert bekomme und Zeitung(en) lese. Da kommt sie ja. Ja, Sie. Mit Knicks und Kuchen und Kaffee.

Veröffentlicht von gw am 16. März 2014 .
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