Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sonntag, 19. Januar, 7.05 Uhr

Ruhige Welt, wenn man den Meldungen der Nacht glauben darf. Die Top-Nachricht kommt daher aus dem Sport: Serena Williams bei den Australian Open ausgeschieden. Bei Nowitzki/Dallas habe ich bei meiner “Alles ist Serie”-Ulkerei ein Wort vergessen. Denn die Texter machen zwar aus allem eine “Serie”, aber was, wenn Dallas gewinnt, verliert, gewinnt, verliert (wie heute Nacht)? Dann “geht die Achterbahnfahrt weiter”.

Heute früh zuerst ein FR-Interview mit einem Sportler gelesen. Hübscher Satz für “Ohne weitere Worte”, wenn ausnahmsweise ein weiteres Wort hinzu kommt: “Das sind schon Super-Jungs, und das wissen sie auch. Die machen alle ein Studium, meistens gut, und nebenbei kriegen die auch noch 40 Stunden Sport auf die Reihe.” Sagt nicht ein Profifußballer über seine Mannschaftskameraden, sondern der Steuermann des Deutschland-Achters über seine Jungs im Boot. Passt zu meiner Trainings-Kolumne vom Donnerstag, über die wichtigste Zeit des Jahres. Die paar Tage Trainingslager sind nur ein kleiner Teil davon, die wichtigste Zeit des Jahres sind die vier Wochen vor Liga-Neustart am kommenden Wochenende. Dabei kann ein Trainingslager sogar kontraproduktiv sein, je weiter weg, um so mehr. Zum Beispiel die acht Tage der Frankfurter Eintracht in Abu Dhabi: Da fallen zwei Reisetage komplett aus,  nach Rückreise ein freier Erholungstag (vor Hinreise evtll. ebenfalls frei), der erste Tag im Trainingslager ist Eingewöhnung – da fällt insgesamt fast eine Woche einer Woche Trainingslager zum Opfer. Die Kollegen der FR, die (mit anderen Kollegen) eine hübsche Reise für lau nach Abu Dhabi gemacht und über alles Mögliche und Unmögliche geschrieben haben, sollten sich mal das Interview ihres Kollegen mit dem Steuermann anschauen, das gibt auch interessante Fußball-Erkenntnisse.

Der Steuermann, Martin Sauer heißt er, spricht auch über andere Themen, die schon oft Kolumnenthemen von mir waren. Zum Beispiel Freundschaft im Team, die schon für Karl Adam kein Leistungsfaktor war, eher im Gegenteil. Sauer: “Harmonie hilft, aber wenn man sie zum obersten Prinzip erklärt, fällt alles zusammen, was mit Erfolg und Leistung zu tun hat. Harmonie kann dem Erfolg auch im Wege stehen.”

Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Frauen und Männern, nicht nur im Sport, waren schon oft mein Thema, demnächst sind sie es wieder in der “Nach-Lese” fürs Feuilleton am nächsten Samstag. Für den Sport interessant, was Sauer über Steuerfrauen bei den Männern sagt: “Im Trainingslager probieren wir das manchmal aus. Frauen können sich einen autoritären Stil erlauben. Meine Jungs sind dann ganz zahm. Wenn ich mit denen so umspringen würde, könnte ich einpacken. Ich bezweifle aber, dass das auf Dauer gutgeht. Führungsfragen sind keine Frage des Geschlechts.”

Aber da es im Rudern getrennte Wettkämpfe gibt, kann es keine Frau im Deutschlandachter geben und keinen Mann im Frauenboot. Oder lassen die Ruder-Regeln da eine geschlechtliche Ermessenslücke?

Dass Führungsfragen keine Frage des Geschlechts seien, stimmt allerdings nicht. Jedenfalls nicht bei mir. Von Männern lasse ich mir nichts sagen, von Frauen manches, von einer alles. Sie kommt gleich und serviert mir meinen Sonntagskaffee. Mit einem ironischen Knicks.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle