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Ohne weitere Worte (vom 7. Januar)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

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Keinen anderen verehrten Sie so sehr wie Günter Netzer. – »Das größte Idol, das ich je hatte und habe. Schwarzer Ferrari, schwarze Klamotten, die Disco ›Lover’s Lane‹ in Mönchengladbach und dann noch ab und zu einen Traumpass spielen. Und: Der Mann hat sich, als es gar nicht mehr anders ging, selbst eingewechselt, 1973 im Pokalfinale in Düsseldorf. Das habe ich mir fürs Leben gemerkt: Sich selbst einzuwechseln ist auch eine Option.« (Schauspieler Matthias Brandt im Spiegel)

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Becker hat in diesem Jahr alles noch Fehlende dazu getan, nicht mehr als der deutsche Jahrhundertsportler wahrgenommen zu werden, der er war. Sondern als Depp vom Dienst im Karussell von Privat-TV, Boulevard und Internet-»Shitstorms«. (…) Bietet ihm die Rückkehr in die vertraute, begrenzte Welt des Tennis die Chance, wieder eine echte Aufgabe für sich zu finden? Und von seinen Landsleuten wieder ernst genommen zu werden? (FAZ)

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»Wenn ich ihm einen Rat geben darf, dann den, dass er seinen Lebensstil etwas ändern muss.« – Er muss? – »Er muss. (…) Ich meine, Boris muss diskreter werden. Ich sage das als Freund.« (Niki Pilic im SZ-Interview)

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Kaum hatte das Jahr begonnen, ließen HSV-Kicker Rafael van der Vaart und seine Lebensgefährtin Sabia Boulahrouz durchblicken, dass wir ihr Privatleben auch weiterhin auf Schritt und Tritt verfolgen dürfen. (…) Das aufdringliche Paar teilte via Facebook mit, wie sein Silvesterabend aussah. Er im Smoking, sie im kleinen Schwarzen. Beide tanzten unter einer Wischmob-Stange hindurch einen Limbo. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung / Ausnahmsweise mit weiteren Worten: »Wischmob« statt Wischmopp ist kein Abschreibfehler, sondern steht so in der FAS. Fehler oder Gag?)

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Ich, Silvie. Alle reden über ihr Leben. In BILD schreibt sie jetzt selbst, was sie fühlt, wie sie denkt. (Seite-1-Schlagzeile gestern in Bild)

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Treffen sich ein Hai und ein Surfer. Sagt der Hai: »Bitte lächeln!« Fragt der Surfer: »Was hast du vor?« Sagt der Hai: »Ich will mein Essen für Facebook fotografieren.« Der Witz karikiert eine Unsitte. (…) Der erste Griff vieler Gäste geht nicht zu Messer und Gabel, sondern zur Kamera. (…) Der Begriff Nahrungs-Aufnahme erhält dort einen ganz neuen Sinn. (KulturSpiegel)

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Er verabscheute die schwedischen Gutmenschen: »Bist du so freundlich und reichst mir die Butter, Schatz?« Im Hause Ibrahimovic hieß das: »Beweg deinen Hintern und hol die Milch, Arschloch!« (Spiegel)

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Vor gut zwanzig Jahren (…) wollte der Zeit-Reporter wissen, ob es das Gefühl im Hintern sei, das ihn so schnell mache. Schumacher stocherte in seinem spanischen Salat (…), nach einigen langen Sekunden ging er zu einer Gegenfrage über: »Ich frage Sie, was machen Sie?« – »Schreiben!« – »Nein, ich meine, welche Stufe haben Sie erreicht?« – »Nun, ich bin Redakteur.« – »Richtig, und warum sind Sie kein Chefredakteur?« (Zeit)

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»Ich habe diese Fabrik mehrfach besucht. Die französischen Arbeitnehmer bekommen hohe Löhne, arbeiten aber nur drei Stunden. Sie haben eine Stunde für ihre Pausen und für ihr Mittagessen, diskutieren drei Stunden lang und arbeiten drei Stunden.« (Maurice M. Taylor, Boss der US-Firma Titan, in einem Brief an die französische Regierung, warum er die Übernahme eines Reifenwerks  in Frankreich ablehnt /  FAS)

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»Niemals in der Geschichte floss so viel Geld nach Griechenland wie nach EU-Beitritt und Euro. Die Griechen haben fast nichts investiert. Sie haben alles verschwendet! Das Problem ist, dass sie mit der Armut auch Werte wie harte Arbeit und Anstand über Bord warfen. Jetzt geht es zurück in die Armut, aber ohne die Werte.« (Petros Markaris, Schriftsteller und griechischer Patriot, im SZ-Interview)

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Bei welcher Bank haben Sie ein Konto? – »Ich habe zwei  – eines war voll, da habe ich ein neues eröffnet.« (Martin Sonneborn, Vorsitzender der Partei »Partei« und Ex-Titanic-Chefredakteur, im FAS-Interview)

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Und wie sieht es mit der Familienplanung aus? – »Kinder wollen wir unbedingt haben. Wir sind (…) auf der Suche nach passenden Samenspendern. Meine Frau wird schließlich nicht jünger.« (Diskuswerferin Nadine Müller nach ihrer Hochzeit im Welt-Interview) (gw)

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(www.anstoss-gw.de (mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«)  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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