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Sonntag, 13. Oktober, 6.30 Uhr

Als ich erstmals ein Foto des Mannes sah, lange, bevor er öffentlich verhaltensauffällig wurde, dachte ich: Wie isses bloß möglich…? Jetzt aber ist der “Protz-Bischof” (Bild) kein Thema mehr für mich, der Schluss-Satz der Samstags-Kolumne soll genügen. Weil: Ich halte mich an den Kollegen des Limburgers vom anderen christlichen Ufer: »Kein Pferd würde auf den Körper eines Menschen treten, der am Boden liegt – kroatische Spieler schon« (Eugen Drewermann bei der EM 1996).

“Neues Flüchtlingsdrama im Mittelmeer” – Ratlosigkeit. Völkerwanderung. Gestern in einem alten Buch geblättert, von einem deutschen Philosophen, dessen Namen ich nicht kannte (und der auch weithin unbekannt ist, vielleicht zu Recht, habe zu wenig gelesen, um mir ein Urteil bilden zu können: Konrad Losch). An einem Kapitel über Menschheitsentwicklung und Darwinismus hängen geblieben. Liest sich wie ein Kommentar zu Lampedusa. Allerdings wie der Kommentar eines Insektenforschers.

“Gepanzerte Autos der neue Trend in Hollywood.” Mehr geben die Meldungen der Nacht heute früh nicht her. Zum Glück war das Auto nicht gepanzert, auf das ich einmal stürzte, als ich bei Glatteis von meiner Vespa fiel, voll auf den Kotflügel. Das ist so lange her, dass das Auto ein VW-Käfer war und noch ein pappedeckelartiges Chassis (heißt das so?) und ich einen Körper hatte, der unversehrt blieb, im Gegensatz zum Auto.

Auch im Rentenalter kann man Premieren erleben. Ich gestern. So “schick” essen war ich noch nie. Leider wirft, wer mit mir schick essen geht, Perlen vor die Säue. Ich bin eher mit Lokalitäten vertraut, die reichhaltigere Speisekarten haben als das angesagte Lokal gestern, so mit Schnitzel, Wiener Schnitzel, Jägerschnitzel, Zigeunerschnitzel (ja, die gibt’s dort noch), wahlweise mit Pommes oder Bratkartoffeln. Gestern aber, für Gourmets: ein Menü links auf der Karte, rechts ein paar sehr wenige Gerichte, und ich hatte die peinsame Qual der Wahl, weil ich so gut wie nichts identifizieren konnte und das, was ich erkannte und unfallfrei lesen konnte, für mich nach Ernährungsfolter klang. Der Gutschein, den die Liebste mit mir verspachteln wollte, reichte nur für die Vorspeise. Für die Endrechnung könnte ich zehn Mal bei meinem Griechen schön unschick essen gehen, Auftakt-Kristall, Retsina und Ouzo inklusive.

Bin ich wirklich so ein primitiver Banause? Verrat’ ich nicht. Etwas aber stimmt: die Griechen-Rechnung. So viel Mathe beherrsche ich noch. Dass eine andere, etwas komplexere Rechnung stimmt, bezweifelte ich als Laie schon immer. Mein Mantra: Wer an den Urknall glaubt, hat selbst einen Knall. Nun lese ich in der “Zeit” von der “Expedition zum Urknall”: “Es ist gar nicht mehr so klar, ob das ganze Unternehmen zum Ziel führen kann.” Noch ein paar Zitate, die mir gut gefallen: “Existiert das Ziel, von dem wir träumen, vielleicht überhaupt nicht?” – “Jedenfalls seien mehr als 95 Prozent des Universums unverstanden.” – Und dann die String-Theorie, mit der sich manche den Urknall zurechterklären: “Die mathematischen Gleichungen dafür sind hochelegant. Allerdings erlauben sie eine schier unendliche Vielzahl von Lösungen, genauer: 10 hoch 500 ‘kosmische Landschaften’. Welche davon ist die, in der wir leben? Bisher wissen die String-Theoretiker noch nicht einmal, ob eine der Lösungen überhaupt unser Universum korrekt beschreibt. Einige haben sich daher zu einer optimistischen Interpretation durchgerungen – für sie entspricht jede Lösung einem Universum mit jeweils eigenen Naturgesetzen.”

Alles nur Malen nach Zahlen. Noch’n Mantra von mir: Die einen glauben, dass sie wissen, die anderen wissen, dass sie glauben. Und ich? Muss “Montagsthemen” schreiben und habe noch kein Fitzelchen Stoff auf meinem Themenzettel.

Baumhausbeichte - Novelle