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Sport-Stammtisch (vom 7. Dezember)

WM-Auslosung – der »Hammer«? Auch da halte ich es mit Jürgen Klopp: »Es gibt nichts, was mich weniger interessiert als eine Gruppen-Auslosung. Es ist schön, dass die Fifa ein Riesen-Event daraus macht, aber sie könnte auch einfach losen und die Verbände dann anrufen.«
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Oder den Pokal gleich nach Deutschland schicken. Schließlich ist über die Hälfte unserer Bevölkerung vom Titelgewinn überzeugt, dazu kommt jene brasilianische Seherin, die bei einem – Achtung! – Esoterikfestival (sic!) vor mehr als 40 000 (sic!!) begeisterten Zuschauern qua profession ad hoc Deutschland als Weltmeister 2014 bekanntgeben hat.
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Das »(sic!)« und das (»sic!!)« und das »qua« und das »ad hoc« in wenige WM-Zeilen zu pressen, ist nicht mir gelungen, sondern der »Welt«. Und wenn ich’s dennoch geschrieben hätte, würden mir die Leser auf die Schreibfinger klopfen – wegen hochgestapelter Mittelmäßigkeit und wegen falscher Nutzung des lateinischen »(sic)«, das zwar »genau so« heißt, aber bedeutet, dass man einen Fehler im zitierten Text »genau so« übernimmt, ihn mit dem »(sic)« aber als Fehler kennzeichnet. Und nicht als eine Art zusätzliches Ausrufezeichen benutzt, als eine Art Emoticon für »… ist ja der Hammer!«
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Das Wetter ist ja der … bitte nicht übertreiben. Zumindest Kinder und Scheichs haben ihre helle Freude. In Katar starten sie sogar eine Menschenrechts-Initiative. Gegen Mitteleuropa. Weil: Bei diesem Wetter Fußball spielen zu lassen, das ist doch menschenverachtend!
Losung der Aktion: »Pro Katar – kontra Katarrh!«
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Damit kletter’ ich glatt in die Bütt! Nach Tusch und Narhallamarsch würde ich für alle, die der Jägersprache mächtig sind, eine Zugabe geben: Die WM in Katar ist doch echt … Losung!
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Und zwar vom Fuchs. Die stinkt am schlimmsten. Am allerschlimmsten: Dass Hunde das ganz anders sehen, sich liebend gerne in Fuchsscheiße wälzen, dann stolz angetrippelt kommen wie Daisy Duck nach dem Besuch im Parfümladen … und geknuddelt werden wollen.
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Nach dieser Duftmarke zurück zum Sport und von Katar über Saudi-Arabien nach Hause. Unser Vorwurf, der FSV Frankfurt lasse sich von einer saudischen Fluglinie trikotpampern, obwohl diese sich weigert, israelische Passagiere mitzunehmen, ist ge- und erhört worden, der FSV löst den Vertrag auf. Natürlich nur wegen unserer Kritik. Noch bleibt allerdings unsere Frage unbeantwortet, ob israelische Passagiere es nicht vorziehen würden, wenn Deutschland Trikots nach Saudi-Arabien verkauft statt Panzer. Aber mit unserem neuen Einfluss stoppen wir auch noch den Panzer-Export!
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Ich glaube, so etwas nennt man Hybris. Wenn’s keine Selbstironie wäre. Das Problem: Hybris erkennt jeder, Ironie ist Glückssache. Außerdem leben wir in einer postironischen Zeit, heißt es. Damit müssen wir Ausderzeitgefallenen leben.
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Apropos Gefallene. Mit diesem hammerharten Übergang zum Hartmannsweilerkopf. Ich hatte den Namen noch nie gehört und wusste daher auch nicht, dass dort im Ersten Weltkrieg viele deutsche und französische Soldaten starben. Nächstes Jahr führt eine Gedenk-Touretappe über den Hartmannsweilerkopf, den zumindest einer unserer Leser schon aus früher Jugend kennt: Achim Meisinger aus Ockstadt. »Mir war dieser Name sofort ein Begriff, hatte doch mein Großvater 1965 mir ein Buch eines Heeres-Oberarchivdirektors Gustav Goes ›Hartmannsweiler Kopf – Das Schicksal eines Berges im Weltkrieg‹ in die Hand gedrückt.« Und jetzt kommt’s: »An den Weihnachtstagen 1914 ging der Hartmannsweilerkopf endgültig in die militärgeschichtlichen Annalen ein, als … man höre und staune … eine Radfahrer-Patrouille des 123. Landwehrregimentes den ›geheimnisvollen Berg‹ zu Erkundungszwecken erstürmte und überquerte.« – Aha, daher die Tour 2014! Die nächste Radfahrer-Patrouille naht!
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Was wäre diese Kolumne ohne ihre Leser? Vera Fahrenholtz-Boyens (Biebertal) macht mich auf eine dpa-Meldung aufmerksam: »Für die Überlebenden von Taifun Haiyan auf den Philippinen ist ein winziges Stück Normalität zurückgekehrt. Am Dienstag ging in der verwüsteten Stadt Tacloban der erste Geldautomat wieder in Betrieb.« Unsere Leserin über die Normalität der Geldautomaten«: »Inmitten der Trümmerwüste wird endlich der neu errichtete Geldautomat den Hinterbliebenen über die Not des täglichen Überlebens, der Suche nach Kindern, Eltern, Geschwistern, Freunden ein Signal setzen: Unser wichtigstes Lebenselement Geld hat überlebt und überträgt hoffentlich seinen überlegenen Durchsetzungswillen im Daseinskampf auf jene, die ihre Gesichter im allgegenwärtigen Leichengeruch verhüllen.«
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Zum zweiten Advent will ich aber mit Erfreulicherem schließen. Im »Spiegel« lese ich, dass eine polnische Gänsezüchterin derart gut wärmende Daunen herstellt, »dass Extremkletterer sie gern in eiskalten Nächten an den Flanken des Himalaja einsetzen«. Und wenn sie alle Flanken mit den Daunen gespickt haben – sooo kuschelwarm wird’s dann am Himalaja! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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