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Wer bin ich? (Letzte Runde 2013)

Gesehen haben mich viele, wer ich bin, weiß niemand, das ist daher nicht die Frage. Man kennt mein Bild, man weiß, wo es zu finden ist, und dieser Ort ist es, der gesucht wird.
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Das, was auf dem Bild zu sehen ist, war damals bei uns eine der beliebtesten Sportarten überhaupt – obwohl es »Sport« in Eurem Sinne noch gar nicht gab. Was die beiden Damen auf dem Bild zu tun haben, würdet Ihr heute wahrscheinlich Hilfestellung nennen. Außerdem sieht man noch ein Tier, das in meiner Disziplin eine wichtige Funktion hat.
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Noch ein Tipp: Der Ort, den Sie finden müssen, hat ein Engländer schön bunt hergerichtet, was in seiner Fachwelt ziemlich umstritten war, und obwohl mein Bild so viele Jahre auf dem Buckel hat, ist es doch … »frisch«.
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Sehr viel später kopierte mich und meinen Stil ein echter Vollprofi, der am Hofe eines Königs angestellt war und in meiner Disziplin eine Leistung vollbrachte, die noch heute zur Endkampfteilnahme bei Olympischen Spielen reichen könnte. Allerdings benutzte er ein leistungssteigerndes Hilfsmittel, das heute verboten ist. Dafür nahm er aber ein freiwilliges Handicap auf sich – zu dieser reifen Leistung kann man nur den Hut ziehen.
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Sowohl er als auch ich wussten schon früh, wie man in unserer Disziplin am weitesten kommt. Da wir beide längst vergessen waren, brüstete sich aber die Sportwissenschaft Mitte des 20. Jahrhunderts mit der »neuen« Erkenntnis, dass unser Stil biomechanisch der optimale sei. Ein deutscher Sportler führte ihn zur Verblüffung der Zuschauer und Kampfrichter vor, seine Leistung entsprach damaliger nationaler Klasse, doch die »neue« Technik wurde alsbald verboten, wegen zu großer Verletzungsgefahr. Der Name des Deutschen führt zurück zu mir, in meine Zeit, zu meinem Bild und zu dem Begriff, unter dem meine Disziplin bekannt war.
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Wie heißt der Ort, an dem ich zu finden bin? Wie der Vollprofi mit der reifen Leistung? Wie unser deutscher Epigone? Drei Fragen, für die drei Punkte zu gewinnen sind. Einsendeschluss: 20. Dezember. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle