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Walther Roeber: Eine Antwort

Zunächst wieder mal einen Glückwunsch zu OWW. Ich beneide Sie um
die Gabe, so viel zu lesen und dabei solche Stückchen aufzupicken,
die sicher nicht nur mich jede Woche aufs neue erfreuen.

Bitte weiter so, mir würde wirklich etwas fehlen, wenn….

… und das ist eine “ungelungene” Überleitung zu der mail von Herrn
Dr. Hauschild, der ja heftig auf Sie drauf”haut”.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt ganz fürchterlich anecke,
politisch mit Sicherheit unkorrekt bin und vielleicht auch dem Herrn
Dr. Unrecht tun sollte, so ganz unkommentiert kann ich das nicht
stehen lassen.

Vielleicht hat Herr Dr. Hauschild immer noch nicht so ganz
mitbekommen, dass Sie kein festangestellter Mitarbeiter der Zeitung
mehr sind, sondern als sozusagen Freischaffender Kolumnen schreiben
und aus dem Ruhestand diesen Blog betreiben, der sicherlich manchen
Lesern fast wichtiger ist als manche anderen Teile der Zeitung.
Dieser Blog ist also damit IHR Blog, und da sollten Sie sich nicht
hineinreden lassen. Nicht ohne Grund heißt er “Sport, Gott und die
Welt” und nicht “Philosophie, Gott, die Welt und ein wenig Sport”.

Ich mache jetzt keine Hervorhebungen, aber für mich liegt die
Betonung immer noch auf Sport. Dass
der Sport allein die Welt nicht unbedingt besser macht, ist wohl
unbestritten und er steht auch nicht völlig losgelöst von der Welt
irgendwo im luftleeren Raum. Aber ich wage irgendwie zu bezweifeln,
dass Sie, lieber gw, den Anspruch haben, über philosophische
Ansätze, gar Gott und die ‘Welt’ durch Sport zu verbessern.

Ich finde, jeder hat unterschiedlich gute Phasen durchzumachen, mal
mehr, mal weniger kreative. Und wenn einem mal nichts “Gescheites”
einfällt, dann ist es gerade in einem Blog erlaubt, auch mal zu
pausieren. Lassen Sie sich da nicht hineinreden oder unter Druck
setzen! Für mich (und einige andere Leute, die Sie aus Ihrer
sportlichen Vergangenheit kennen – Zitat “Er war ungeheuer stark,
konnte aber keine Klimmzüge” -) gibt es keine Gründe, an der
Qualität grundsätzlich zu zweifeln, wie es bei Herrn Dr. Hauschild
herüberkommt.

Ich halte mich aus den Ethik-Theorien heraus, weil ich mich zu sehr
als Pragmatiker sehe. Kants kategorischer Imperativ ist für mich so
etwas Ähnliches wie der Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung.

Wenn ich mich nicht daran halte, dann bleiben – falls ich weiter am
Straßenverkehr teilnehmen will – mindestens 2 Möglichkeiten: ich
werde geschnappt und verknackt, oder ich gerate in “höchst
unerfreuliche Situationen”, weil ich mich nicht an Regeln halte, die
eine gewisse Gesellschaftsordnung für “richtig” hält. Ob diese
Regeln für andere Ordnungen richtig sind, das müssen diese -auch und
trotz Globalisierung – überwiegend mit sich selbst ausmachen.

Ich weiß nicht, ob Sie zufällig am Montag, 7.10.2013, “hart aber
fair” gesehen haben, dort saßen mal wieder ein paar “Gutmenschen”
herum und taten so, als könnte Deutschland oder Europa(?) die Welt
retten. Der Einzige, der sich traute, gegen den Strom zu schwimmen,
war der Schweizer Chefredakteur der “Weltwoche” Roger Köppel, auf
den die anderen Teilnehmer dann einprügelten, aber er als Schweizer
darf offenbar auch mal “Unkorrektes” vertreten. Ich stelle nur ein
paar Fragen und Thesen auf, ob das dann noch etwas mit Ethik nach
irgendeiner Definition zu tun hat, lasse ich völlig außen vor. Diese
Gedanken sind auch nicht unbedingt schön geordnet, weil ich einfach
zu wütend darüber bin, dass sich da ein paar Leute anmaßen über
“Maßnahmen” zu diskutieren, ohne wirklich an die Wurzeln zu gehen.

- Über die “boat-people” in Vietnam hat sich damals kaum einer
aufgeregt, war ja auch weit weg…

Heute verunglimpft man Rösler als “Chinesen”.

- Die Flüchtlinge aus dem Osten haben unmenschliches durchgemacht,
wehe, wenn das heute noch angesprochen wird.

- Die Griechen haben eine Mauer mit viel Stacheldraht an der
türkischen Grenze aufgebaut, die Flüchtlingszahlen sind dort
erheblich zurückgegangen.

- Was würde passieren, wenn Lampedusa und die anderen Inselchen mit
einem dichten Kordon von Seeminen umgeben werden?

- Woher haben eigentlich diese Leute die 2500 (?) Euro für die
Schleuser? Oder werden die dann in hiesigen Bordellen oder anderen
Betrieben “abgearbeitet”?

- Warum lässt “der Staat” (vertreten durch wen auch immer)
eigentlich nicht zu, dass Asylsuchende viel schneller zu einer
geregelten Arbeit zugelassen werden? Das können die genauso gut wie
manche Hartz-IV-Empfänger oder 1-Euro-Jobber. Und die
Wirtschaftsflüchtlinge würden sich vielleicht überlegen, ob sie zum
Arbeiten(?) fliehen wollen.

- Sind viele dieser Flüchtlinge überhaupt bereit (oder in der Lage)
sich in eine christlich(?) geprägte Gesellschaftsordnung zu
integrieren, und sei es auch nur auf Zeit? Wobei ich selten den
Eindruck habe, dass auf Zeit gedacht wird.

- Wäre es nicht viel angebrachter, die “Revolutionen” vor Ort zu
unterstützen? Sei es z.B. indem die gehorteten Millionen
irgendwelcher Diktatoren oder Gotteskrieger oder sonstiger
Weltbeglücker auf den Cayman-Inseln, in Europa (!), zumindest
eingefroren oder Aufbauzwecken in diesen Ländern zugeführt würden.
Dazu sind aber offenbar die Politiker nicht bereit. Wenn ich da
schon einen Martin Schulz höre…

- Die Revolution(?) der Wiedervereinigung wurde zwar in gewisser
Weise von außen unterstützt, getragen hat sie aber “das Volk”, das
sich friedlich erhoben hat. Dazu scheinen -aus welchen Gründen auch
immer- diese diversen Gruppen, Ethnien, religiöse Strömungen
andernorts gar nicht willens zu sein.

- Demokratie im “westlichen Sinn” scheint für Plätze wie
Afghanistan, Somalia, arabische Regionen und viele Länder in Afrika
noch sehr weit weg zu sein. Demokratie von außen überstülpen zu
wollen, das kann nicht funktionieren.

- Mögen doch Herr Dr. Hauschild und andere, die es offenbar so genau
wissen, mal für eine längere Weile diese Flüchtlinge in ihren
Wohnungen aufnehmen oder sie in einem Container in ihrem Garten
unterbringen. Ich möchte das nicht! Genauso wenig halte ich es für
eine Lösung, irgendeine Form von Ghetto aufzubauen…

Und – um zum Schluß zu kommen – ich halte es für eine verfehlte
Zielsetzung, wenn ein kleiner Blog, der mit einem Augenzwinkern und
durchaus ernsthaft manche Probleme aufgreift und auch mal
“thematisiert”, von einem Mitleser zum Heilsbringer hochstilisiert
werden soll.

Ohne ihm zu nahe treten zu wollen, für einen Dr. Hauschild ist wohl
WBI auch unter seiner Würde…

Bleiben Sie, lieber gw, sich und Ihrer Linie treu und lassen Sie
sich nicht verbiegen!

(Walther Roeber/Bad Nauheim)

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