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Das war’s im Februar (Der schlaue David und ein Zelt im Kotorkan)

Zahlen, Daten, Fakten – die Jahresrückblicke sind voll davon. Nicht bei uns. Wir picken uns aus den »Anstoß«-Disziplinen »Sport-Stammtisch«, »Montagsthemen« und »Ohne weitere Worte« sowie aus dem Blog »Sport-Gott & die Welt« Einblicke, Ausblicke, Irrungen und Wirrungen (auch eigene) heraus, die unkommentiert und unbearbeitet eine Collage des Sportjahres 2013 darstellen sollen.
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Ein japanischer Judo-Olympiasieger ist wegen Vergewaltigung zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er legt Berufung ein – es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt. Einen Tag zuvor war Japans Judo-Nationaltrainer der Frauen zurückgetreten, weil er Athletinnen in der Olympia-Vorbereitung mit Bambusschwertern geschlagen hat. – »Einvernehmlicher Sex«, das ist in Zeiten, in denen desperate Hausfrauen von einvernehmlich uneinvernehmlichem Sex schwärmen und eine absonderliche »Shades of Grey«-Bestsellerei fördern, eine noch heiklere Geschichte als in Vor-Kachelmannzeiten.
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»Ich glaube, als Männer sollten wir nicht so großen Wert darauf legen, das starke Geschlecht zu sein. Wir sind es doch sowieso.« (Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter im Stern-Interview zur Sexismus-Debatte)
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Der Papst-Rücktritt: Auch wenn ich kein Klubmitglied bin, hat Ratzinger/Benedikt mich immer berührt. Schon als harter Ratzinger-Knochen, mehr dann noch als Papst Benedikt. Und immer gewundert, an was solch ein unheimlich kluger Intellektueller alles glauben kann, und zwar offenbar aus tiefstem Herzen. Sein Vorgänger, der große Medienstar, hat mich dagegen immer kalt gelassen.
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Der Hype um Beckham in Paris ähnelt dem um Guardiola in München, und beide haben spezielle Verbindungen nach Katar. Und das geht so: Bei der skandalösen und sportlich irrwitzigen Wahl Katars zum WM-Ausrichter 2022 hat der französische UEFA-Boss Michel Platini für Katar gestimmt. Kurz darauf kauften die Scheichs die Senderechte für die französische Liga und stiegen bei Paris St. Germain ein, das sich daher trotz Platinis hoch gelobtem »Financial Fairplay« einen Ibrahimovic und Beckham leisten kann … und einen Platini-Junior, denn die Scheichs haben auch ein Herz für das notleidende Präsidentensöhnchen, das sich »Europachef« von PSG nennen darf.
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Und was haben Beckham und Guardiola damit zu tun? Der ach so andere, still-intellektuelle Bayern-Trainer in spe soll für schlappe elf Millionen Euro PR für das tolle Fußball-Land Katar gemacht haben, und der bislang nicht als Geistesriese gerühmte Beckham kommentierte als Augenzeuge die Wahl Katars für 2022 überrascht mit einem zwingend logischen Schluss: »Hier stimmt offensichtlich etwas nicht.« Schlauer David.
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Beckham hat die Pariser Herzen im Sturm erobert, als er sich beim neureichen Klub PSG vorstellte, weil Beckham sich selbst auf den Arm nahm. Von seiner Schnelligkeit hätte er nichts verloren, sagte der Engländer selbstironisch, »denn besonders schnell war ich nie«. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Besonders witzig wollte ein Sponsor der Ski-WM in Schladming sein, der die Stimmung in seinem Zelt mit Slogans wie »Zeig der Zilli deinen Willi« anheizen wollte. Das ist noch echter Männerwitz! Leider wurden die Zelt-Slogans in Schladming von einem Kotorkan hinweggewirbelt, der Sponsor zog das Stummelschwänzchen ein und bat um Entschuldigung.
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Kotorkan – als ich das Wort erstmals verwendete, versuchten es einige Leser vergeblich zu entschlüsseln (»Kot-Organ?«). Ich hatte nur »Shitstorm« eingedeutscht.
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Wetten, dass Bayern München NICHT Meister wird!?
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»Wettanbieter, das ist die Zukunft, das ist das einzige wahre Start-up in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Man erkennt das schon daran, dass bei uns um die Ecke im Viertel noch vor der schäbigsten Wettklitsche nur schwarzpolierte Autos in Panzergröße parken (…), immer mitten auf dem Bürgersteig abgestellt, so wie früher im Wilden Westen die Pferde vor dem Saloon.« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Ach ja, die Wette: Erst wenn sie gewonnen würde, hätten wir den größten Wettskandal aller Zeiten. Ich setze dagegen. Alles, was ich habe.
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Die »Frankfurter Allgemeine« in einem Porträt über den doppelt beinamputierten Sprinter Oscar Pistorius: »Er nahm seine Waffe und schlich auf Zehenspitzen die Treppe hinunter.« (aus dem Spiegel-»Hohlspiegel«) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle