Archiv für März 2014

Montagsthemen (vom 31. März)

Wie in der NBA: Für die Top-Teams beginnt die Saison erst mit den Playoffs, zuvor ist nur Warmspielen angesagt, das mit Conference-, Divisions- oder eben Landesmeister-Titeln endet. Wie gut die national phänomenalen Bayern – und ihr himmelhochgelobter Trainer – wirklich sind, das muss sich noch zeigen. In den kommenden Finalspielen.
*
Das 3:3 gegen Hoffenheim spielt dabei keine Rolle. So viele Tore gegen die Bayern schoss zwar zuletzt … Manchester. Allerdings City, nicht United. Aber immerhin. Am Samstag spielte jedoch nur eine bessere B-Elf, zudem auf Menschenmaß geschrumpft durch den menschlich unvermeidlichen Konzentrationsverlust nach der »Conference«-Titelfeier.
*
Wie die Bayern, so auch der BVB. Sein Vorteil: Im nationalen Vorgeplänkel haben die Dortmunder so viel verdaddelt, dass sie fast schon als Kanonenfutter gelten. Doch die Champions League kommt ihnen entgegen, dort können sie so spielen, wie ihre diversen Überraschungs-Besieger in der Bundesliga.
*
Handicap der Bayern: Kaum habe ich, spät, jedenfalls später als echte Fachleute, die überragenden Qualitäten von Thiago erkannt und gewürdigt, da fällt der junge Spanier wieder langfristig aus. In der Hinrunde Riss des Syndesmosebandes, jetzt reißt das Innenband im Knie. Verletzungen von der Art, die seltener durch brutale Fouls als durch Überlastung provoziert werden. War ja kürzlich erst ein »Anstoß«-Thema: Durch das immer früher beginnende Hochleistungstraining kommen Fußballer mit 30 nicht mehr in die besten, sondern in ihre letzten Jahre, manche haben sie dann sogar schon hinter sich.
*
Gilt auch für andere Sportler. Wie für Jacko Gill, das Kugelstoß-Wunderkind, das mit 16 die Fünf-Kilo-Kugel unfassbare 24,45 Meter weit stieß. Ich habe in dieser Kolumne schon mehrmals auf ihn und sein irrwitziges Training hingewiesen, zuletzt am Samstag vor dem Duell mit Tom Walsh bei den neuseeländischen Meisterschaften. Walsh war alles andere als ein Wunderkind, wurde langsam aufgebaut und gewann mit rund einem Meter Vorsprung vor dem nun 20-jährigen Gill, dessen 19,73 Meter mit der Männerkugel aus einer zu frühen Weltsensation einen Allerweltssportler machen. 19,73 Meter, das ist die Preisklasse eines mir gut bekannten Ex-Stoßers. Mit 16 stieß er die Fünf-Kilo-Kugel knapp über 14 Meter.
*

Aber das nur am Rande. Zurück zum Fußball. Die Frankfurter Eintracht: Zum wiederholten Mal spielte sie den besseren Fußball als ihr Gegner und verlor dennoch. Rechnet man alle vermeidbaren Punktverluste zusammen, stünde sie irgendwo oben neben Leverkusen. Aber in der Bundesliga entscheiden Punkte und kein Konjunktiv.
*
Apropos Konjunktiv. Gestern meldete dpa: »Die Objekte, die am Samstag aus dem Meer geborgen worden waren, stellten sich als gewöhnliches Treibgut heraus. Diese waren die ersten geborgenen Objekte, die zu der am 8. März verschwundenen Maschine hätten gehören können.« – »Hätten gehören können«, welch eine aparte Formulierung. Sie könnte zu spöttischen Vergleichen reizen, wie viele Objekte man noch bergen könnte, die zu der Maschine hätten gehören können – wenn nicht der Gedanke an die letzten Stunden der Menschen an Bord jeden Spott verböten.
*

In Malaysia legte die Formel 1 eine Schweigeminute für die Opfer ein. Auch hier böte sich der Spott an, die neuen Motoren alleine garantierten  schon sehr ausgedehnte Schweigeminuten. Doch ich muss dabei wieder an Michael Schumacher denken. Schon Ende Januar schrieb ich, das Schweigen der behandelnden Ärzte werde von Tag zu Tag lauter und bedrohlicher. Es ist ein dröhnendes Schweigen geworden.
*
Themawechsel. Der Skandal von Freiburg. Nein, nicht die irre Wutrede des Nürnberger Trainers über seinen angeblich irren Kollegen, das kann man eher unter dem Stichwort »schlechter Verlierer« ablegen. Sondern: Laut Polizei schleuderten Nürnberger »Fans« mit Nägeln und Schrauben gefüllte Flaschen auf Freiburger Anhänger. In ersten Meldungen hieß es: »Die Polizei trennte die Gruppen. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht mitgeteilt.«
*
Ich hoffe, als nähere Einzelheit wird noch mitgeteilt, dass das gezielte Werfen von mit Nägeln und Schrauben gefüllten Flaschen auf Menschen den Tatbestand des Mordversuchs beinhaltet und entsprechend geahndet wird. Ich fürchte aber, es wird beim »Du-Du! Das macht man nicht!« bleiben. (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 30. März 2014 .
Abgelegt unter: gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Sonntag, 30. März, 7.20 Uhr

Aus den Meldungen der Nacht bei dpa: Die Objekte, die am Samstag aus dem Meer geborgen worden waren, stellten sich als gewöhnliches Treibgut heraus. Diese waren die ersten geborgenen Objekte, die zu der am 8. März verschwundenen Maschine mit 239 Menschen an Bord hätten gehören können. Hübsche Formulierung: “Hätten gehören können”. Auf die Art kann man noch viele Objekte bergen, die zu der Maschine hätten gehören können.

In Malaysia fährt gleich die Formel 1 in Gedenken an die Flugzeugopfer, nachdem sie zuvor in Solidarität zu Michael Schumacher gefahren war. Über ihn gibt es keine Schlagzeilen mehr, und das ist ein dröhnendes Schweigen.

Soeben meldet dpa einen knappen Dallas-Sieg. Ob es noch was wird mit den Playoffs? Das erinnert mich an ein ein Thema, das ich mir für eine Kolumne vorgenommen habe: Wer gehört in die Hall of Fame des deutschen Sports? Wer sind die besten, die größten deutschen Sportler aller Zeiten? Ob ich es in den “Anstoß” bringe, weiß ich aber noch nicht, denn es ist im Grunde ein beliebiges Thema, hat außerdem mit Rankings zu tun, deren Inflation ich schon oft veräppelt habe, aber es juckt mich, weil ich damit schön provozieren könnte, und zwar nicht der Provokation willen, sondern aus tiefstem sportlichen Herzen. Das liegt nicht an meiner Nummer eins Dirk Nowitzki, denn der wäre zwar nicht die Nummer eins der deutschen Mehrheit, würde aber von ihr akzeptiert. Meine Nummer zwei, knapp hinter Nowitzki, vor Boris Becker, wäre der Empörungsgrund: Jan Ullrich.

Ebenfalls eine Meldung der Nacht, aus dem beschaulichen Freiburg: Manche Nürnberger schleuderten nach Polizei-Angaben mit Nägeln und Schrauben gefüllte Flaschen auf die Freiburger. Die Polizei trennte die Gruppen. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht mitgeteilt. – Ich hoffe doch schwer, zu den näheren Einzelheiten wird die Nachricht gehören, dass das gezielte Werfen von mit Nägeln und Schrauben gefüllten Flaschen auf Menschen den Tatbestand des Mordversuchs beinhaltet und entsprechend geahndet wird. Ich fürchte aber, es wird beim “Du-Du! Das macht man nicht!” bleiben.

Das muss natürlich in die “Montagsthemen”. Ansonsten steht noch nichts auf dem Zettel. Das wird sich hoffentlich ändern, wenn ich jetzt Inspirationen bei Kaffee, Kuchen und Zeitungen suche.

Esse ich zum Frühstück immer Kuchen? Wird der Kaffee tatsächlich mit einem Knicks serviert? Bei solchen privaten Nebengeräuschen darf der Leser auch im Blog nicht glauben, sie entsprächen der biografischen Wahrheit. Da ich keine Figur der Zeitgeschichte bin, spiele ich nur mit mir als Figur, um Meinungen, Informationen oder auch nur stilistische oder kalauerige Spielereien unterzubringen. Immer noch das beste Beispiel dafür sind Axel Hackes Gespräche mit seinem Kühlschrank Bosch. Dass er das wirklich tut, ist ungefähr so wahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass ich mit meinem E-Bike spreche. Habe ich eins? Hat Hacke überhaupt einen  Kühlschrank? Kommt jetzt die Liebste und knickst mir den Kaffee?

 

 

 

 

Veröffentlicht von gw am 30. März 2014 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert

Sport-Stammtisch (vom 29. 3.)

Minderheiten-Meinungen zur Torlinientechnik, der Nationen-Liga und zum späten Sieg von Walujew über Klitschko, dazu Abschweifungen zur Kokosnuss als Massenvernichtungswaffe, zu einem Video, das weh tut, und zu einem noch viel schmerzhafteren Rezept, um wahre Größe zu zeigen – heute will ich mannhaft gegen den Mainstream anpaddeln, da kann manches in die Hose gehen, und auch sie kommt heute dran, als gabelndes Kleidungsstück, das einen bayerischen Heilerziehungspfleger mit einem US-Postboten verbindet, aber erst, wenn dieser mit Abstand längste Satz der ganzen Kolumne endlich sein grammatisch unfallfreies Ende gefunden hat. – Hat er?
*
Torlinientechnik. Dass sie abgelehnt wurde, findet die große Mehrheit der Fußballinteressierten ziemlich bescheuert. Ich nicht. Worüber wird da diskutiert? Um ein Prozent, nein, eher um ein Promille der im Fußball vorkommenden Fehlentscheidungen. Die Klubs müssten viel Geld in die Hand nehmen für ein Promille, obwohl doch dieses und die restlichen 99,9 Prozent ohne jeden Mehraufwand zu haben wären. Zuletzt sahen wir mutige Schiedsrichter, die auf Hinweis ihrer Linienrichter Fehlentscheidungen zurücknahmen. Gleiches könnten sie auf Hinweis ihrer Videobeobachter tun … aber was soll’s, meine Video-Hilfe war nie ein Thema. Für mich auch nicht mehr. Aber die Torlinientechnik erst recht nicht. Sie brächte lediglich ein Sandkorn Gerechtigkeit in eine Wüste von sportverfälschenden Fehlentscheidungen.
*
Worüber sind Sie sprachlich im vorigen Absatz gestolpert? Über den wüsten Vergleich? Können Sandkörner hinken? Vergleichsweise ja. Im vorigen Absatz habe ich aber einen anderen Satz untergebracht, der nicht hinkt, sondern durch die Schreibmodelandschaft galoppiert: »Geld in die Hand nehmen« – da schüttelt’s mich immer wieder. Sie auch? Danke. »Gerne«?
*
Nationen-Liga. Noch ein neuer Wettbewerb? Warum nicht? Die Großen sind dagegen, die Kleinen dafür, und da ich immer auf deren Seite stehe, verstehe ich auch ihre Argumente: Für Freundschaftsspiele finden sie keine attraktiven Gegner, in einem neuen Länder-Wettbewerb können sie dagegen ein paar Euro verdienen, zwar nur Peanuts im Vergleich zu dem, was die Großen absahnen, aber hilfreich für sie und die fußballerische Infrastruktur im Lande. Da die bisher üblichen Freundschaftsspiele wegfallen sollen und können, gibt es auch keine Mehrbelastung für die Großen. Wo ist das Problem?
*
Torlinientechnik, Nationen-Liga – in der aufgeregten Diskussion wird viel warme Luft umgewälzt, das lenkt von dem heißen Eisen ab, das man lieber nicht anfasst: die Abhängigkeit des großen Fußballs vom großen Geld der Oligarchen und sonstigen Potentaten. Nehmen wir nur mal Schalke 04 und Gazprom: Was, wenn die Russen mit Gazprom Sanktions-Gegendruck ausüben? Und Putin hat die Hände beziehungsweise das Gas noch in anderen Sportprojekten im Spiel. Was, wenn die Oligarchen in London und anderswo kalte Füße bekommen und auf ihre teuren Spielzeuge verzichten wollen oder müssen? Was, wenn Katar nach all der – berechtigten – Kritik beleidigt die Alimentierung von UEFA, Paris oder Barcelona beendet? Was, wenn der Hedgefonds bei Hertha BSC nicht Wohltäter spielt, sondern nur die Rolle, die Hedgefonds zu spielen pflegen? Was, wenn der FC Bayern in Schweizer Konten-Affären … nein, die Gefahr ist ja gerichtlich gebannt.
*
Auf Schalke beunruhigt die Krim-Krise nicht nur den Klub, sondern auch dessen Boss: Clemens Tönnies hat als Fleischfabrikant in Russland Summen investiert, gegen die Gazproms jährliche 15 Millionen in der Tat nur Peanuts sind. Tönnies war mal deutscher Zerlegemeister, er beinte sechs Schweineschultern in 65 Sekunden aus. Im Profifußball liegen ganz andere Zerleger auf der Lauer, sie brauchen keine Schweine, sondern Klubs, die dann kein Schwein mehr haben.
*
Dass Putin-Freund Walujew im Krisenkampf gegen Putin-Feind Klitschko haushoch nach Punkten führt … dass man sich lieber nicht vorstellen mag, wie eine Timoschenko als russische Machthaberin mit der Ukraine umginge … dass ein harter Pershing-2-Knochen wie Helmut Schmidt plötzlich als Russland-Versteher in eine westlichschädlich feige Ecke gedrängt wird … dass Europa wie ein besoffener russischer Bär in die Ukraine torkelte und nun unter schlimmem Kater leidet … dass … das lasse ich lieber, sonst bricht dieser Satz den Längenrekord des ersten um, nun ja, Längen.
*
Ist sowieso alles Jacke wie Hose. Und damit zu den vermischten Meldungen. Im bayerischen Schongau steht ein Heilerziehungspfleger in der Stichwahl um den Posten als Bürgermeister. Eine seiner Hauptforderungen im Wahlkampf: »Abschaffung des gesellschaftlichen Zwangs der Hose«. Das erinnert mich an jenen US-Postboten und dessen nun nicht mehr einsamen Kampf, der den Dienst an und in der Hose verweigerte, weil ein Rock der Anatomie des Mannes besser entspräche als ein »sich gabelndes Kleidungsstück«, vulgo: Hose.
*

Vom Rock zum Rock: Die verdienstvolle »Stimmt’s«-Kolumne der »Zeit« räumt mit einem Mythos der Neuzeit auf, dass mehr Menschen von herabfallenden Kokosnüssen getötet werden als von Haien. Stimmt also nicht. Aber wohl nur, weil von Kokospalmen herabfallende Menschen statistisch unter den Tisch fielen, wie Altrocker Keith Richards, der mit 62 auf den Fidschi-Inseln von der Palme fiel. Zum Glück lebt er immer noch, obwohl er nicht immer so aussieht. Bei Keith Richards fällt mir noch ein, dass er sich in den Stones-Anfangsjahren »Richard« nannte, um Assoziationen zu den damals populären Cliff Richard und Little Richard zu wecken, und dass er mal behauptete, die Asche seines Vaters geschnupft zu haben. Aber das glaube ich so wenig wie die Mär über Mick Jagger, der sich angeblich ein gewisses Körperteil von Bienen stechen lässt, damit es bzw. er unter der Hose gewaltiger wirkt. Obwohl – Keith hat doch in seinen Memoiren geschrieben, Mick habe »einen winzigen Pimmel« …
*
Bevor diese Kolumne vollends abdriftet, paddele ich zurück zum Sport: Es wird nur eine Minderheit interessieren, doch ihr sei ein neues Trainings-Video des neuseeländischen Kugelstoß-Wunderknaben Jacko Gill empfohlen, allerdings nicht zur Nachahmung, denn es tut schon beim Hinschauen weh. Gill trifft heute bei den Landesmeisterschaften auf den Sensations-WM-Dritten Tom Walsh, ein Duell, das die Welt-Wurfszene elektrisiert. Sie nicht? Sie lesen lieber ein gutes Buch? Auch hier habe ich eine Empfehlung: Nachdem mich Zadie Smith nach ihrem großartigen »Zähne zeigen« mit ihrem überkandidelten neuen Buch schwer enttäuscht hat, lese ich zur Zeit Donna Tartts 1000-Seiten-Wälzer »Distelfink«, und der scheint es mit ihrem grandiosen Debüt »Die geheime Geschichte« aufzunehmen. Aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 28. März 2014 .
Abgelegt unter: gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

E-Mail für mich (Anstoß vom 27. März)

Im Internet sind nicht nur meine  Kolumnen und Blogs zu lesen (siehe »Sport, Gott & die Welt«), sondern auch viele der bemerkenswertesten Leser-Zuschriften. Heute zitiere ich aus März-Mails an mich, aus Platzgründen mit vielen Auslassungen. Die Mails sind in voller Länge in der Rubrik »Mailbox«  von »Sport, Gott & die Welt«) nachzulesen, reinklicken lohnt sich. Unsere Leser haben viel zu sagen.
*****
Zur Torlinientechnik: »Gott sei Dank abgelehnt!«, freut sich Kay Velte aus Wetzlar, »ich finde, das Spiel lebt ganz entscheidend von diesen Situationen. Und ich setze sogar noch einen drauf: Ich bin der festen Überzeugung, dass dem Spiel insgesamt auch weniger Fernsehkameras gut tun würden, denn dass wir mittlerweile mit Superslomo aus unterschiedlichen Blickwinkeln fünf- sechsmal die selbe Szene präsentiert bekommen um vorrangig den Schiris eine etwaige Fehlentscheidung nachzuweisen, hat mit ›Fairplay‹ nichts zu tun.« – Ganz anders argumentiert Walther Roeber (Bad Nauheim): »Da haben DFL und die darin vereinten Vereine ein Eigentor geschossen, das nicht einmal eine Zeitlupe oder gar eine Torkamera braucht. Zurück in die Steinzeit, am Besten nur mit einem ›allmächtigen‹ Halbgott in Bunt, der dann die Wahrheit gepachtet hat.« – Meine Meinung? Am Samstag im »Sport-Stammtisch«.
*
Auslöser der neuerlichen Hilfsmittel-Debatte war Stefan Kießlings »Phantom-Tor« in Hoffenheim. Reimar Dahler sieht seitdem höhere Mächte walten: »Es gibt den ›Fußball-Gott‹ und seine positiven Einflüsse auf eine gewisse Sportgerechtigkeit. Seit einigen Wochen besucht er die Bundesliga. Er sitzt, natürlich unerkannt, sehr gerne im Stadion in Leverkusen, um sich die Mannschaft anzusehen, die ein gemogeltes Tor gerne ›mitgenommen‹ hat. Dafür hat sie jetzt viele Heimspiele verloren, der Fußball-Gott wirkt schon auf seine ›Pappenheimer‹ ein.«
*
Nicht jeder freut sich über den Märzmeister. Helmut Cichorius jedenfalls nicht. Ihm ist »der Spaß am Fußball vergangen ob dieser gnadenlosen Dominanz des FC Bayern. Das hat was mit den Änderungen im Verteilerschlüssel der Fernsehgelder zu tun (seit einigen Jahren gestaffelt nach Tabellenplatz), und der absehbaren langfristigen Auswirkung auf Vereine, die keine andere Möglichkeit der Präsentation haben als die Bühne Bundesliga. Man mag ja über Heribert Bruchhagen denken, was und wie man will, aber das hat er warnend vorhergesagt.«
*
Manchen der Zuschriften kann ich auch mit längeren Zitaten nicht mal ansatzweise gerecht werden, so dem »Gebet für etliche Politiker und auch andere Meinungsbildner« von Pfarrer Paul-Ulrich Lenz. Auch was Dr. Hans-Ulrich Hauschild (Gießen) über eine »schweigende« Anmerkung von mir schreibt und mich dabei lobend mit Thomas Morus vergleicht (aber oh, das Schafott!), sollte ungekürzt gelesen werden. Es geht dabei um das Thema Hoeneß, das auch Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim) aufgreift: »Welche Stücke für das staunende Publikum gegeben werden, während hinter den Kulissen ganz andere ablaufen, können wir nur ahnen.« Zum Medien-Hype: »Sind wir Deutschen denn wirklich so dumm und sensationslüstern? Sind wir noch ganz knusper?? Der Bürgerkrieg in Syrien und das Leid der Bevölkerung dort? Kein Thema. Gab es mal eine Aufregung um Sebastian Edathy? Wäre unter anderen Umständen länger hochgehalten worden. Und Michael Schumacher kämpft um seine Genesung genauso einsam wie all die anderen Menschen, die in die Alpenkliniken mit Schädel-Hirn-Trauma eingeliefert worden sind. Dafür bekommen wir demnächst umfangreiche Berichterstattung über die Haftanstalt Landsberg.«
*
»Wer guckt sonntags am frühesten Morgen außer Formel-1-Fans Fernsehen?«, fragte ich in den »Montagsthemen«, »dennoch haben um diese Zeit auch andere Sendungen signifikante Marktanteile. Wieso bloß?« Das war als hypothetische Frage zum Unsinn der Quotenermittlung gedacht, aber (der Ex-Gießener) Thomas Koch aus Wiesbaden gibt eine verblüffende Antwort: »Schauen Sie sich doch mal sonntagmorgens das Fernsehprogramm für Kinder an, deren Eltern gerne noch ein bisschen schlafen wollen, dann finden Sie schon einen großen Teil Ihrer fehlenden Prozente.« – Aha! Daran habe ich in der Tat nicht gedacht.
*
In einer anderen »Montagsthemen«-Kolumne spielten Subjekt-Objekt-Verschiebungen eine Rolle, ein altes Hobby von mir. Horst Wiegard fand ein hübsches Exemplar dazu: »Zu den Montagsthemen passt die Meldung aus der FR von gestern, die zeigt, über welche Macht die Medien (oder nur der Spiegel?) heute verfügen: ›Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel ließ Edathy wissen, dass er einem Untersuchungsausschuss des Bundestages ›selbstverständlich‹ zur Verfügung stehen werde.«
*
Kritik an uns, aber vor allem an den von uns übernommenen Agenturmeldungen: »Was da während Olympia teilweise wieder ein Schund verzapft wurde, ging auf keine Kuhhaut mehr. Man fragt sich wirklich, was diese Leute eigentlich für einen Beruf erlernt haben«, ärgert sich Andreas Kautz. Dazu noch einmal »Mailbox«-Leser Walther Roeber: »Dem Beitrag von Hr. Kautz kann ich nur zustimmen. Es gilt nicht nur für den Sportteil, sondern ganz allgemein wird offenbar weder korrekturgelesen, noch ist Beherrschung der deutschen Sprache ein Kriterium, um ›Journalist‹ zu werden.« – Beide Leser meinen nicht mich, ich nehme die Kritik aber stellvertretend an, zumal ich fast täglich auf meine Fehlbarkeit hingewiesen werde: Wenn der Leser »gw« über Fehler stolpert, die der Schreiber »gw« tags zuvor übersehen hatte.
*
So, da könnte ich zum Ausgleich ja mal ein Lob einstreuen: »Meine Gattin und ich sind regelmäßige Leser Ihrer Kolumnen und immer wieder begeistert, normalerweise halte ich mich mit Mails zurück, aber heute wollte ich einfach einen Kommentar loswerden: Ihre heutigen Ausführungen zum Thema ›Antisemitismus-Diagnose‹ … ganz, ganz stark!!!« (Dietmar Harbach/Gießen). – Die Ausführungen sind bisher nur im Blog zu lesen, werden aber demnächst im Rahmen dieses heiklen Themas an anderer Stelle im Blatt (»Nach-Lese«) auftauchen.
*
Einer ist schon aufgetaucht und lässt einen anderen alten Bekannten ebenfalls wieder auftauchen: Der Wöllstädter Schriftsteller Otto A. Böhmer, unseren Lesern auch als Mitkolumnist früherer Jahre bekannt, meldete sich zu meiner Freude nach langer Zeit wieder einmal zu Wort, unter anderem zur Frankfurter Trainersuche, und mit seinem verblüffenden Vorschlag endet die heutige Ausgabe von »E-Mail für mich«: »Man könnte auch den überaus rüstigen Heynckes von seiner Ranch weglocken – mit dem Hinweis, dass er als Welttrainer ja noch einen Makel hat, der in seiner Frankfurter Zeit liegt, und es nun die einmalige Chance gibt, späte Wiedergutmachung zu betreiben. Kleiner Scherz.«
Nur ein Scherz? Warum eigentlich …?  (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 26. März 2014 .
Abgelegt unter: gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Helmut Cichorius: Spaß am Fußball vergangen

Ich bin immer noch ein treuer Leser ihrer Kolumnen und spreche ihnen Mut und Energie zu, diese weiter zu pflegen.
Dass ich mich seltener zu Wort melde als-wie früher liegt vielleicht daran, dass mir der Spaß am Fußball vergangen ist ob dieser gnadenlosen Dominanz des FC Bayern. Auch, bzw trotz als ehemaliger Leistungssportler auf Amateurebene bin ich mittlerweile der Auffassung,  zu den Münchnern nur noch eine sogenannte B- oder C-Elf zu schicken.
Das hat was mit den Änderungen im Verteilerschlüssel der deutschen Fernsehgelder zu tun (seit einigen Jahren gestaffelt nach Tabellenplatz), und der absehbaren langfristigen Auswirkung auf Vereine, die keine andere Möglichkeit der Präsentation haben als die Bühne Bundesliga.
Man mag ja über Heribert Bruchhagen denken, was und wie man will, aber das hat er warnend vorhergesagt.
Aber was wäre denn ein FC Bayern München ohne eine sportlich attraktive Plattform Liga?  Doch vielleicht nur eine verbesserte Kopie des Steaua Bukarest in den 80er-und 90er- Jahren?
Hier sollte ein Umdenken stattfinden, aber vielleicht bin ich auch nur noch ein ewig Gestriger, der guten alten Zeiten nachtrauert. (Helmut Cichorius)

Veröffentlicht von gw am 25. März 2014 .
Abgelegt unter: Mailbox | Kommentare deaktiviert

Baumhausbeichte - Novelle