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Sport-Stammtisch (vom 14. Dezember)

Zur Champions League nur noch eine Randnotiz: Als Kießling in Hoffenheim sein Nicht-Tor köpfte, schlug ich als sportlichste Lösung vor, die Restspielzeit zu wiederholen, beginnend in der Minute der Fehlentscheidung. Naiv sei das, hieß es daraufhin, weil sportrechtlich unmöglich. Und jetzt wird in Istanbul das Spiel nach einer halben Stunde beim Stand von 0:0 abgebrochen und tags darauf in Minute 31 beim 0:0 fortgesetzt. Geht doch!

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»Veh will nicht mauern«, lese ich in Frankfurter Zeitungen vor dem Spiel in Leverkusen. Schade. Wenn er mauern ließe wie in Bonstetten, hätte die Eintracht schon einen Punkt sicher. Denn in seinem Wohnort bei Augsburg hat Armin Veh eine (schon »Berliner« genannte) Mauer bauen lassen, die massiv, klotzig und vier Meter hoch (!) sein Grundstück begrenzt. Da gibt es kein Durchkommen, nicht mal für ein Phantom-Tor von Kießling.

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Die Mauer macht viel Wirbel dort unten rund um Augsburg, das Landratsamt hat mittlerweile einen Baustopp erlassen. Wenn Sie sich den Trumm ansehen wollen: Unser Leser und FCA-Fan Michael Ambrosius (Bad Nauheim) hat mich auf das »Tagesgespräch im Augsburger Land« aufmerksam gemacht, seine Mail ist in der Online-Mailbox des gw-Blogs »Sport, Gott & die Welt« nachzulesen, inklusive Link zu Augsburger Presseberichten mit Mauer-Bild.

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Solche Mauern sieht man nur vor Gefängnissen – und eben rund um Promi-Häuser. Für mich ein weiterer Grund, keiner sein zu wollen, denn diese Mauer entspricht sicher nicht Vehs ästhetischen Vorstellungen, sondern eher der Notwendigkeit, aufdringliche Promi-Belästiger abzuwehren.

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Das aber ist momentan nur Vehs kleinere Krise, die lässt er seinen Architekten managen. »Die Eintracht-Krise« (»Sport-Bild«) beschäftigt ihn mehr, noch mehr beschäftigt sie aber das stets hyperventilationsbereite Frankfurter Umfeld, und schon stellt sogar der nüchterne »Kicker« die Schlagzeilen-Frage: »Taugt Veh als Krisenmanager?« Eine fast rhetorisch gemeinte Frage, denn sie wird im Text mit Statistik unterfüttert: Fast immer habe eine Krise Vehs Arbeit bei seinen früheren Klubs beendet. Aha! Das Ende naht?

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Dolle Statistik. Gequirlter Quark. Der Trennung geht immer eine Krise voraus, Ausnahmen wie der ganz späte Heynckes bestätigen die Regel.

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Aussagekräftig wäre nur die Statistik, wie viele Krisen ein Trainer mit seinem Klub meistert, bevor ihn die finale hinwegrafft, die irgendwann kommen muss.

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Die Statistikerei treibt auch in den Meldungen zu den Spielen des Nowitzki-Klubs Dallas ihr Unwesen. Verlieren die Mavericks zwei Mal hintereinander, ist es eine Serie. Gewinnen sie das nächste Spiel, haben sie die schwarze Serie beendet, noch ein Erfolg, und die Siegesserie ist da, die aber schon bei der nächsten Niederlage reißt.

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Na ja, lasst ihnen ihre Statistiken. Ohne sie wären sie aufgeschmissen. Und müssten sie gar auf »Ballbesitz« und »Laufkilometer« verzichten, würden sie fast ganz verstummen und Spiele kommentieren wie einst Ernst Huberty: »Maier hält.« Lange Pause. »Beckenbauer.« Pause. »Müller.« Kurze Pause. »Tor.« Ganz lange Pause. Alles im gleichen gedämpften Tonfall, um Vati vor dem Fernseher nicht zu erschrecken und Mutti nicht zu wecken.

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So, nun mal was echt Kontroverses: Unser Bundespräsident hat ein Zeichen gesetzt! Nur – was für ein Zeichen? Wofür? Wogegen? Wohlfeil? Dass Gauck nicht nach Sotschi kommt, würde niemanden in In- und Ausland interessieren, wenn er es nicht volltönend ankündigen würde. Ein Zeichen gegen Putin, gegen Homophobie, gegen Großmannssucht, gegen Winterolympia im Sommer-Badeort, gegen IOC, für Demokratie, für Menschenrechte und was noch so alles auf der korrekten Agenda steht? Dann müssten auch andere Zeichen folgen, schmerzhaftere als rein bundespräsidiale Ankündigungsrhetorik.

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Denn sonst wird aus dem Ossi Gauck ein Ösi, aus dem Boykott ein Boykotterl, wie 1980 in Moskau, als die Österreicher auf ihren groß angekündigten Olympia-Verzicht verzichteten und nur boykotterlten: Beim Einmarsch grüßten sie freudig in die Runde, aber vor der Ehrentribüne, wo die politische Prominenz saß, schauten sie streng und strafend geradeaus. Ein Ösi soll sogar ein Fäustchen in der Trainingshose geballt haben.

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Zu echt guter Letzt ein viel netteres Thema. Barbara Tomsch (Reichelsheim) las »in der HLB sitzend, an der Courtside« die erste Folge der »Das war’s«-Rückblicke. »Mir gegenüber taten zwei junge Männer das Gleiche. Zu dritt kicherten wir über das ›Give-Away‹. Sie sehen also, dass Ihre Kolumne eine 260 Jahreszeiten alte Dame mit zwei Twens ins Gespräch bringt!« – Wie schön! Nächste Woche folgen zwei bis drei weitere »Das war’s«-Give-Aways. Gerne auch zum gemeinsamen Kichern der Generationen.   (gw)

* (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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