Archiv für Dezember 2013

Sonntag, 29. Dezember, 8.45 Uhr

Die Genesung vom unmotivierten sonntäglichen Frühstaufstehen, diesem Spätschaden eines 18-Stunden-und-manchmal-mehr-Sonntagsarbeitslebens, sie schreitet voran. 8.45 Uhr. Persönliche Bestleistung im Rentnerleben. Ob der Rekord anerkannt wird, ist allerdings zweifelhaft. Zu viel Rückenwind, da keine „Montagsthemen“ geschrieben werden müssen (oooch!, hallt es leise durchs Blogländchen, wie schon am Samstag, als der „Sport-Stammtisch“ wegen der „Das war’s“-Rückblicke ausfiel).

Allerdings schwanke ich noch ein wenig. Das letzte „Das war’s“ auf Silvester verschieben und stattdessen doch eine aktuelle Kolumne schreiben? Ich lasse es in der Schwebe und komme über das allmähliche Verfertigen der Gedanken beim frei fließenden Blogschreiben zu einer Entscheidung.

Kürzlich hatte ich im Blatt meine Witzchen über die Serien-Manie am Beispiel von Dirk Nowitzkis NBA-Klub gemacht. In der Berichterstattung ist immer von einer haltenden oder reißenden Serie die Rede, und nur, wenn Dallas abwechselnd gewinnt und verliert und gewinnt und verliert, fällt es den Kollegen etwas schwerer, eine Serie starten oder reißen zu lassen. Das Problem lösen sie aber elegant, wie jetzt, am Sonntag, als Dallas nach einer Niederlage gewann und „in die Erfolgsspur zurückgekehrt“ ist.

Täuscht der Eindruck, oder lässt die mir unerschließbare Faszination des Biathlons nach? Das Schalke-Spektakel, vor einigen Jahren als Mega-Event gestartet, rutscht jedenfalls langsam wieder in die Kurzmeldungs-Spalten ab. Normalisierung? Oder lag’s sowieso nur an Magdalena Neuner? Beziehungsweise am fröhlichen Medaillensammeln, das vorbei zu sein scheint? Ihre erhoffte Nachfolgerin, Miriam Gössner, macht vorerst vor allem Schlagzeilen als Schmerzensreiche. Was dieses Mädchen schon alles gebrochen und erlitten hat! Wobei Schmerzmittel bei ihr nicht mal wirken (außer Morphium). Irgendwo (FAZ, SZ? Welt?) in den letzten Tagen gelesen, dass sie, nach einem frühen Gesichtsbruch (durch zurückwippende Slalomstange) ein Zahnersatzteil trägt, das beim heftigen Keuchen auf der Biathlonstrecke schon mal raus und in den Schnee fällt.

Zurückgelegt, um demnächst ein altes „Anstoß“-Thema mit neuen Fakten zu aktualisieren: Die Fußball-Profis, die Ausbildung, das Geld und ihr Leben nach dem Sport. Dazu ein „Welt“-Interview mit dem Geschäftsführer der Profigewerkschaft VdV, Ulf Baranowsky. Wer unbedingt auf Fußball-Profis neidisch sein will, kann es nur auf ganz wenige Prozent von ihnen sein – die paar Dutzend in Deutschland, die bis ins hohe Alter finanziell und ideell vom Fußballgespielten leben können. Derzeit spielen in Deutschland einige, die riesengroße „Bild“-Schlagzeilen bekommen (zum Beispiel mit Mega-Weihnachts-Familienbild), und von denen man sich nicht vorstellen mag, wie sie mit 50, 60, 70 leben werden.

„Bach muss endlich Ordnung schaffen“ – „FAS“-Überschrift eines großen Interviews mit Heiner Geissler. Der einst an Kohl gescheiterte und dann von ihm langfristig in den Senkel gestellte CDU-Halblinke, mittlerweile 83 und immer noch bergsteigend sportlich aktiv, sagt einige kluge Sachen über den Sport. Allerdings hat er den Vorteil, den alle halbwegs bekannten Politiker haben, wenn sie über Sport reden: Die Verantwortung tragen andere, denen ins Gewissen reden und humanmaximale Forderungen stellen, ohne sie umsetzen zu müssen, ist ein konsequenzloses Moralisieren, quasi das Privileg, auch mal Bundespräsident spielen zu können. Wenn es nach Geissler ginge, gäbe es kein Olympia in Sotschi, keine WM in Katar, es hätte kein Olympia in Peking gegeben, und zwanzig Länder, in denen Frauen keinen Sport treiben dürfen, würden von Olympia ausgeschlossen. Wenn man das moralisch weiterdenkt, müssten Olympia und Fußball-WM allerdings demnächst an einem zentralen Ort stattfinden. Auf dem Mond. Auf unserer Erde dagegen schmuggelt Rummenigge, aus Katar (!) kommend, zwei Rolex-Uhren durch den Zoll, steht mit flammenden Appellen seinem Vereinsbruder Uli zur Seite, und alle weinen vor Rührung.

Weinen. Im Jahr 2013 war zum Weinen, wie Boris Becker sich zum Narren machte, nicht nur wegen der Klatsche am Kopf bei Pocher, sondern (für mich) vor allem, wie er im Fernsehen aus seinem Buch vorlas. Weinen aus Fremdscham und Enttäuschung über einen großen Sporthelden. Auch ein anderer las aus seinem Buch vor, auch das war zum Weinen, aber das übernahm er selbst, weil er von sich selbst gerührt war. Wer? Sein Lebensabschnitts-Beruf ist in einem dieser Blogsätze schon genannt worden. Soll ich den Namen als „Wer bin ich?“-Zusatzpunkt ausloben? Nein, zu einfach.

Noch mal zu Geissler, beziehungsweise zu einem ähnlich schlauen Taktiker der Moralmacht. Ströbele. Heute früh lese ich in der „FAS“, dass er zu den acht Grünen gehörte, die 2001 gegen den Afghanistan-Einsatz stimmen wollten und dadurch die Schröder-Regierung ins Wanken gebracht, wahrscheinlich sogar gestürzt hätten. Da drängte Ströbele hinter den Kulissen dafür, dass vier der acht aus Gründen der Staats- bzw. der Regierungsraison für den Einsatz stimmten und die Kanzlermehrheit sicherten. Er selbst blieb bei seinem „Nein“, dieser „Friedensengel“ („FAS“).

Der härteste Knochen im grünen Gewande ist aber ein Weichei gegen  unsere Verteidigungsministerin. Eine Frau in diesem Job, das geht doch nicht, stöhnen viele. Sie täuschen sich. Gegen VDL waren der nette Herr Jung, der Wüstensandstrauchler Rühe, schon gar jener Talmi-Baron wachsweiche Männlichkeitsdarsteller. Die Neue hat sogar einige Härtegrade mehr drauf als einst Domina Thatcher, der John Wayne mit Colthandtasche. Manchmal ahne ich, VDL  kommt aus einem anderen Universum, geschickt als Robocop, der in Jämmerlichkeitsland  für Ordnung sorgen soll.

Tja. Ob das Bloghingeschriebene in die „Montagsthemen“ oder Material für den Silvester-„Anstoß“ liefern soll? Bin immer noch unschlüssig. Online-Leser werden es merken, wenn der nächste „gw-Beitrag Anstoß“ rechts anklickbar ist – „Das war’s“ im November/Dezember, oder eben die „Montagsthemen“.

Als Zwischendurch-Beschäftigungstherapie stelle ich schon mal die WBI-Ranglisten zusammen. Aufruf an alle, die vorne dabei zu sein glauben (die meisten wissen es): Bevor ich die Ranglisten im Blatt veröffentliche, stelle ich sie in den Blog, zwecks möglicher Überprüfung von Fehlern – Sie melden sich, ich prüfe nach. Fehlerfreiheit würde mich überraschen, denn ich zähle die Punkte alleine zusammen und fummele die Ranglisten zurecht, da ist mir jede Leser-Nachhilfe willkommen (da ich alles aufgehoben habe, sind eventuelle Fehler leicht zu überprüfen). Also, vielleicht schon heute im Blog. Bis dann.

 

 

Veröffentlicht von gw am 29. Dezember 2013 .
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Sonntag, 22. Dezember, 11.20 Uhr

Der Vorteil  der Anpassung des neuen „Anstoß“-Aussehens im Blatt an andere Kolumnen: Vierspaltig unten auf der Seite fällt es nicht so auf, wenn ich wieder mal kein Ende gefunden habe. Auch die „Montagsthemen“ (stehen schon online, unter den Links rechts) sind ein Mordstrumm geworden, früher hätte ich noch gekürzt, damit sie nicht oben das Layout verhauen, unten kann ich sie aber ungekürzt den alten Kollegen aufs Auge drücken, vielleicht merken sie’s nicht mal (außer, htr liest den/das Blog; aber vermutlich tut er sich das nicht an).

Nachteil des neuen Layouts: Jahrzehntelang hinter „gw“ versteckt, glotzt meine Birne nun fast Tag für Tag aus dem Blatt, jetzt vor allem, weil ich zwischen den Jahren auch meine sonstigen Nicht-Tage mit „Das war’s“-Rückblicken bestücke.

Online-Leser verstehen nur „Hä!?“, dieses im polyglotten Sinn Allerweltswort, denn es würde in fast allen Sprachen verstanden. Lese ich in einer meiner Samstags-Zeitungen. Am Samstag habe ich auch über eigene Vergesslichkeit eine „Nach-Lese“ geschrieben, die jetzt zu ergänzen wäre. Habe ich nicht schon viel früher über das weltgebräuchliche „Hä!?“ geschrieben? Ich vermute ja, kann mich aber nicht erinnern. Und im Archiv nachzusuchen, habe ich keine Lust. Das war’s für heute. Morgen: Alle Jahre wieder. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 22. Dezember 2013 .
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Sonntag, 22. Dezember, 7.35 Uhr

Wieder ein kleiner Selbsttherapie-Erfolg gegen die unnötige sonntägliche Frühestaufstehung (die Mittelsilbe „er“ lass ich mal weg). Schon halb acht, da bin ich sonst schon fertig mit dem „das“ Blog. Nachts eingetrudelte Agentur-Meldungen: V.d. Leyen in Afghanistan, Rösler kriegt Job beim Weltwirtschaftsforum, Pfefferkuchen-Wahnsinn in Tallinn, Tschechen streiten um Weihnachtskarpfen … bei mir klingeln die Karpfen, sie jappsen nach Luft und erinnern mich an miese Taten. Hab ich sie schon mal im Blog bekannt, mein unweihnachtliches Treiben mit den „Nasen“, einer Karpfenart, die ich in meinem Teich angesiedelt hatte, sieben durchsichtige Winzlinge, gekauft bei der Garten-Messe in Laubach, angeboten als perfekte Algenfresser. Gefressen haben sie aber vor allem den Nachwuchs von Kröten und Molchen, daher ließ ich das Teichwasser ab, bis nur noch ein kleiner Schlammtümpel zu sehen war, und fischte die riesig gewordenen Nasen mühsam heraus. Dauerte sehr lange. Sechs hatte ich schon, sie litten wohl unter Sauerstoffmangel im Matsch, ich schüttete sie in einen Bottisch mit klarem Wasser, nein, das schreibt sich ja nicht hessisch, also in einen Bottich mit klarem Wasser. Den siebten fand ich nicht. Vielleicht längst tot und im Teich verwest? Nach Stunden blubberte es – der clevere Kerl hatte sich versteckt, tief im Matsch. Ein Riese! Ab in den Bottich. Dort trudelten jetzt sieben Nasen herum, fast auf dem Rücken. Es war schon dunkel, deshalb verschob ich die Evakuierung in den nächsten Bach auf den nächsten Morgen. Da waren aber nur noch sechs Nasen im Bottich. Wie das? Ich konnte es mir nicht erklären, doch dann fiel mein Blick etwa einen Meter neben den Bottich, da lag er. Der Clevere. Der Größte. Der Lebenstüchtigste. Hatte als einziger soviel Energie, noch aus dem Bottich zu hüpfen, zurück in die Heimat, in den Teich. Lag aber wohl schon die ganze Nacht auf dem Trocknen. Der arme Kerl. Die Kiemen bewegten sich aber noch ein wenig. Ein sehr wenig. Zurück in den Bottich, ab zum Bieberbach, reingekippt – und wider alle Vernunft gehofft, dass alle sieben und vor allem der tapfere Kerl eine neue Heimstatt finden würden. Insgeheim war mir aber klar, dass jetzt sieben Leichen den Bach runter trieben. Jetzt komme ich bei meinen Kurzradtouren immer am Bach vorbei und hoffe, keine kieloben treibenden Nasen zu sehen. Im Stillen grüße ich sie und hoffe dennoch, dass sie leben und mir dankbar sind, in die Freiheit entlassen worden zu sein. Das war meine Weihnachtsgeschichte. Und nun ran an die Montagsthemen.

Veröffentlicht von gw am 22. Dezember 2013 .
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Samstag, 21. Dezember, 11.30 Uhr

Hinweis für online Neuhinzulesende: Dieser Blog (der anderswo das Blog heißt, wie ihr wollt) funktioniert ohne ungefilterte Spontankommentarfunktion (aus gutem Grund, wenn ich mich im Netz so umschaue; wer sich meldet, muss schon ganz altmodisch mailen) und inhaltlich nur in Kombination mit den Kategorien rechts. Denn „Sport, Gott & die Welt“ ist nichts anderes als eine Online-Begleit-, -Ersatz-, -Materialsammlungs-, -Undsoweiter-Kolumne für die in unseren Zeitungen erschienenen oder noch zu erscheinenden Kolumnen.

Ziemlich altmodisch? Mir doch egal. Aber so früh war und so lange ist kaum eine andere Kolumne im Internet zu lesen.

Heute schreibe ich hier parallel zu den ebenfalls heute im Blatt zu lesenden Kolumnen von mir: „Sport-Stammtisch“ im, Überraschung!, Sportteil (Kategorie „gw-Beiträge Anstoß), „Nach-Lese“ (Titel heute: „Mein progressiver Alttag“) und „Nichts als alles“ (eine Buchbesprechung auf der Bücherseite/beides Kategorie „gw-Beiträge Kultur“).

Dies nur für die paar wenigen Neulinge. Die meisten anderen wissen, dass „Sport-Stammtisch“, „Nach-Lese“ und die Bücherseite drei meiner Babys sind, zwei davon habe ich von Kollegen adoptieren lassen, springe aber ab und zu noch als Babysitter ein.

Im Blatt geht’s weiter mit den „Montagsthemen“, am Dienstag folgt eine Weihnachtskolumne (mit zum Teil aufgewärmten Texten), Freitag/Samstag/Montag wird „Das war’s“ fortgesetzt und abgeschlossen, und das „Anstoß“-Jahr endet mit einer Silvesterkolumne. Erst im neuen Jahr folgen Auflösung und Ranglisten der „Wer bin ich?“-Runden, wahrscheinlich über mindestens zwei Kolumnen verteilt, um auch mal längere Ranglisten zu veröffentlichen.

Das ist der Plan. Vielleicht mache ich aber auch einen neuen Plan. Denn das ist mein Privileg: Als verrenteter Privatier kann ich schreiben, wie und was und wann ich will, ohne Chefs, ohne Untergebene, ohne irgendein Gängelband, aber in ständigem Kontakt mit Stammlesern (einiges davon ist in der „Mailbox“ nachzulesen), von deren Kritik und Anregungen ich mich immer gerne beeinflussen lasse. So, das sollte mal gesagt werden. Beim nächsten Mal wieder Schreibseleien as usual.

Veröffentlicht von gw am 21. Dezember 2013 .
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Sonntag, 15. Dezember, 9.30 Uhr

Wutsch, „Montagsthemen“ schon im Kasten und online. Tipp: Wer mehr über David Storls und Jacko Gills aktuelle Verfassung erfahren will, möge Storls Homepage und Gills Twitter folgen. Storl stellt ein Video an der Beinpressmaschine rein und verrät seine Stoßleistung zu Beginn der heißen Hallentrainingsphase (19,02 mit der 8,5 kg Kugel; seine Bestleistung: 19,88; zum Vergleich meine in Hochform; knapp über 19 mit der 8,0-Kugel). Gill, der vor einiger Zeit „wenigstens“ Storls Junioren-Rekord auf 23 Meter verbessert hat, kann wieder einmal nur ein blutiges Verletzungsbild liefern. Diesmal hat ihn nicht der Hund gebissen, sondern er ist beim Sprungkrafttest mit nacktem Oberkörper gegen die Wand gesprungen und hat sich die Pelle grauslich gefetzt.

Morgen gibt’s keine Zitaten-Kolumne, sondern die „Das war’s“-Fortsetzung, damit wir’s bis Silvester über die Runden bringen können. Jetzt wieder Sauerlandlinie. Orthodoxe Griechen feiern Weihnachten nach uns, junge Hunde vor uns, aber mit uns. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 15. Dezember 2013 .
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