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Dr. Hauke Fürstenwerth: Nachtrag zum Doping-Dialog

Eben bin ich auf einer für das Thema Doping eher unverdächtigen Fachzeitschrift auf zwei Artikel gestoßen, die wohl ungewollt einen in der Doping-Diskussion wenig vertieften Punkt berühren.

http://www.transkript.de/menschen/pro-kontra/soll-doping-im-leistungssport-zugelassen-werden.html

 Der pro-Doping Artikel erwähnt die "Unterhaltungsdienstleistung" von Veranstaltern und Sportverbänden. Der kontra-Doping Artikel verweist auf eine "menschenverachtende" "Zirkusveranstaltung". Damit gestehen beide indirekt ein, dass der Leistungsport heute nicht länger nur den Idealen Fairness und Ehrlichkeit sondern nahezu ausschließlich kommerziellen Zwängen unterworfen ist. Damit bekommt die von Dir verneinte Kosten-Nutzen Kalkulation ein besonderes Gewicht. In Profisportarten wie Fußball ist es heute die Regel, dass bereits 14-15 jährige eigene Berater haben und über diese hoch dotierte Verträge mit Vereinen aushandeln. Diesen Jugendlichen geht es nicht um das hehre Prinzip "teilnehmen ist wichtiger als siegen" sondern um materiellen Vorteil. Da kann es nicht überraschen, dass dabei moralische Skrupel - ebenso wie in vielen anderen Wirtschaftsbereichen - nur eine untergeordnete Rolle spielen und deshalb "Vitaminspritzen" (Franz Beckenbauer) nicht nur toleriert sondern auch gefordert werden. Aus Verantwortung für die Gesundheit gerader junger (Berufs)Sportler müssen hier Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Diese notwendige Regulierung muss wohl eher über Wettbewerbsrecht, Arzneimittelrecht und Arbeitssicherheitsverordnungen geschehen als über interne Regeln des Sports, welche sich an den Prinzipien Fairness und Ehrlichkeit orientieren. Diese Prinzipien verlieren (leider!) ihre Bedeutung, wenn es um wirtschaftlichen Vorteil geht.

Die Unterordnung des Sports unter externe Zwänge ist prinzipiell nicht neu. Du hast zu Recht wiederholt darauf hingewiesen, dass der Sport nicht nur von Ostblockstaaten zu Zeiten des kalten Krieges zu Propagandazwecken mißbraucht worden ist. Auch westliche Staaten haben, wie Du zutreffend beschrieben hast, ihre Sportler zu diesem Zweck massiv unter Druck gesetzt und sie zum Doping gezwungen. Hierbei sind Sportler mißbraucht worden. Bei jungen Berufssportlern gehe ich eher davon aus, dass sie sich (unwissend?) selbst mißbrauchen und mit Gesundheitsschäden einen hohen Preis bezahlen.

(Dr. Hauke Fürstenwerth/Leverkusen)

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