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Sonntag, 24. November, 6.40 Uhr

Paradigmenwechsel. Das Wort steht auf dem Themenzettel neben Buffi und Gerhild Knirsch, Schleich & Schlamp, dem kleinen Streber von der ersten Bank, dem geheimnisvollen Schließling, dem “Scheinbaren” Fluch der Frankfurter Eintracht, Götzes Nichtjubel, Erpel Ronaldo, die ominösen letzten Minuten und das alte BVB-Leiden. Genug Stoff also für die “Montagsthemen”.

In der Nacht blieb es ruhig, urbi et orbi. Dringlichste Meldung: Offenbar Atom-Einigung mit dem Iran. Im Sport: NBA-Star Rose wieder schwer verletzt, diesmal das Knie.

Verletzungen. Hatten wir am Samstag, im “Sport-Stammtisch”. Soll ich mal von meiner Katze ( einer von zwei) erzählen? Ja, ich halte Katzen. Eigentlich als Nutztiere. Hier in der Nachbarschaft hat jeder eine Katze. Ist ein Muss. Als unser alter Kater starb, füllte sich unser Keller mit Mausmigranten aus aller nahen Welt. Ihre einzige Zuflucht.

Ich habe nichts gegen Mäuse. Als ich hierherzog, vor etwa hundert Jahren, fand ich im Stroh des Pferdestalls (ja, ich hatte Pferde) ein Nest mit sooo süßen kleinen Mäusebabys. Vorsichtig nahm ich das Nest in die Hand, zeigte es dem Nachbarn, einem alten Bauern. “Ist das nicht allerliebst?” Er schaute mich verständnislos an, nahm mir das Nest aus der Hand – und schleuderte es mit voller Kraft gegen die Wand.

Das Trauma bleibt. Aber Mäuse im Keller, im Haus, auf dem Dachboden, alles vollkackend, mit Knitteln in jedem alten Bücherkarton und nicht nur da, sondern überall, das muss nicht sein. Als unsere beiden Katzen aus dem Tierheim kamen, als Nachfolger des alten Katers, war der Spuk schnell vorbei. Zwar höre ich manchmal mit Grausen, wie die Knöchlein in einem Mäusekopf knacken, wenn die lieben Kätzchen zubeißen, aber immerhin schmeiße ich keine Mäusenester an die Wand, ich wasche meine Hände in Unschuld.

Mittlerweile sind die beiden Nutztiere natürlich geliebteste Haustiere und Familienmitglieder geworden, daher war es eine kleine Katastrophe, nein, eine große, als die Kleine, Zarte der beiden (die andere ist ein Der und ein Trumm) vor drei Wochen morgens auf einer Bank hinter dem Haus lag, mit blutverschmiertem Gesicht, das als Gesicht kaum zu erkennen war, keine Augen zu sehen, keine Gesichtsform, eine einzige blutige Masse. Ich wollte sie mir schnappen, schnell zum Tierarzt, aber sie war anscheinend im Schock, ließ sich nicht anfassen, humpelte weg. Und weg war sie. Nach einer Woche hatten wir sie aufgegeben. Verschwunden, für immer. Am Tag danach lag sie in ihrem Körbchen. Immer noch fürchterlich zugerichtet. Zum Sterben nach Hause zurückgekehrt? Ab zum Tierarzt. Tagelang alle möglichen Therapien. Sie berappelt sich. Ist fast wieder die Alte. Nur etwas scheuer als früher, und beim Fressen gibt sie seltsam knirschende Töne von sich. Leider ist mir familiär verboten, ihr den neuen Kosenamen Gerhild Knirsch zu geben.

Katzen haben offenbar wirklich sieben Leben. Unglaublich, dass sie wieder da ist. Dies war eine Geschichte, geschrieben für den BVB und für die Frankfurter Eintracht. Nehmt euch ein Beispiel.

Baumhausbeichte - Novelle