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Montagsthemen (vom 11. November)

Unser Klassiker heißt neudeutsch »El Clasico«, doch am Samstag wurde ihm der lockendste Stachel gezogen: Egal, wie’s ausgeht, Bayern bleibt vorn. Schwer zu ertragen für die Borussen, die zuvor unter heimlich anschwellender Überheblichkeit … nein, nicht litten, sie labten sich daran. Bis der November begann.
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Die Hybris schlich zwischen manche Interview-Zeilen von BVB-Boss Watzke und Heavy-metal-Klopp, die Katharsis folgt, mit offenem Ende. Wer den BVB in sein Fußballherz geschlossen hat, also eine Große-Koalitions-Mehrheit, hofft auf ein Happy-End im Sinne des armen Subotic: Stärker zurückzukommen als zuvor.
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Zum Unterschied FCB/BVB gehört auch, dass Dortmund nach Subotic’ Kreuzbandriss nur noch zwei Innenverteidiger hat, Bayern nach Schweinsteigers OP aber nur die etwas kleinere Mittelfeld-Qual der Wahl. Und einen Dritten gibt es beim BVB nicht. Es sei denn, Allzweck-Großkreuz übernimmt auch diese Rolle. Der Junge hat noch einmal einen großen Sprung nach vorne gemacht, spielt als einziger Dortmunder durchweg auf Spitzenniveau und hätte die Nominierung mindestens so verdient wie Weidenfeller.
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Wer gerne Verschwörungstheorien bastelt, könnte auf die Idee kommen, Löws BVB-Aversion bestehe tatsächlich, Weidenfellers Nominierung sei nur ein Ablenkungsmanöver, denn hinter Neuer habe er eh keine WM-Chance. Wenn der Bundestrainer aber Großkreuz beruft, der nicht in sein Brave-Jungs-Konzept passt, müsste er ihn in Brasilien vielleicht sogar einsetzen – falls Lahm seine neue Rolle auch in der Nationalelf übernimmt.
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Zum Beispiel, wenn Schweinsteiger nicht mehr auf die Beine kommt. Wofür einige Anzeichen sprechen. Was sehr, sehr schade wäre. Auf diesen Weltklassespieler trifft das zu, was Boris Becker von sich behauptet: im Ausland anerkannter zu sein als in der Heimat. Bastian Schweinsteiger ist der verkannteste Nationalspieler des letzten Jahrzehnts, außerdem unter den Löw-Bravis vom »Schweini«-Lausbub zum kantigen Typen gereift.
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Hübsche Anekdote: Er müsse leider schon gehen, sagte er gleich nach dem Dessert der Kanzlerin, als sie die Nationalelf zum Essen eingeladen hatte. Warum?, fragte Angela Merkel. Weil er jetzt Basketball gucken müsse. Peinlich? Nein, im Gegenteil, die Kanzlerin fand es sogar gut. Ich auch.
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Basketball. Der Blick auf die Tabelle weckt Nostalgie: Göttingen, Gießen, Leverkusen, Heidelberg, zum Teil sogar mit Traditionsnamen wie »BG« oder »USC« statt eines Yankee-Kauderwelschs. Leider ist es nicht die Erstliga-Tabelle, sondern die mit dem etwas euphemistischen Titel »Pro A«.
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Und sonst? Magomed Abdusalamow gilt als kommender Klitschko-Gefährder, er boxt so, wie Boxfans Klitschko gerne boxen sehen würden: mit Herz, ohne Hirn, ein Haudrauf, wie ihn die Massen lieben. Nun sah Wladimir Klitschko sich diesen kommenden Gegner an, im Kampf gegen den Kubaner Mike Perez. Nach 18 Erstrunden-Knockouts in 18 Kämpfen musste Abdusalamow erstmals über die Runden kommen, er verlor nach einer das Publikum begeisternden Prügelei, brach sich einige Knochen … und nach dem Kampf mit einer Hirnblutung zusammen. Er liegt im Koma. Klitschko muss seine Gegner nicht mehr im Ring ausschalten, das tun sie schon selbst.
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Netteres Thema: Marathon. Anerkennende Schlagzeilen für Pamela Anderson, die den New-York-Marathon in 5:41 Stunden lief. Über die Zeit könnte man spotten. Ich nicht. Schneller wäre ich nur in einem Triathlon-Marathon meines Geschmacks: Plantschen (50 m), Trotten (maximal zwei km), Radeln (40 Kilometer). Bemerkenswertere Zeiten als die Ex-Baywatch-Ikone liefen andere Models, die medial nicht die verdiente Aufmerksamkeit erhielten: Christy Turlington kam auf respektable 4:20 Stunden, Barbara Meier, eine Deutsche, sogar auf famose 3:59:37. Aller Ehren wert!
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Keiner Ehren wert, sogar unter aller Sau, was Braunschweiger Hohl-Hools taten: Sie warfen nach dem Derby in Hannover mit Schweineköpfen um sich. Sie fanden es wahrscheinlich sogar witzig. Mich widert diese stumpfe Rohheit an. Aber statt die »Montagsthemen« in ungewohntem Ernst zu beenden, schließe ich mit einem Witz, allerdings zum Totlachen traurig: Zwei Ferkelchen, dicht aneinandergedrängt, sich umarmend, stehen vor ihrem Schlachter und bitten ihn: »Wir möchten gerne zusammen in eine Wurst.« (gw)

Baumhausbeichte - Novelle