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Ohne weitere Worte (vom 11. Februar)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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2004 war die deutsche Nationalmannschaft in der Krise, Trainer Rudi Völler trat zurück. Franz Beckenbauer rief bei Hitzfeld an, um ihn zu verpflichten. Den Dialog schildert dieser so: »Ottmar, magst Bundestrainer machen?« »Nein, Franz, ich bin kaputt, ich brauch’ eine Pause.« »Aber Bundestrainer ist doch kein Problem.« »Dann mach’s doch du.« »Lieber spring ich vom Balkon runter.« (Süddeutsche Zeitung)
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Warum outen sich keine aktiven Profis? – »Vielleicht, weil sie Angst vor den Reaktionen der Zuschauer haben. (…) Ich weiß noch: In den 60er Jahren waren ja nur Männer in den Stadien, und wenn die pinkeln mussten, mussten die anderen zur Seite treten. Und da wurde auch schon mal gesungen: ›Beckenbauer ist homosexuell.‹ Ja mei, da haben wir drüber gelacht. Meine Mannschaftskameraden haben dann gesagt: ›Und wenn alles andere stimmt – das stimmt mit Sicherheit nicht.‹« (Franz Beckenbauer im Welt-Interview)
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Waren Sie in der Schule ein Streber? – »Ja. Und mein Charakter hat mich weit gebracht im Leben. Ich wollte immer der Beste, der Gescheiteste, der Schnellste sein.« (Arjen Robben im Bild-Interview)
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Es heißt, die aktuelle Junggeneration sei reifer und cooler als früher. – »Viele denken aber auch nur, dass sie cooler sind.« (Vedad Ibisevic im SZ-Interview)
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»Sie arbeiten nie, shoppen den ganzen Tag und sitzen einmal die Woche im Stadion. Und sonst können sie nichts. » (Maria Imizcoz, Freundin von Javi Martinez, in GQ über Spielerfrauen / gelesen in Bild)
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Während hierzulande die Zuschauer nach zwanzig Minuten Sportschau auf dem Sofa schnarchen, weil nie jemand streitet, aber immer alle mit politisch korrektem Todesernst bei der Fußball-Damenmannschaft mitfiebern, weiß man in Italien nicht mal, dass es Frauenfußball gibt. (SZ)
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Die meisten dieser Leute eint weniger die kriminelle Energie (…) als vielmehr  ihre Funktion als moralische Levitenleser. Ihre Fallhöhe ergibt sich aus dem Umstand, dass sie insgeheim einer Gesellschaft das Geld entzogen haben, der sie öffentlich sonst wortreich den Unterschied zwischen Gut und Böse erklären. (taz über prominente Steuerhinterzieher von Alice Schwarzer bis Uli Hoeneß)
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»Im Jahr 2000 saßen wir zufällig im Büro der Bochumer Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen, als der Postbote ihr dieses Paket in die Hand drückte: die berühmte erste Batliner-CD. (…) Auf dieser CD war purer Sprengstoff. Kurz bevor der Spiegel mit seiner Geschichte herauskam, war eine erste strafbefreiende Selbstanzeige eingegangen: von Paul Schockemöhle, dem Reitkumpan von Stefan Aust, dem damaligen Chefredakteur des Spiegels.« (ein Steuerfahnder in der Zeit)
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Ich finde es immer durchaus bemerkenswert, wenn sich Westdeutsche über das Verhalten der Ostdeutschen zu Zeiten der DDR mokieren, sich selber aber in die Hosen scheißen, wenn der Chef um die Ecke kommt. (Regisseur Leander Haußmann im SZ-Interview )
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Er war (…) Revoluzzer, Alkoholiker, Umweltpionier, Nationalchauvinist. Und phasenweise vollkommen irre. In den Journalismus ist er hineingestolpert wie so viele, als verkrachte Existenz mit dem umso dringenderen Wunsch, Aufmerksamkeit zu erregen. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung über den »Heidedichter« Hermann Löns)
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Was ist denn mit den Leuten passiert, die man früher als »in« bezeichnet hat? Mit den Sportskanonen auf der Highschool (…) – »Vom Tag des Schulabschlusses an geht es bergab mit denen.« – Die werden zu den Outsidern? – »Schlimmer. (…) Ich gehe ja nicht zu meinen Klassentreffen, aber einer, der hinging, erzählte, dass das ehemalige Alphatier der Klasse heute seine Interessen so notiert: Dinge rund ums Haus erledigen. Das ist das Traurigste, was ich in meinem ganzen Leben je gehört habe.« (Regisseur John Waters im SZ-Interview) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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