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Vera Fahrenholtz-Boyens: Über die Normalität von Geldautomaten

Vielleicht können Sie die folgende Meldung für Ihre Sammlung gebrauchen und eventuell in der Luft oder Ihrer Kolumne zerreißen: 

Aus einer dpa-Meldung:
„Für die Überlebenden von Taifun "Haiyan" auf den Philippinen ist ein winziges Stück Normalität zurückgekehrt. Am Dienstag ging in der verwüsteten Stadt Tacloban der erste Geldautomat wieder in Betrieb. Zwei weitere mobile Geräte sollten in Kürze folgen, versprach die staatliche Land Bank. Präsident Benigno Aquino reiste in den Präsidentenpalast nach Manila zurück. Er war erst am Sonntag nach Tacloban ge-kommen und hatte wegen der scharfen Kritik an der schleppenden Hilfe für die Opfer versprochen, so lange vor Ort das Kommando zu übernehmen, bis alles wie am Schnürchen läuft.“

So gelesen im Kreis-Anzeiger für Wetteraukreis und Vogelsberg am 20.11.2013.

Ich konnte mir einen Lesebrief nicht versagen, es war stärker als ich:  
„Geldautomaten nach Katastrophen – normal???
Inmitten der Trümmerwüste wird endlich der neu errichtete Geldautomat den Hinter-bliebenen der in Massengräbern Bestatteten über die Not des täglichen Überlebens, der Suche nach Kindern, Eltern, Geschwistern, Freunden…(beliebig fortzusetzen) ein Signal setzen: es ist noch nicht alles verloren. Unser wichtigstes Lebenselement Geld hat überlebt und überträgt hoffentlich seinen überlegenen Durchsetzungswillen im Daseinskampf auf jene, die ihre Gesichter im allgegenwärtigen Leichengeruch verhüllen. Ob sie sich davon etwas kaufen können? Man muss nicht zu den Überlebenden des Kriegsendes in unseren zerstörten Städten gehören, um angesichts der derzeitigen Not im katastrophenvernichteten Gebiet das Vorhandensein von Geldautomaten normal zu nennen als zynisch, wenn nicht als obszön zu bezeichnen.“ 

Ja wo samma denn?

(Vera Fahrenholtz-Boyens/Biebertal)

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