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Beste Reste (vom 5. Februar)

Beim Zusammenstellen der dienstäglichen »Ohne weitere Worte«-Kolumne bleibt aus Platzgründen einiges von dem gesammelten Material unberücksichtigt. Dabei gehen einige längere Zitate verloren, was schade ist. Bevor der große Stapel entsorgt wird, präsentieren wir heute das Beste vom Rest der vergangenen Monate.

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Trainer sind die Götter unserer Zeit, längst heillos überhöht. Früher einmal wurden Politiker oder Industriepatrone dafür bewundert, große Ideen zum Leben zu erwecken. Aber heute wissen wir viel zu viel über Politik und Wirtschaft, über das ganze menschliche Tricksen und Pfuschen, um noch bewundern zu können. Im Fußball dagegen will das Publikum auf keinen Fall alles wissen. Es will sich die Illusion bewahren, dass hier noch große Männer, gottgleich, Erfolge eines ganzen Teams in die Bahn leiten. Charismatische Trainer wie Pep Guardiola, José Mourinho und Jürgen Klopp nähren den Mythos. Wenn der Fußball (…) nach der Winterpause erneut rollt, wird wieder jede taktische Umstellung Guardiolas wie ein Opus Magnum gewürdigt werden. (Autor Ronald Reng in der Süddeutschen Zeitung)

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»Die Leute von der Nada können (…), wann immer sie wollen, mich auf Doping testen. Damit das möglich ist, muss ich in einem Online-Kalender 365 Tage im Jahr notieren, wo ich mich befinde und wo ich übernachte. (…) Diese Nada weiß seit zehn Jahren, wo ich mich an jedem Tag befunden habe, wo ich geschlafen habe. Angenommen, ich wäre bisexuell oder hätte einen schwulen Freund, oder ich hätte eine Affäre oder sonst irgendwas, muss ich diesen Leuten das sagen. Und man muss das auch drei Monate im Voraus machen.« (Basketball-Nationalspieler Per Günther im Ulmer »Radio 7«, aufgezeichnet in der FAZ)

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»Du musst deine Hose bis zu den Knöcheln runterziehen, wie ein Kleinkind (…).  Du musst das T-Shirt (…) unter dein Kinn klemmen. Dann musst du ’ne 360-Grad-Drehung machen, und der Typ inspiziert deinen Körper (…) und dann musst du vor ihm, während er dir aus 30 Zentimetern Entfernung auf deinen Penis guckt, musst du in so’n Plastikbecker pinkeln. (…) Bei Frauen sind die Kontrollen noch viel komplizierter, habe ich gehört.« (Günther/FAZ)

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»Als Zehnjähriger habe ich Handball gespielt, ziemlich gut sogar. Ich hab’ Tore von der Mittellinie geworfen. Damals mussten meine Eltern nie Beiträge zahlen – sie waren mit dem Trainer befreundet. Als ein neuer Trainer kam, fragte der vor versammelter Mannschaft nach meinem Beitrag. Beim nächsten Mal habe ich ganz stolz ein Fünf-Mark-Stück präsentiert, das meine Mama aufbewahrt hatte. Der Trainer hat aber gesagt, dass es 20 D-Mark kostet, und hat mich vor allen Mitspielern bloßgestellt. Danach bin ich nie wieder hingegangen.« (Robert Harting im SZ-Interview)

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»Da fielen mir wieder die Klassenfahrten oder Tagesausflüge ein, die wir gemacht haben. Da gab es immer Leute, die nicht mitfahren konnten. Auch bei den Schulbuchbestellungen gab es immer welche, die nicht das Glück hatten, das Schulbuch rechtzeitig zu bekommen, die einfach gelogen haben, weil die Eltern gesagt haben, sie hätten es bestellt, aber tatsächlich kein Geld hatten. Die Kinder haben dann auch immer schlechte Noten bekommen, die konnten nicht richtig lernen. (…) Es gab dann in der Realschule und im Teilinternat auch immer welche, die hatten nichts zu essen dabei, nie was zu trinken. Es waren immer dieselben, die mich gefragt haben, ob sie mein zweites Brot haben könnten. Das war der Antrieb für mich, um als Profi, dem es sehr gut geht, etwas abzugeben und selbst eine Stiftung, die Manuel Neuer Kids Foundation, ins Leben zu rufen.« (der Nationaltorwart im FAS-Interview)

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»Meine Zeit, mein Humor, all das, was ich so an mir habe, ist heute ja in vieler Hinsicht altbacken. Mein Humor oder auch der vom Loriot, der kommt aus einer vollkommen anderen Welt, das ist halt so. Ich jammere da nicht. Aber im Endeffekt erreiche ich heute natürlich nur noch ein Nischenpublikum.« (Gerhard Polt im SZ-Interview)

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Wer ist Ihr Lieblings-Windsor– »Prince Philip, weil er einen phantastischen Humor hat. (…) Einmal hat er den nigerianischen Staatspräsidenten bei einem Dinner, zu dem dieser in seiner Landestracht erschienen war, begrüßt mit ›Na, schon bettfertig gemacht?‹ Das kann man als rassistische Äußerung betrachten. (…) Ich fand es einfach nur irre lustig. Eigentlich möchte ich das Gespräch hier unterbrechen und mit Ihnen die britische Hymne singen.« (Schauspieler Matthias Brandt im Spiegel-Interview)

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Dieser aus dem Geist des World Wide Web, der Dressuranstalt für Mainstream-Denken und -Fühlen, geborene Konformismus ist tödlich für alles Eigenständige, für Individualität und Urteilskraft. (FAZ)

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Verfolgen Sie auch, wie in Internetforen über Ihre Arbeit diskutiert wird? – »Nein, da bin ich altmodisch. Ich kann mich doch nicht ernsthaft mit jemandem auseinandersetzen, der sich Pupsi2000 nennt.« (Brandt/Spiegel) (gw)

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(www.anstoss-gw.de (mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle