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Ohne weitere Worte (vom 21. Januar)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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»Ich habe noch nie einen Spieler erlebt, der sich mit einer solchen Leidenschaft und Akribie dem Fußball widmet.« Christoph Metzelder über die Wahl seines früheren Mitspielers Christiano Ronaldo zum Weltfußballer. (aus »Worte der Woche« in der Zeit)
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Bisher vermuteten wir, dass der Portugiese zwar ein famoser Fußballer, aber eben auch ein arroganter Schnösel sei. (…) Kaum hielt Ronaldo (…) den Pokal (…), begann er zu schluchzen wie ein Schüler, dem gerade die Sportabzeichen-Urkunde überreicht wurde. (…) Tränen lügen nicht. (…) Wir nehmen alles zurück, lästern nie mehr wieder. (…) Ronaldo hat nicht nur verdammt viel Geld, sondern auch ein ganz großes Herz. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Man gewann ein Spiel, indem man es »zerstörte«. Man zog den überlegenen Gegner aufs eigene Niveau runter, wo man ihn dann kämpferisch zermürbte. Man nannte das »deutsche Tugenden«. Seitdem Joachim Löw Trainer der Nationalmannschaft ist, pflegt sie neue Tugenden: Esprit, Fairness und eine Neigung, in Spitz-auf-Knopf-Momenten die Nerven zu verlieren. (Ex-Nationaltorhüterin und -Fußballmanagerin Katja Kraus in ihrer Zeit-Kolumne)
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Das Outing von Thomas Hitzlsperger (…) Haben Sie gemerkt, dass das ein Thema in der Mannschaft war? Haben Sie das vor den Spielern einmal angesprochen? – »Mein Beitrag zur Normalität ist, keinen offiziellen Tagesordnungspunkt daraus zu machen. Ich stelle mich doch auch nicht an meinem ersten Arbeitstag vor und sage der Mannschaft: ›Ich bin Robin Dutt, ich bin heterosexuell.‹« (der Werder-Trainer im FR-Interview)
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»Wir mussten nicht teilen, aber es bildet die Persönlichkeit, wenn man zu teilen lernt. Das haben wir versäumt. Und auch daher kommt unsere Schwäche in den Mannschaftssportarten: Man muss sich aufeinander verlassen, solidarisch sein, Vertrauen erlernen – Einzelkinder tun sich damit schwer.« (der frühere NBA-Star Yao Ming, 2,29 m, über die Auswirkungen der Ein-Kind-Politik auf den Teamsport in China)
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»Harmonie hilft, aber wenn man sie zum obersten Prinzip erklärt, fällt alles zusammen, was mit Erfolg und Leistung zu tun hat. Harmonie kann dem Erfolg auch im Wege stehen.« (Martin Sauer, Steuermann des Deutschland-Achters, im FR-Interview)
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»Die Jungen können laufen bis zum Umfallen. Die müssen den Ball nur im Feld halten, dann klappt es. Der Plan funktioniert in meinem Alter nicht, also suche ich meine Chance eher im klassischen Tennis. Ich streue manchmal einen kurzen Slice ein, gebe dem Ball einen Rückwärtsdrall. Ich nehme so das Tempo raus, und plötzlich müssen die Gegner den Ball heben, müssen mit Gefühl spielen. Damit haben manche jungen Spieler ein Problem.« (Tommy Haas, 35, im Spiegel-Interview)
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Die kenianischen Hauptdarsteller schlittern mit großen Augen, riesigem Ehrgeiz und recht ungelenken Bewegungen übers Inzeller Eis. Total süß auch, wie sie mit bayerischem Brauchtum konfrontiert werden und sich in Trachten zwängen müssen. Dem Vorwurf, hier handele es sich um latenten Rassismus, können wir uns übrigens nicht anschließen. Wenn hier jemand bloßgestellt wird, dann sind es diese Exoten aus Bayern. (FAS zur Anni-Friesinger-Sendung »Real Cool Runnings« auf Vox)
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»Dieses ganze Verfremdungstheater, das auf deutschen Bühnen seit den Sechzigerjahren herrscht.« – Was stört Sie daran? – »Als Kind hab’ ich meine Mutter gefragt: Warum fährt bei Romeo und Julia ein Auto über die Bühne? Wenn sie Autos haben, haben sie Telefone, und dann kann doch Julia anrufen und sagen: Alter, alles gut, nimm das Gift nicht.« (Schauspieler Moritz Bleibtreu im SZ-Interview)
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67 Prozent aller Leser brechen die Lektüre eines Artikels sofort ab, wenn die Worte »amerikanische Wissenschaftler« auftauchen. Das haben amerikanische Wissenschaftler in einer groß angelegten Studie herausgefunden. (»Zippert zappt« in der Welt)
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Wie gefällt den Russen die Demonstration von männlicher Macht und Stärke, die Putin verkörpert? – »Seit vierzehn Jahren kennen sie jeden seiner Brustmuskeln. Das beruhigt die Menschen und bringt Stabilität in die Gesellschaft.« (Schriftsteller Wladimir Kaminer im FAS-Interview) (gw)
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(www.anstoss-gw.de (mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«)  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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