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Ohne weitere Worte (vom 26. November)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft. Diesmal fast ausschließlich gefunden in SZ und FAS, den beiden Hauptlieferanten für unsere wöchentliche Zitaten-Kolumne.

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Den Winter erkennt man auf Anhieb daran, dass ARD und ZDF sonntags jeweils 24 Stunden lang über den Doppelrennrodelwettbewerb im Kaukasus berichten, bei dem das deutsche Ausnahmeteam zuverlässig einen Achtfacherfolg feiert, was ausschließlich am exorbitanten Talent der Athleten und den vom staatlichen Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin entwickelten High-Tech-Schlitten liegt und nicht etwa daran, dass andere Nationen vom Rennrodeln noch nie etwas gehört haben. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

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Auf die listige Frage eines Journalisten, ob er sich vorstellen könne, wie (…) Benedikt XVI. zurückzutreten, antwortete Blatter: »Für einen Rücktritt fehlt mir die nötige Energie.« (Süddeutsche Zeitung zur Audienz des FIFA-Präsidenten beim Papst)

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»Leute, ich bin lange dabei und habe eigentlich ein gutes Gedächtnis, aber kann mir einer helfen: Wann hat Italien gegen Deutschland letztmals verloren?« Seit Freitag spürt Buffon: Dabei bleibt es, denn Gott ist Italiener. Die Deutschen waren nur mal kurz Papst, und das reicht nicht. Wer es nicht glaubt, hat die letzte Szene verpasst. Buffon geschlagen, Tor leer, Ball frei, da sagt Reus zu Bender: »Nimm ihn du, ich hab ihn sicher.« (Welt)

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An der Spitze der FIDE steht (…) ein dubioser Herr namens Kirsan Iljumschinow, der einst als Oberhaupt der autonomen russischen Teilrepublik Kalmückien wirkte. (…) Mal lässt er in der Heimat eine »Schachstadt« errichten, mal berichtet er von einer angeblichen Entführung durch Außerirdische. 2011 ließ er sich während der gewaltsamen Auseinandersetzungen in Libyen bei einer Partie Schach mit Machthaber Muammar al-Gaddafi ablichten. (Süddeutsche Zeitung)

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»Ich bin Maler.« (…) – Haben Sie Unterricht genommen? (…) Wie lief das, haben Sie da angerufen, hi, hier ist der Präsident, ich hätte gern Malstunden? (…) – »Sie kam bei uns zu Hause vorbei. (…) Ich meinte: Ich denke übers Malen nach. Und sie: Was ist Ihr Ziel? Und ich: Da ist ein Rembrandt in diesem Körper gefangen. Ihr Job ist es, ihn zu finden.« (»Teledialog« aus der »Tonight Show« von Jay Leno mit George W. Bush/protokolliert in der FAS)

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Kim Jong Il (…) hat, so geht hier die Propaganda, den Hamburger erfunden, er hat bei seinem ersten Golfspiel neunmal ein hole in one zustande gebracht. Dies verbreitet eine nordkoreanische Nachrichtenagentur, die auch darüber berichtet, in Nordkorea sei nach langer Suche ein wahrhaftiges Einhorn-Nest entdeckt worden. (Holger Gertz auf der SZ-»Seite drei« über eine Reise von Marcel Reif nach Nordkorea)

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Olli Pocher (…), King of Trash oder fleischgewordene Zote (…), ist jetzt mit Bum Bum Bine zusammen, das ist Sabine Lisicki, unser Tennis-Sternchen, das sich immer so doll freut, wenn es in Wimbledon mal auf Rasen spielen darf. Olli und Bine sind das neue deutsche Promi-Traumpaar – was soll man dazu sagen? Steffi hat Agassi, Lisicki hat Pocher – drastischer kann man den Niedergang des deutschen Damentennis nicht beschreiben. (FAS)

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Woody Allen lässt ja keine Gelegenheit aus, über das Alter zu schimpfen. Wie fühlen Sie sich? – »Das Gute am Altwerden ist schon mal: Du bist nicht jung gestorben. Ich mag das Alter. (…) Die Leute sind besonders liebenswürdig zu mir. Wenn man aus Versehen furzt, kann man sagen, das ist altersbedingt.« (Schauspieler Donald Sutherland, 78, im SZ-»Wochenende«-Interview) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle