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Das war’s im Mai (Echte Freunde, ein Zungenkuss und der Abschied vom Kaudrauf)

Zahlen, Daten, Fakten – die Jahresrückblicke sind voll davon. Nicht bei uns. Wir picken uns aus den »Anstoß«-Disziplinen »Sport-Stammtisch«, »Montagsthemen« und »Ohne weitere Worte« sowie aus dem Blog »Sport-Gott & die Welt« Einblicke, Ausblicke, Irrungen und Wirrungen (auch eigene) heraus, die unkommentiert und unbearbeitet eine Collage des Sportjahres 2013 darstellen sollen.

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Wie viele echte Freunde haben Sie, liebe Leser? Falls Sie schon etwas älter sind, wie viele echte Freunde haben sie im späteren Leben noch gefunden? Hoeneß lernte den damaligen Adidas-Chef Robert Dreyfus, »einen meiner besten Freunde«, erst »in den neunziger Jahren kennen«, grob gemittelt also etwa 1995, und 2001 überwies ihm dieser Freund 20 Millionen Mark aufs Zockerkonto, in dem Jahr, in dem Adidas den Bayern-Deal gegen Nike gewann. »Robert hatte mit dem Deal gar nichts zu tun.« Das muss man erst mal glauben wollen können.

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Die Eintracht auf dem Weg nach Europa, immer noch eine ebenso betörende wie seltsame Vorstellung. Alex Meiers Tor zum 3:1: großer Fußball. Ähnlich wie Lewandowskis 3:1 im Real-Hinspiel kein Glückstreffer, sondern reifes Können.

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Das Fuentes-Urteil: Auftrag erfüllt, alle Blutbeutel werden beseitigt, alle Computerdaten gelöscht. Das war der einzige Sinn der Sache. Spaniens Fußball-Asse können durchatmen, es bleibt wie gewohnt alles an den radfahrenden Sündenböcken hängen.

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»Ein ausgesprochen produktiver Kampf der Kulturen zwischen Pott-Proll und Bussi-Proll. (…) Hier Siedlung, dort Seegrundstück. (…) Tendenziell ist Bayern das Ich, der BVB das Wir.«(Welt)

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»Julius Cäsar kam wohl schon bis Hessen«, lese ich in der »Welt«. Falsch, ganz falsch! Cäsar kam nicht SCHON bis Hessen, sondern NUR bis Hessen! An sturen Hessenschädeln holte er sich eine blutige Nase. Erst später ließen wir die Römer freiwillig rein, mussten dann aber einen Limes bauen, weil zu viele ins schöne Hessenland emigrieren wollten. So war’s gewesen. Oder so ähnlich.

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Auch Thomas Bach will rein, und da er ein vorsichtiger, gewiefter Mann ist, ein Taktierer vor dem Herrn, werden sie ihn wohl reinlassen ins Amt des IOC-Präsidenten. Gegner hat er fast nur im eigenen Land, auf höherer Medienebene zwischen SZ und FAZ, aber die haben kein Stimmrecht.

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Nicht rein kommt Claudia Kohde-Kilsch. Oskar Lafontaine wollte die Ex-Tennisspielerin in den Bundestag hieven, doch die Linke verweigerte ihm die Gefolgschaft. Wieder eine Niederlage für die niederlagenerprobte Kohde-Kilsch. Steffi Graf unterstellte sie einmal, nach Einzel-Gold 1988 in Seoul anschließend im olympischen Doppelfinale absichtlich schlecht gespielt zu haben, damit sie, Claudia, nicht ebenfalls eine Goldmedaille bekäme.

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Grenzwert für Cannabis drastisch erhöht – schöne Munition für meine Logik, warum es kein Anti-Doping-Gesetz im echten Wortsinn geben kann. Denn wer hat erhöht? Der zuständige Sportverband. Müsste der Staat, hätte er denn ein Anti-Doping-Gesetz, jetzt nachziehen und das Gesetz entsprechend ändern? Und so weiter.

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»Ein klug gespielter Pass ist wie ein Zungenkuss. Wie schön ist unsere Männerwelt.« (Franz Josef Wagner in seiner Bild-Kolumne)

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»Sir« Alex Ferguson tritt zurück. Die Elogen klingen nach ganz dollem Vater Teresa, mir bleibt er aber als übler Kaudrauf in Erinnerung: Der ManU-Trainer bearbeitet sein Kaugummi im »staccato«, im musikalischen Wortsinn: »abstoßend«. Dagegen zermalmte Olli Kahn das Ding in seinem Mund fast schon wie ein Gentleman.

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Schlechte Verlierer könnten behaupten, mit neun Spielern (Rot: Ribery; Gelb-Rot: Dante) hätte Bayern nicht gewonnen, aber wer will nach diesem grandiosen Finale schon ein schlechter Verlierer sein? Der BVB war kein schlechter Verlierer, der FC Bayern, der in dieser Saison so viele neue Sympathien verdient hat, ein guter Gewinner. Auch wenn bei Rummenigge schon wieder die alte Überheblichkeit durchbrach: Das DFB-Pokalfinale gewinnen sie jetzt, selbst wenn sie noch 1,8 Promille hätten, tönte er. Stimmt zwar. Aber so etwas sagt man nicht.

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1,8 Promille – mehr als eine Bischöfin geschafft hat, mehr als Verkehrsminister Ramsauer den Radlern zugesteht, die künftig weniger als 20 Radler trinken sollen (»Wer 1,6 Promille Alkohol im Blut hat, gehört nicht auf ein Fahrrad«). Aber das nur sehr am Rande.

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»Wenn ich mich verspreche und Sie sich gleichzeitig verhören, kann es doch sein, dass Sie genau das verstehen, was ich eigentlich sagen wollte.« – »Ich finde es zumindest nazivollbart.« – »Ich finde es auch nachvollziehbar.« (Cartoon-Dialog von »Rattelschneck« im SZ-Wochenende) (gw) *

(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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