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Dr. Sylvia Börgens: Das Dunkel

Als Ex-Germanistikstudentin und Sprachfexin (ob dieses Wort existiert, weiß ich nicht, aber siehe http://blogs.taz.de/wortistik/2006/07/28/fex/) will ich noch etwas zum Dunkel und zum Dunkeln (nicht Dunklen) beisteuern.

Die Ausführungen der Quelle, die Sie zitieren, führen meiner Meinung nach am Wesentlichen vorbei. Nicht das Unflektierte ist das Spezielle (Licht ins Dunkel bringen), sondern diese Farbbezeichnungen können als Absolutbegriff = substantivisch und entsprechend dekliniert  oder als Attribut = adjektivisch und entsprechend dekliniert auftreten.

Beispiele:

„… keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt“  versus „das Dunkle in der menschlichen Seele“ oder auch „Bringen Sie mir noch ein Dunkles“ (z.B. in der Gaststätte „Die Dunkel“ in Friedberg!)

„… das feuchtverklärte Blau“ versus „wir machen eine Fahrt ins Blaue“

„das strahlendste Weiß meines Lebens“  versus „das Weiße im Auge meines Gegenübers“

„wir strichen die Wände in einem mediterranen Gelb“ versus „das ist nicht das Gelbe vom Ei“

usw.

Ich glaube aber, dass unsere Muttersprache Deutsch (also auch eine niedergermanische Form, Luther schrieb noch „Teutsch“!) nicht so ganz konsequent ist: Das „Hell“ als Absolutes gibt es nicht, sondern wir gehen immer „ins Helle“.

Falls Sie Ihrem Biorhythmus folgen, säßen Sie am kommenden Sonntag bereits um zehn vor fünf vor dem Computer, da dann unsere Uhren von der Kiewer Zeit auf die Görlitzer Zeit zurückgestellt werden. Überlegen Sie sich’s …

(Dr. Sylvia Börgens/Wölfersheim)

Baumhausbeichte - Novelle