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Sonntag, 10. November, 6.20 Uhr

Das mit dem Sonntags später aufstehen muss ich noch üben. Dunkel ist’s, der Mond scheint helle … nee, scheint nur so. Ist nicht Vollmond? Nicht hier. Merkwürdig, was alles im Gehirn festgeklebt ist, was weg könnte, und was leider perdu ist (zum Beispiel fließend englisch, halb fließend französisch), obwohl man es gerne festgeklebt hätte. Festgeklebt bleiben alberne deutsche Schlagertexte und eben dies: Dunkel war’s, der Mond schien helle auf die grünbeschneite Flur, als ein Auto blitzesschnelle langsam um die Ecke fuhr. Drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft, als ein totgeschossner Hase auf dem Sandberg Schlittschuh lief und ein blondgelockter Jüngling mit kohlrabenschwarzem Haar auf ne grüne Bank sich setzte die rot angestrichen war. Ist das noch allgemeines Kinderwissen-Gut? Ich hab’s aus der Erinnerung spontan hingeschrieben, ohne Wikipedia. Ob man so was dort auch findet? Um nachzugucken, müsste ich aus dem Blog-Programm raus und wieder rein. Dauert eine Minute. Ich versuche es mal, kopiere den ersten Satz und googel damit …

… bin wieder da. 390 Treffer, ich guck mir nur den ersten an. Wickysource: Hier sind die Varianten eines Spottgedichts aufgeführt, dessen Autor unbekannt ist. Dieses Gedicht gibt es in vielen Varianten und es wird verschiedentlich Johann Wolfgang von Goethe, Lewis Carroll oder Christian Morgenstern zugeschrieben, dies aber ohne jeden Beleg. Wahrscheinlich entstammt es dem sächsischen Volksmund aus der Zeit um 1850. Das Spottgedicht ist ein Sprachspiel, das von Oxymora und Paradoxien bzw. offensichtlichen Widersprüchen lebt.

Wickysource zählt einige Varianten auf. Aus einer gefällt mir die Zeile: Als ein totgeschossner Hase schnell an ihn’n vorüber lief. Erinnert stilistisch an “Es gibt nur ein’n Rudi Völler”. Noch ne Variante: Aus: Volksthümliches aus dem Königreich Sachsen, auf der Thomasschule gesammelt von Oskar Dähnhardt. Erstes Heft. Teubner, Leipzig 1898 (als Nr. 271 mit der Herkunftsangabe „Hordorff IV.“), Quelle: Google-USA* (Commons) Finster war’s, der Mond schien helle Schnee lag auf der grünen Flur, Als ein Wagen blitzesschnelle Langsam um die Ecke fuhr. Drinnen saß ein blonder Knabe Mit kohlrabenschwarzem Haar, Aß vergnügt ’ne Butterbemme, Die mit Fett beschmieret war, Nê’m Jung’ saß ’ne âle Tante, Die erst siebzehn Jahre war.

Jetzt aber Schluss. Der Wickysource-Text wurde zuletzt am 26. September 2011 um 4 Uhr 12 aktualisiert. Da litt wohl einer an besonders blitzesschneller seniler Bettflucht. Zu den Meldungen der Nacht: Neben dem Taifun-Drama (aus den ersten Wochenend-Meldungen von drei Toten sind über 1000 geworden, Zahl nach oben offen) gibt es das Ende einer Männerfreundschaft (Bodyguard Eddi Kante und Udo Lindenberg, weil Kante eine Autobiographie und darin Sachen geschrieben hat, die Udo nicht gefallen), das übliche Nachgeblubber um die Wetten-dass-Sendung vom Samstag (nie mehr gesehen seit Gottschalks Agonie, also auch die letzten Sendungen mit dem Ex-Tele-Genie nicht), mögliche Abba-Reunion, ins Gespräch gebracht von Agnetha (ist das die blonde Elfe oder die schwarze Hexe? Auch solche Vorurteile bleiben in den Hirnwindungen hängen; war tief im letzten Jahrtausend fast tägliches Telefon-Gesprächsthema mit Freund Ralf, neben Spekulationen, wie alt Rex Gildo wirklich – Ich: über 80! Er: wiehert - und wie groß der kleinste Mensch der Welt ist; ich: 19 Zentimeter! Er: wiehert. - Themen, die ständiger , fast täglicher Quell reinster Freude und Lachtränen waren).

Mhmm. Gerade mal den Text überflogen. Warmschreiben für die “Montagsthemen” schön und gut, aber solch ein Quatsch? Na ja, ist ja nur Blog. Für die Kolumne käme in Frage und steht schon auf dem Zettel: BVB, latente, unterdrückte, unbewusste Überheblichkeit wird bestraft; Indizien: Watzke-Interview, Klopps heavy metal usw. / Klitschkos möglicher nächster und schwerster Gegner im Koma; nun muss er gar nicht mehr boxen, um sie auszuschalten / Harting, die neue Lotterie, Glücksspiel, Poker, der Trend und die Sportler, die vom Sport noch abhängiger gemacht werden sollen, auch die 95 Prozent, die es nicht an die Spitze schaffen; was wird dann aus denen? / Braunschweig-Anhänger werfen mit abgetrennten Schweineköpfen. Sauerei / Basketball, vertraute Namen in der Pro A wie BG Göttingen und USC Heidelberg (auch Leverkusen, Gießen) / Schiri Gagelmann soll Augsburger geringschätzig abfertigen (“verpiss dich!”) und mit Münchnern vertraut-freundschaftlich umgehen; sagen Augsburger; wenn’s stimmt, passt’s in die Vermutungen der Kleinen; andererseits: BVB hätte zwei Elfmeter kriegen können/müssen, wurde auch sonst ab und zu benachteiligt, passt also nicht in die Verschwörungstheorien; oder passt es doch? Sie spielten ja gegen VW Wolfsburg, und den Großen-Bonus greift der FCB halt ganz alleine ab / Wie schnell lief Pamela Anderson den New-York-Marathon? Habe es irgendwo gelesen, war beeindruckend; muss nachschauen / Auch Koeffizientenregel Champions League nachschauen ; könnte spannend werden; Neapel, Arsenal und BVB punktgleich; aber dazu müsste Dortmund beide Spiele gewinnen, davon gehen alle aus, die jetzt schon von Koeffizienten reden; ebenfalls latente Überheblichkeit? / Vielleicht auf die Samstags-Kolumne zurückkommen, für die es Lob von meiner höchsten Stelle gab (bald kommt der Kaffee mit dem Knicks); Erwähnen, dass Beckenbauer drin vorkommen sollte, aber von mir rausgekürzt wurde, weil der Text eh schon zu lang war. Beckenbauer, der wieder einmal offenbarte, wes Geistes Kind er ist. “Wes Geistes?”, wollte ich anhängen, wegen seiner schlichten Aussagen zu Hoeneß (zusammengefasst Beckenbauers Meinung: “Jo mei”), doch jetzt erfahre ich vom WM-Werbe-Video, in dem Beckenbauer auf Englisch über die Bedrohung durch Außerirdische berichtet, die die Weltherrschaft anstreben, was nur durch den Sieg in einem finalen Fußballspiel gegen die Aliens verhindert werden kann. Unser Trainer: natürlich Kaiser Franz. Dafür kriegt er wieder einen Sympathiebonus. Wes Geistes Kind? Vor allem Kind. / Und was davon kommt in die Kolumne? Vielleicht nix. Schaun mer mal. Bis dann.

Baumhausbeichte - Novelle