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Matthias Reutzel: Der Hype um den Frauen-Fußball

Nächstes Wochenende beginnt die Rückrunde der Fußball-Frauen-Bundesliga:
Unter anderem startet der Tabellenführer des 1. FFC Frankfurt am Samstag, 22.02.14, 12:00 Uhr, im Spitzenspiel gegen den VfL Wolfsburg (Tabellenzweiter).
Eines vorneweg: ich habe nichts gegen Frauen-Fußball!
Es ist nicht immer einfach, sich in Sachen Sport politisch korrekt zu äußern.
Wie sich die Medien allerdings verhalten, führt zum Teil ins Absurde.
Leider kann sich die Wetterauer Zeitung (WZ), die ich für Ihre Sportberichterstattung sehr schätze, dem öffentlichen Hype um den
Frauen-Fußball offensichtlich (auch) nicht entziehen.
In ihrer Ausgabe vom 20. Januar 2014 titelte die WZ:
Frauen sind Männern überlegen Spitzenteam vom FFC Frankfurt schlägt die Klein-Karbener B-Junioren mit 3:0
Der Bericht hierzu nahm fast eine ganz Seite im Sportteil ein und war mit Bildern begleitet.
In der Ausgabe vom 15. Februar 2014 lese ich heute in der WZ auf Seite 19 einen ganz kleinen 12-Zeiler (im Anschluss an Berichte diverser Wetterauer Fußball-Freundschaftsspiele):
KSV-U16 schlägt FFC:
Nachdem der 1. FFC Frankfurt, Spitzenreiter der Frauenfußball-Bundesliga, vor rund 3 Wochen in Seckbach mit 3:0 gegen die U16 des KSV Klein-Karben gesiegt hatte, gewann der KSV in dieser Woche das kurzfristig organisierte “Rückspiel” etwas glücklich mit 2:0. Der FFC war unter anderem mit den Weltklassespielerinnen Behringer, Sasic, Maroszán, Garefrekes, Alushi und Peter angetreten, im Kader dabei war aber auch die Friedbergerin Jessica Reinhardt.
Man beachte:
Die B –Junioren des KSV Klein-Karben (Spielen in der B-Jun.-Gruppenliga!) unterlagen laut Bericht vom 20. Januar 2014 dem Team des FFC Frankfurt (Damen-Bundesliga, zum Teil mit
Nationalspielerinnen, Deutsche Meister oder Europapokal-Erfahrung) mit 0:3.
Aber was wollte die WZ mit ihrer Überschrift “Frauen sind Männern überlegen” aussagen oder bezwecken? Oder war der Titel der WZ nicht ganz ernst gemeint?
Ich dachte seinerzeit: was nur 0:3 – mit diesem Personal an Bord – gegen einen B-Junioren-Gruppenligsten?
Und nun noch eine 2:0-Schlappe … was bedeutet hier der Hinweis “…, im Kader dabei war aber auch die Friedbergerin Jessica Reinhardt.”?
Hätte der FFC ohne Jessica Reinhardt das Spiel gegen die Klein-Karbener B-Junioren-Jungs etwa gewonnen?
Ich frage Sie:
Steht der mediale Hype (befeuert von DFB und anderen) um Frauen-Fußball überhaupt noch in einer Relation zur sportlichen Leistung und zur gesellschaftspolitischen Relevanz?
Wie kritisch wird aktuell über die sportlichen Ereignisse und Ergebnisse des Frauen-Fußballs berichtet: doch kein Vergleich mit Männer-Fußball?
Überall nur Lobeshymen, alles aufgesetzt positiv – oder?
(Matthias Reutzel/Echzell)

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