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Wer bin ich? (Oktober-Runde)

In meinem ersten Sportlerleben lief ich, im zweiten fahre ich Rad. Auch auf einem anderen Gebiet habe ich eine Metamorphose durchgemacht: vom E-Geheimtipp zum U-Durchstarter. Wie bei manch einem brasilianischen Fußballer ging das mit einer Namensänderung einher, vom Geburtsnamen hin zur Hommage an Idole. Mit diesen ist es allerdings manchmal ein Kreuz …
Wie meistens, wenn jemand von E zu U wechselt, ging das auch an mir nicht unbeschadet vorüber. Eigentlich müssten Kritiker erkennen, dass ich einiges meiner E-Ambitionen ins neue U-Metier eingeschmuggelt habe. Aber wer in seinem Elfenbeinturm sitzen bleibt und alles andere dort draußen verachtet, bleibt in seinen Vorurteilen stecken. Und das genießt er auch noch, aber das ist ein anderes Thema.
Obwohl ich einige Jahre lang wahrscheinlich härter trainiert habe als mancher Fußball-Profi, verstehe ich ja gar nichts vom Sport. Ich schaue mir das an wie ein Eskimo, der durch einen botanischen Garten läuft und sich dauernd wundert.
Ein Sportjournalist fragte mich einmal:Lesen Sie in der Zeitung zuerst den Sportteil? Ich antwortete: Sportteil? Welcher Sportteil?, und setzte noch einen drauf: Ich wusste gar nicht, dass meine Zeitung so etwas hat.
Aber natürlich lese ich auch den Sportteil. Manchmal. Selten. Gerade jetzt erst habe ich in einer Sportkolumne Kritisches zum Torjubel der Fußballer gelesen. Lieber Herr »gw«, Ihre Gedanken sind ein alter Hut. Mein alter Hut, denn ich habe schon vor Jahren in einem Interview gesagt, dass im Gesicht des Torschützen dessen angebliche Freude dem Hass zum Verwechseln ähnlich sieht. Triumph, nicht Freude. Das ist ein Unterschied. Auch wenn wir uns angewöhnt haben, das eine mit dem anderen zu verwechseln.
Ihnen allen gönne ich nun die Freude zu wissen: Wer bin ich? (Einsendeschluss: Montag, 28. Oktober) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle