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Montagsthemen (vom 25. November)

Was Volker Bouffier macht, will ich auch hinkriegen: den Paradigmenwechsel. Das Wort kommt von »paradeigma« (Vorbild), gilt laut Wikipedia als »radikale Änderung des Blickwinkels«, aber montagsthematisch ziehe ich die Definition des Philosophen Karl Popper vor, den (Paradigmen-)Wechsel von einer aktuellen Wahrscheinlichkeitsähnlichkeit zu einer anderen.
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Meine geänderte Wahrscheinlichkeitsähnlichkeit begann schon mit Mertesacker/Boateng. Sie sind kein Schleich & Schlamp-Duo, mit dem man keinen WM-Titel gewinnen kann. Auch Cristiano Ronaldo ist nicht mehr mein alberner Erpel mit dem gegelten Bürzel, sondern ein ganz Großer. Und nun Philipp Lahm: Mein kleiner Streber von der ersten Bank spielt permanent auf einem unglaublichen Niveau. Absolute Weltklasse. Das muss man einfach zugeben. Auch wenn die Zähne knirschen.
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Apropos Knirsch: Bouffiers Paradigmenwechsel heißt Tarek Al-Wazir. Anweisung von ganz oben? Nein. Seit Bouffier weiß, dass Al-Wazirs Mutter Gerhild Knirsch heißt, weiß er auch: Das kann kein ganz schlechter Deutscher sein.
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Sorry. Witze mit Namen sind ja tabu, vor allem, wenn sie  knirschen. Aber noch ein Wort knirschte bei uns, am Samstag in einem dpa-Artikel: »Schließling ging keines der letzten sechs Ligaspiele verloren«, war dort zu lesen. »Können Sie mir erklären, was ein Schließling ist?«, fragt daher Dr. Hans-Heinrich Kleinschmidt (Bad Nauheim). Schließling? Wer ist dieser unbekannte  Star? Oder ist »Schließling« ein neuer Ehrenname für Manuel Neuer, den Schließling des Tores? Oder war Schießling Kießling gemeint? Schließlich aber ist Schließling ausschließlich ein verschriebenes »schließlich«.
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Damit schließlich zum Spiel der Spiele. Das alte BVB-Leiden: Die Tore, die sie vorne vermasseln, masseln sie sich hinten rein. Punkt. Abschied vom Titelkampf? Ende des Duo-Solos? Abwarten. Die Lage ähnelt der in Spanien, wo Barcelona genauso deutlich vor Real führt und dazwischen ein dritter Klub steht. Ist dort alles entschieden? Würde niemand behaupten. Also. Viel wichtiger: der Dienstag. Neapel. Sieg oder Abschied.
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Die entscheidenden Tore kassierte der BVB in den letzten zehn Minuten. Eintracht-Manier. »Es liegt scheinbar ein Fluch auf uns«, jammert Seppl Rode nach dem 3:3 gegen Schalke. Na ja, so ungewöhnlich ist es nicht, dass die Tore am Schluss fallen. Wer schon einmal die Bundesliga-Konferenz gehört oder gesehen hat, weiß, dass erst am Schluss die »Tor in …!!!«-Schreie kommen. Nützlich wäre nur, wenn die Tore nicht nur in, sondern auch für Frankfurt fallen. Außerdem, lieber Herr Rode, haben Sie es ja selbst gesagt: Der Fluch ist anscheinend nur ein scheinbarer, also gar keiner.
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Übrigens habe ich eine Katze. Hier in der Nachbarschaft hat jeder eine. Ist ein Muss. Als unser alter Kater starb, füllte sich unser Keller mit Mausmigranten aus aller nahen Welt. Ihre einzige Zuflucht. Schon nach wenigen Tagen hatten wir Mäuse im Keller, im Haus, auf dem Dachboden. Ich habe nichts gegen die Maus an sich. Aber diese alles vollknittelnden Massen! Eklig. Als unsere neue Katze aus dem Tierheim kam, als Nachfolger des alten Katers, war der Spuk schnell vorbei. Nicht nur daher war es eine kleine Katastrophe, als die Kleine morgens auf einer Bank hinter dem Haus lag, der Kopf eine einzige blutige Masse. Ich wollte sie mir schnappen, schnell zum Tierarzt bringen, aber im Schock ließ sie sich nicht anfassen, humpelte davon. Weg war sie. Scheinbar für immer. Nach einer Woche hatten wir sie aufgegeben. Am Tag nach der Aufgabe lag sie in ihrem Körbchen. Immer noch fürchterlich zugerichtet. Zum Sterben nach Hause zurückgekehrt? Ab zum Tierarzt. Sie berappelt sich. Ist fast wieder die Alte. Nur etwas scheuer als früher, und beim Fressen gibt sie seltsam knirschende Töne von sich. Leider ist mir familiär verboten, ihr den neuen Kosenamen Gerhild Knirsch zu geben.
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Katzen haben offenbar wirklich sieben Leben. Unglaublich, dass sie wieder da ist.
Warum ich Sie mit dieser Familiengeschichte belästige? Ist nur scheinbar eine. Denn dies war eine Motivationsgeschichte, geschrieben für den BVB und für die Frankfurter Eintracht. Nehmt euch ein Beispiel. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle