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Mittwoch, 1. Januar 2014, 8.35 Uhr

An die Jahreszahl wird man sich gewöhnen. Wie an alles. Fast alles. Dann also: “kali xronia!” Griechisches Prosit Neujahr (wörtlich: “gutes Jahr!”). Damit beginnt das, was ich schon lange vermisst hatte: ein griechischer Abreiß-Sprachkalender. Freute mich schon seit Weihnachten, endlich das erste Blatt lesen zu können. Bevor ich in Neugriechisch dilettierte (das ist kein Understatement, eher Euphemismus), sprachbrockte ich im Italienischen, und dafür gab es Sprachkalender (langjährige Kolumnenleser erinnern sich an diverse Anleihen), wie natürlich auch für fast alle anderen Sprachen. Nur Griechisch wurde diskriminiert. Gerne mache ich Schleichwerbung für das Ende dieses Sprachrassismus: “Sprachkalender Neugriechisch 2014″ von Marisa Spahr, erschienen im Buske-Verlag Hamburg.

Gelernt gegriekt habe ich am ersten Tag neben zwei, drei neuen Wörtern (wie paramoni = Silvesternacht), dass die Griechen am Neujahrstag eine “vasilopita” backen, einen Neujahrskuchen, in dem eine Münze mitgebacken wird. Wer die in seinem Kuchenstück findet, hat das ganze Jahr über Glück. Ich wünsche jedem Leser eine Goldmünze im Kuchen.

Das könnte der Schlusssatz für die Neujahrskolumne werden, an deren Werk ich gleich gehen werde. Auf dem Themenzettel: die kürzeste Neujahrsrede / Griechisch-Kalender / Ökobilanz Windräder / Leserbriefe / Bäcker, Schornsteinfeger und Maikäfer / Optimut und Werner Fincks (und meine) Partei / Latexschamlippen.

Latexschamlippen. Vielleicht fürs Blatt zu heikel. Gehört zum Material für “Beste Reste”, die Zitate, die unverdient aus dem Material für “Ohne weitere Worte”  zurückgeblieben sind. Wie das des neuen “Tatort”-Kommissars Fabian Hinrichs aus einem “taz”-Interview (nebenbei: Die “taz” gehört zu meinem Lesestoff erst seit kurzem – seit sie bei uns gedruckt wird. Bei uns! Ausgerechnet!  Hübscher Real-Gag). Hinrichs über den Film “Blau ist eine warme Farbe” und ein Interview mit einer der beiden Darstellerinnen: “Es geht in dem Film anscheinend um ein lesbisches Paar. Und es gibt wohl eine zehnminütige Sexszene, in der die beiden Latexschamlippen über ihren echten hatten, damit die dann da rumlecken können. Das finde ich schon so bizarr, dass ich das niemals machen würde. (…) Jedenfalls haben die zehn Tage an dieser zehnminütigen Sexszene gedreht. Der Regisseur kann nur ein Schwein sein.” Ja, natürlich. Interessant aber auch, dass Hinrichs “das niemals machen würde”: Latexschamlippen über seine echten kleben (sorry, schwacher Kalauer, Herr Hinrichs; alles Gute für die Rolle!).

Blick auf die Uhr. Schon nach neun. Auch das neue Jahr wird schon alt. Mit diesem noch älteren Gagversuch könnte ich die jetzt zu schreibende Kolumne beginnen. Mal schauen. Jedenfalls ohne Latexschamlippen. Bis dann.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle