Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Ohne weitere Worte (vom 28. Januar)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

*****

Aufgewachsen im Wald (…), fast ohne Strom, ohne fließendes Wasser und: mit einem Plumpsklo. Erzogen zu einem Mann mit freiem Geist, einem, der, man muss es so sagen, auf die ganzen verdammten Regeln des straff strukturierten Sportleralltags regelrecht schiss. (…) Das Plumpsklo, es kommt in den meisten Erzählungen über Millers Leben vor, ist eine Art Übersymbol dafür, wie Miller aufwuchs. (Süddeutsche Zeitung über Bode Miller)

*

»Meine Eltern gehörten Ende der Achtzigerjahre zu den Hausbesetzern – eine Wohnung genommen, Schloss rangemacht, fertig. (…) Da war das Geld immer knapp. Ich habe Mama deshalb oft alleine im Schlafzimmer weinen sehen. Wir haben das benutzte Badewasser aufbewahrt, um damit das Klo zu spülen.« (Robert Harting im Welt-Interview)

*

Als Djokovic (…) ihn überraschend als neuen Coach verpflichtete, durfte man hoffen, Becker könnte durch die Rückkehr an den Ursprung (…) seine immerwährende Spätpubertät beenden. Zu früh gehofft. Jetzt hat sich Becker einen neuen Manager zugelegt. Der Mann heißt Sascha Rinne (…) und seine prominentesten Kunden sind Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn. (…) Wenn der Modetrend (…), sich mit einem Star von gestern als Coach zu schmücken (…), vorbei ist, wird es für Becker andernorts weitergehen. Mit einem Manager Rinne an der Seite steht ihm jeder Job als Knallcharge im Privatfernsehen offen. (Zeit)

*

Das seien aber nun wahrlich keine Prostituierten, erklärt Abou, (…) der den Begriff »Prostituierte« in etwa so zeitgemäß zu finden scheint wie »Grammophon«. (…) »Also es gibt die ›Starfuckerinnen‹, sagt Abou. (…) »Man kann das im Lebenslauf gebrauchen. Dann können sie ihren Freundinnen erzählen: ›Ich hab mit Brad Pitt geschlafen.‹ Neben den »Starfuckeuses« (…) gebe es auch noch die »Michetonneuese« (»michet« ist das französische Wort für Freier). (…) »Sie lässt sich schon einmal eine Louis-Vuitton-Tasche schenken oder eine Reise. (…) Mit einer Prostituierten hat das nichts zu tun. Überhaupt nichts. Eine Michetonneuese hat nämlich Takt.« (Welt über eine Aussage im Ribery-Prozess)

*

»Me, you, fuck, fuck« soll (…) Ronaldo vor Jahren zu einer Kellnerin in Los Angeles gesagt haben – und gilt seither (…) als Inbegriff des Primitivlings. (taz)

*

»In Wolfsburg war es für mich nie nachvollziehbar, warum er seine tollen Trainingsleistungen nie ins Spiel umsetzen konnte. Jetzt weiß ich, warum. Wenn du so einen Rucksack mit dir herumschleppst, kannst du nicht frei Fußball spielen.« (Felix Magath zum Outing von Thomas Hitzlsperger)

*

Jens Lehmann riet unterdessen noch aktiven Profis (…) von einem Outing ab. »Wenn ein Spieler das machen würde, wäre er blöd. (…) Das kann man den Leuten nicht raten, die hätten keinen Spaß mehr daran, Fußball zu spielen.« (…) Auf die Frage wie er selber reagiert hätte, wenn sich ein Mitspieler geoutet hätte, antwortete Lehmann: »Komisch, glaube ich. Man duscht jeden Tag zusammen. (…) Niemand kann seine Gedanken kontrollieren.« (sid)

*

»Die Opposition ist schockiert, weil ich sage: Putin ist liberaler als 80 Prozent der Russen. (…) Diese Russen wollen die Todesstrafe. Sie hassen Homosexuelle, hassen sie wirklich. Sie haben so viele archaische Züge in ihrem Denken, das ist schockierend.« (der systemkritische Schriftsteller Wiktor Jerofejew im FAZ-Interview)

*

Das Präsidium um Fischer wurde trotz der Horrorbilanz mit erstaunlich wenigen Gegenstimmen entlastet. (…) Nur dem verstorbenen Moske (…) wurde die Entlastung (…) verweigert. (…) Die ehemalige Stadträtin Sylvia Schenk (…) wunderte sich tags darauf: »Ein Toter wird nicht entlastet und die anderen sind sakrosankt.« (Frankfurter Rundschau über das Millionen-Loch in der Eintracht-Frankfurt-Kasse)

*

»Ich bekomme von der Branche viele Mails von der Art: ›Wenn Sie glauben, Sie würden Comedy machen, dann kommen Sie mal zu uns!‹ Solche Einladungen lehne ich dankend ab. Ich kenne das zur Genüge: Ich habe eine Banklehre gemacht, das ist artverwandt.« – Wie sah damals Ihr Alltag aus? – »Na, was macht man so bei einer Bank? Leute übern Tisch ziehen, der Oma noch einen Vertrag mit zehn Jahren Laufzeit aufschwatzen.« (Christoph Maria »Stromberg« Herbst im Spiegel-Interview)  (gw) ***** (www.anstoss-gw.de (mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«)  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle