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Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Luther und die Willensfreiheit

Zu Luthers Willensfreiheit und
Pfarrer Lenz’ Antwort: Viel kann ich deshalb nicht dazu sagen, weil er
mich letztlich bestätigt bzw. einen Argumentationsstrang gegen mich aufbaut
aufgrund von Thesen, die ich gar nicht aufgestellt habe. Genau das, was er
sagt: wir können nicht entscheiden, wer „in den Himmel“ kommt,
natürlich mit anderen Worten, habe ich auch gesagt. Ich habe es nur anders
begründet. Was nun aber die Willensfreiheit angeht: Herr Lenz unterschlägt die
doppelte Prädestination; es ist nicht nur der Glaube, der geschenkt wird,
sondern auch die Gnade. Luther sagt, sinngemäß, der Mensch sei von allem Anfang
an erlöst oder verdammt. Luther ist ein deterministischer Metaphysiker, der in
Sachen Moral keinerlei Willensfreiheit kennt. Dass die Protestanten die zwei
Welten, die auch Herr Lenz andeutet, bis zur Neige auskosten, ist bekannt. Im
Alltagsleben gibt es Willensfreiheit, aber – so kann man sagen –
nach Luther ist der Mensch zum Bösen oder Guten prädestiniert. Dies ist keine
Willensfreiheit und passt hervorragend zu Luther schrecklichem Satz: „Die
Bergpredigt gehört nicht in Rathaus“. Genau so ist die Staatskirche denn
auch gewesen. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle