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Paul-Ulrich Lenz: Willensfreiheit

Ich habe heftigen inneren Widerstand geleistet gegen die Versuchung, einen längeren Beitrag zur Willensfreiheit zu schreiben.
Nur so viel: Die Logik des Glaubens, wie sie sich aus der Bibel speist,
bekommt zusammen, was unserer Logik widersprüchlich erscheint: Die
Allwirksamkeit Gottes und die Verantwortung des Menschen. Das eine hebt
das andere nicht auf und schränkt es auch nicht ein.
Und der gute Luther hat seine Attacke gegen den freien Willen nie auf
unser Alltagshandeln bezogen, sondern immer nur auf die Frage, ob wir
von uns aus glauben können oder nicht. Und da sagt Luther: Nein!
Meine armen Konfirmanden mussten das auswendig lernen ( Erklärung zum 3. Artikel des Glaubensbekenntnisses:

“Ich
glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus
Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der
Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben
erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die
ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und
bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben…”

Es geht mit dieser scharfen Grenz-Ziehung um Entlastung: Glauben ist
Geschenk und nicht Ergebnis des eigenen Mühens und Verstehens.

Ach ja, das auch noch: Wie gut, dass weder Dr. Hauschild noch ich noch
sonst wer darüber zu befinden hat, wer ewigkeits-mäßig wohin verfrachtet
wird. Das hat sich der gütige Gott vorbehalten. Gott sei Dank! Deshalb
ist Hoffnung angesagt. Für alle! Auch für die, die sich selbst für
hoffnungslose Fälle halten. (Paul-Ulrich Lenz/Schotten)

Baumhausbeichte - Novelle