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Ohne weitere Worte (vom 19. November)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

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»Mit einem Zwischenstand von 0:0 leben Italiener hervorragend, weil sie wissen: So lange wir nicht in Rückstand geraten, sind wir auf der Siegerstraße.« (Joachim Löw im Interview der Südd. Zeitung)

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»Manchmal macht er Sachen, auf die kannst du einfach nicht reagieren, weil kein Mensch damit rechnet. Er selber auch nicht.« – Wie sein berühmtes Fallrückziehertor gegen England, aus 30 Metern. – »Auf diese Idee kommt kein Mensch auf der Welt. Nur er.« (Schwedens Nationalspieler Per Nilsson vom 1. FC Nürnberg im SZ-Interview über Zlatan Ibrahimovic)

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1990 in Palermo als Sohn ghanaischer Immigranten geboren, verbrachte Balotelli wegen eines Darmproblems zwölf Monate im Krankenhaus – zu teuer für die Eltern (…), die ihren Sohn in Pflege gaben. (…) »In der Schule war er der einzige Farbige und machte sich zum Clown, um akzeptiert zu werden«, so Schwester Cristina. (…) Manchmal wusch er sich die Hände mit heißem Wasser, weil er glaubte, so würden sie weiß. (Kicker)

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Der Trottel, der sein Badezimmer abfackelte, weil er Feuerwerkskörper darin abbrannte. Der Kerl, den seine Mutter losschickt, um ein Bügeleisen zu kaufen, und der stattdessen mit zwei Vespas, einer Autorennbahn und einem riesigen Trampolin heimkommt. (…) Mourinho (…) sagte einmal, dass es Spieler gebe mit »Millionen« und Spieler mit »nur einer Gehirnzelle«. Es war klar, zu welcher Sorte er Balotelli zählte. (Spiegel)

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»Ich bin intelligenter, als viele denken. Doch es interessiert mich nicht, das zu beweisen.« (Mario Balotelli, zitiert im Kicker)

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Sie würden sich den Sprung in diesen Kreis der Vorauswahl (OWW-Anm.: zum Weltfußballer des Jahres) zutrauen? – »Ja, warum denn nicht? Die Leistung dazu habe ich gebracht.« (Toni Kroos im Interview der Frankfurter Allgemeinen)

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Nach seiner Ansprache (…) klatschten die versammelten Mitglieder so lange, wie es sonst nur die Delegierten der Partei der Arbeit in Korea nach einer Rede ihres Obersten Führers Kim Jong Un tun. (…) »Ich werde diesem Verein dienen, bis ich nicht mehr atmen kann«, sagt er ganz schurkenstaatsmännisch. (taz über Uli Hoeneß)

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Darf man auf Hoeneß mit dem Finger zeigen, wenn man sich von Gasprom finanzieren lässt? Darf man übers gefüllte Konto und die Abgehobenheit der Bayern schimpfen, wo doch kein Verein in der Bundesliga mehr Bodenhaftung hat? (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

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Es war eine folkloristisch anmutende Veranstaltung zum Fremdschämen: Ein angeklagter Steuersünder (Hoeneß) lässt sich von einem neuerdings vorbestraften Zollbetrüger (Karl-Heinz Rummenigge) und einer johlenden Volksmenge (Bayernfans) hochleben. (Frankfurter Rundschau)

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Wenn Thomas Müller sein eigenes Spiel kommentiert, geht einem das Herz auf, weil er nicht die üblichen Deppensätze sagt. Stimmt natürlich, Beckenbauer redet dauernd Mist, und Sammer, wenn er den Mund aufmacht, möchte man sofort eine Weißwurst hineinstecken, damit er schweigt. Aber selbst da, wo der FC Bayern widerlich ist, ist er das auf Welt-, wenn nicht auf Schwabinger Niveau. (FAS)

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»Ich bin doch nicht Boris Becker, was wollen diese Menschen nur von mir?« (Cornelius Gurlitt im Spiegel über das Medieninteresse an ihm)

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»Die große Koalition steht. Wir haben uns geeinigt auf einen Mindestlohn für die Auszähler von Volksabstimmungen, eine serienmäßige Mietpreisbremse für Leihwagen und eine Mautbefreiung für verheiratete Homosexuelle.« (Sprechblase in einem Cartoon mit Angela Merkel und Sigmar Gabriel in der FAS)  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle