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Dienstag, 7. Januar, 16.50 Uhr

Ein Wetter zum Radfahren. 15 Grad und Sonne. Tolle Fernsicht. Bin also radgefahren. Auf einem Hügel konnte ich rechts den Großen Feldberg und links die Windräder des Vogelsbergs sehen.

Zuvor die Wer-bin-ich?-Kolumne fertig gemacht. Da es mein Ein-Mann-Projekt ist und ich gewisse Schwächen dieses einen Mannes kenne, wundert mich, dass es insgesamt nur eine, in Zahlen: 1, Korrektur gab (Danke, Doris Heyer!). Mal sehen, ob es so bleibt, wenn die Kolumne morgen im Blatt steht. (Nachtrag 18 Uhr: Soeben kam die zweite Korrektur. Dank auch an Jochen Schneider)

Die Ansicht der vielen Windräder, die den Vogelsberg wie einen schlecht rasierten alten Zausel aussehen lassen, dem eisgraue Büschel das Gesicht spicken, lässt mich meine alte Frage fragen, die auch kein Wer-bin-ich-Experte lösen kann, da es dazu (meines Wissens) keine verlässlichen objektiven Zahlen gibt: Wieviel nicht erneuerbare Energie wird verbraucht, um wieviel erneuerbare Energie zu erzeugen? Da ich auf meinen Radtouren auch dicht an einigen riesigen neuen Anlagen vorbeikomme, ahne ich, welche Energiebilanz sie haben. Das Material zu fördern, aus dem sie bestehen, es zu verarbeiten, die Riesentrumms durch Europa zu transportieren, gewaltige Betonblöcke in den Boden zu gießen, Anfahrtswege zu stabilisieren undsoweiterundsoweiter … und dann halten die Dinger nur rund 20 Jahre. Ich fürchte, die von der PR propagierten Werte verhalten sich zu den tatsächlichen wie der Spritverbrauch eines Öko-Autos gegenüber einem Formel-1-Renner.

Formel 1: Morgen wird es wohl die ersten stichhaltigen Angaben zum Schumi-Unfall geben. Bisher stochern alle im Nebel, auch der “Spiegel” mit seiner Titelgeschichte, da stochere ich lieber nicht mit. Bisher  am informativsten: die Grafik der Pistenführung und das, was Wasmeier sagt.

Der Sportinformationsdienst (sid) meldet unverdrossen, was die Deutsche Presseagentur (dpa) seit einigen Jahren wegen Obskurität des Meldungserzeugers verschweigt: die Wahl zum Welt-Fußballdingsbums des Jahres. Dingsbumsmeldung heute: Manuel Neuer ist Welt-Torhüter des Jahres. Gewählt von einer Organisation, die ungefähr so groß ist wie das Wer-bin-ich-Management. Vielleicht gehe ich am Samstag im “Sport-Stammtisch” darauf ein, denn über die Internationale Fußball … IHFSFSWEFoderso des Don Alfredo P. habe ich mich schon vor vielen Jahren und, glaube ich, als erster im deutschen Sportjournalismus amüsiert. Muss mal ins gw-Archiv gucken. Vielleicht gibt’s was Hübsches her. Ja, doch, es dämmert während des Schreibens. Ich heb’s mir für die Kolumne auf.

Ob ich auch über die Eintracht räsonieren soll? Eigentlich will ich der Redaktion nicht ins Handwerk pfuschen, zu viele Eintracht-Köche verderben den Brei bzw. die Kontinuität der Berichterstattung (schlechtes Beispiel: die FR zu Stenger-Zeiten – was macht der eigentlich? -, als dessen nüchterne Artikel sich mit mainspezifisch fußballsozialromantischen abwechselten). Außerdem will ich kein Spielverderber sein. In der Kolumne habe ich zwar schon gestreift, dass die Eintracht als Letzte ins Training einstieg, da muss ich nicht noch unken, ob und wie die beiden Neuzugänge Madlung und Weis zum Charakter der Mannschaft passen.

Windrad-Nachtrag: Natürlich bin ich, wie jeder einigermaßen denkende Mensch, ein Freund der erneuerbaren Energie und des Haushaltens mit der bald erschöpften. Wie gut hat’s Norwegen mit seinen Wasserkraftwerken! Aber unser Umgang mit Wind- und Sonnenenergie wirkt auf mich wie Selbstbetrug. Und das nur, weil von kalten Wirtschafts- bis heißherzigen Öko-Interessenvertretern alle auf Wachstum setzen und schon nur etwas geringeres Wachstum als Beginn des Weltuntergangs fürchten. Darauf werfen “Gewinnwarnungen” immer ein absurdes Schlaglicht. Statt den Fetisch Wachstum zu verehren den klugen Umgang mit Schrumpfung zu beginnen, mehr nicht erneuerbare Energie einzusparen, weniger energiefressende und verunstaltende Alibi-Erneuerbare zu bauen und zu fördern – was wäre daran falsch?

Heute habe ich mir den Namen des Blogs endlich mal wieder redlich verdient. Obwohl – Gott kam etwas zu kurz.

Baumhausbeichte - Novelle