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“Katsche” Schwarzenbeck – “eckig wie eine leergegessene Pralinenschachtel” (WBI-Auflösung vom 31. Januar)

Zum Jahresauftakt der »Wer bin ich?« -Runden geriet der Gesuchte in einen Sympathiesturm sondergleichen, sogar für mich blieb noch eine kleine warme Brise übrig (Dankeschön Ihnen allen!). Genau 70 Teilnehmer kamen Hans-Georg »Katsche« Schwarzenbeck auf die Spur, 58 von ihnen wussten sogar, wie »eckig« er war (dafür gab es einen Zusatzpunkt). Schwarzenbeck stand stets im Schatten von Beckenbauer, Müller und Co., er war der »Putzer des Kaisers«, fußballerisch limitiert, wortkarg und medial recht ungelenk, aber gerade das hat ihn offenbar im Lauf der Jahrzehnte und vor allem in unseren Zeiten weichgespülter und glattzüngiger Fußballer, die mit ihren Worthülsen zu jonglieren gelernt haben, zu später nostalgischer Beliebtheit verholfen.

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Einige der Einsendungen, die mehr als die nackte Lösung aufweisen, sind online im gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« in voller Länge nachzulesen. Auf Papier müssen wir uns auf drei Auszüge beschränken, zunächst aus der Lösungs-Mail von Dieter Neil aus Großen-Buseck: »Gesucht wird Hans-Georg ›Katsche‹ Schwarzenbeck, das ›unverzichtbare Gegenstück‹ zu Franz Beckenbauer, der am 15. 05. 1974 in der letzten Spielminute der Verlängerung des Finales im Europapokal der Landesmeister gegen Atlético Madrid das Tor zum 1:1-Ausgleich schoss und dadurch das – dann 4:0 gewonnene – Wiederholungsspiel (was es heute gar nicht mehr gibt) erzwang. Bei dem nach seiner sportlichen Laufbahn geführten kleinen Laden handelte es sich um den von seinen Tanten übernommenen Schreibwarenladen ›Schreibwaren Nitzinger‹ mit dem Großkunden FC Bayern. Der Film von May Spils heißt »Wehe wenn Schwarzenbeck kommt«. Das Gedicht von Wolf Wondratschek beinhaltet die Zeilen ›Ich arbeite, komme aus der Vorstadt / Ich bin geboren für das Einfache / Unzuständig für alles Künstlerische / Eckig wie eine leergegessene Pralinenschachtel.«

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Beate Miller aus Rockenberg: »Dieses Europapokalfinale der Bayern, in dem Schwarzenbeck in der letzten Minute der Verlängerung den Ausgleich für die Bayern erzielte und somit ein Wiederholungsspiel erzwang, war das erste Fußballspiel, das ich, damals zwölf Jahre alt, mit Interesse geschaut habe. Und seitdem bin ich Bayern-Fan. Dass Schwarzenbeck gelernter Buchdrucker ist, habe ich mir auch behalten, da mein Vater den gleichen Beruf erlernt hat. Nach seiner Fußball-Laufbahn hat er sein Leben einfach und bescheiden weiter geführt, als wäre er nie berühmt gewesen. Der Umgang mit der Öffentlichkeit war einfach nicht ›sein Ding‹ – irgendwie nachvollziehbar.«

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Helmut Hinder (Gießen) hat ganz besondere Erinnerungen an Schwarzenbeck: »Ich bin Lehrer an der Europaschule in Gladenbach, jahrelang habe ich mit meinen Abschlussklassen die jeweiligen Abschlussfahrten nach München gemacht. Als glühender FC Bayern-Fan ja doch wohl eine Selbstverständlichkeit. Zu unserem Pflichtprogramm gehörte neben dem Besuch des FC Bayern an der Säbenerstraße immer auch ein Besuch von Hans-Georg »Katsche« Schwarzenbeck. Er hat uns stets freundlich Willkommen geheißen in seinem kleinen Schreibwarenladen. Häufig haben wir in einem kleinen Nebenraum bei einer Tasse Kaffee über die vergangenen Zeiten palavert. Meine Schüler hörten ihm stets mit großen Ohren zu. Höhepunkt war bei jedem unserer vielen Besuche immer mein Hinweis darauf, dass er das vielleicht wichtigste Tor des FC Bayern geschossen habe. Seine Reaktion: »Jo mei.« Originalkommentar Katsche: »Do hob i den Ball kriegt und eufach mit der Pike draufghalten. Un der wor drinn.« Er ist einfach ein Original mit ganz großem Herzen. Für meine Schüler, die ihn leider nie live auf dem Platz sehen konnten, trotzdem eine große Fußballer-Persönlichkeit, alleine schon wegen seines Auftretens (bescheiden und gastfreundlich mit unendlich vielen Geschichten rund um den Fußball).«

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Richtige Lösungen also: Hans-Georg Schwarzenbeck (1 Punkt für 70 Teilnehmer), der »eckig« war »wie eine leergegessene Pralinenschachtel« (1 Zusatzpunkt für 58 Teilnehmer). Immer wieder schön zu sehen und zu lesen, wie viele Leser lustvoll mitmachen, obwohl es nichts zu gewinnen gibt außer der ehrenvollen Erwähnung wie der folgenden, die gleichzeitig die erste »WBI«-Rangliste 2014 darstellt.

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Zwei Punkte:

Jost-Eckhard Armbrecht (Großen-Buseck), Dr. Joachim Bille (Reiskirchen), Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim), Helmuth Born (Karben), Thomas Buch (Friedberg), Beate Dachauer (Niddatal), Friedhelm Duch (Maintal), Wolfgang Egerer (Rosbach-Rodheim), Werner Fischer (Wetterau), Reiner Goy (Friedberg), Waltraud Griep (Rosbach), Detlef Hartig (Nidderau), Dr. Hans-Ulrich Hauschild (Gießen), Ulrich Hermann (Friedberg), Doris Heyer (Staufenberg), Helmut Hinder (Gießen), Uwe-Karsten Hoffmann (Bad Nauheim), Andreas Hofmann (Bad Nauheim), Uwe Katzenmeier (Gießen), Philipp Keßler (Allendorf/Lumda), Holger Kloos (Wettenberg), Reinhold und Andreas Kreiling (Gießen-Wieseck), Kurt Herold (Rosbach), Thomas Koch (Wiesbaden), Ralf Kranich (Großen-Buseck), Uwe Lemke (Wöllstadt), Sven Liebig (Bad Vilbel), Dr. Paul Limberg (Linden), Klaus Meisinger (Niddatal), Thomas Michel (Langgöns), Beate Miller (Rockenberg), Stefan Mohr (Fernwald), Dieter Neil (Großen-Buseck), Prof. Hannes Neumann (Linden), Armin Oldendorf (Bad Nauheim), Uwe Paulus (Biebertal), Klaus Philippi (Staufenberg-Treis), Klaus Pradella (Heuchelheim), Walther Roeber (Bad Nauheim), Jens Roggenbuck (Mainzlar), Heinz-Jürgen Ruhl (Linden), Karola Schleiter (Florstadt), Rüdiger Schlick (Reichelsheim), Horst-Günter Schmandt (Pohlheim), Reinhard Schmandt (Pohlheim), Paul-Gerhard Schmidt (Nieder-Ohmen), Herbert E. Schmitt (Bad Nauheim), Jochen Schneider (Butzbach), Prof. Peter Schubert (Friedberg), Manfred Stein (Feldatal), Peter Storm (Wettenberg), Werner Trautmann (Friedberg-Dorheim), Burkhard Walter (Hungen), Frank Wassberg (Karben), Horst Weitzel, Klaus-Dieter Willers (Hungen), Alfred Winter (Gießen), Ingrid Wittich (Mücke-Merlau)

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1 Punkt: Stefan Christen (Lich), Wilfried Grein (Karben), Günter Hoppe (Großen-Buseck), Franz Held (Allendorf), Paul Jakob (Mücke), Arno Jung (Gießen), Paul-Ulrich Lenz (Schotten), Volker Michel (Friedberg), Gernold Pfeil (Mücke), Klaus Rinn (Heuchelheim), Wilhelm Scholl (Pohlheim), Michael Sommer (Pohlheim). (gw) * (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

 

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