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Ohne weitere Worte (vom 15. Oktober)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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»Mesut Özil assisted the nurses during his delivery.« Özil half den Krankenschwestern bei seiner Geburt. Der Witz geht aber tiefer, denn der assist ist die Torvorlage, und delivery bedeutet im Fußballenglisch den erfolgreichen Torschuss. Der Witz vom kleinen Özil, der sogar die eigene Geburt vorbereitet, verrät eine Ehrfurcht, wie sie Zauberern zukommt. (Zeit zur Özil-Begeisterung in England)
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Alles ist groß an ihm: Klasse und Klappe. (…) Oft weist er seine Mitspieler zurecht, als wären sie dumme Schulbuben. (…) Am meisten ärgert ihn, wenn man ihm den Ball nicht sofort abspielt. Immer. Ihm, Zlatan. (Süddeutsche Zeitung über Zlatan Ibrahimovic)
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Es war immer klar: Wenn einer auf das Leben danach bestens vorbereitet ist, dann natürlich Christoph Metzelder, der ehemalige Klassensprecher der deutschen Nationalmannschaft. (…) Metzelder hat gerade einen erfolgreichen Wahlkampf für Angela Merkel hinter sich, und so ganz nebenbei ist er auch noch in die Chefetage der renommierten Werbeagentur Jung von Matt (JvM) aufgerückt – als Geschäftsführer für Sportmarketing. (SZ)
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Als in Moskau beim Start des Fackellaufs vor den Olympischen Winterspielen von Sotschi das Feuer erlosch, zündete es ein Sicherheitsbeamter wieder an. Der Schnappschuss ging um die Welt, und der Feuerzeughersteller prahlte via Facebook und Twitter: »Zippo rettet Olympia.« Das Organisationskomitee (…) forderte (…) den sofortigen Stopp der Kampagne. (…) Zippo gab klein bei, zeigte im Internet aber ein Produkt des Hauses in nassem Schnee, darunter die Zeile: »Perfekt für alle Winterspiele.« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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»Ich sag’ meinen Kindern oft: Der Papa (…) hat im Tennissport Dinge gemacht, die noch kein Mensch vor ihm gemacht hat. Da bekomme ich Wertschätzung zurück.« (Boris Becker im Welt-Interview)
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»Dieses Buch ist deshalb nur für den deutschsprachigen Raum bestimmt, weil ich das Gefühl habe, hier etwas Aufklärungsarbeit in Bezug auf meine Person leisten zu müssen. Glauben Sie mir, im Ausland genieße ich eine andere Wertschätzung.« (Becker/Welt)
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Welche Frage würden Sie mal gern gestellt bekommen? – »Warum wir heute keine richtigen Weltstars mehr aus Deutschland haben. Die meisten bleiben zu sehr auf ihrem Gebiet. Sie ragen nicht heraus, sie trauen sich nichts.« (Becker/Stern)
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Becker hat das Rampenlicht nie gescheut und sich noch nie geniert, Dinge auszubreiten, die gar nicht so wenigen Menschen schon beim Zuhören peinlich sind. (SZ)
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Andi, der Schlagzeuger einer Nazipunkband, die Hymnen auf den NSU singt, dabei aber aussieht, als wollte sie den Schülerrockwettbewerb des Mörike-Gymnasiums von Schweinfurt gewinnen. (FAS zum neuen Madeburger »Polizeiruf«)
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Viele Probleme in Deutschland lassen sich durch die neue Pisa-Studie erklären. (…) Nur noch jeder Zehnte kann Zeitung lesen. (…) Bei den Zeitungsmitarbeitern sieht es aber kaum besser aus. In den meisten Redaktionen arbeiten schon zwei Redakteure zusammen, einer kann lesen, und der andere kann schreiben, das ergänzt sich gut. Nur 20 Prozent aller Redakteure verstehen aber auch, was sie geschrieben haben. (»Zippert zappt« in der Welt)
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»Wir gehen doch alle durch Scheiße in unserem Leben. (…) Die Frage ist doch, was man aus der Scheiße macht. Manche schmieren sie sich ihr ganzes Leben um die Ohren. Andere nehmen sie und pflanzen einen Garten damit.« (Sara Blakely, durch Spanx-Stützunterhosen Milliardärin geworden, im Stern-Interview) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle