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Beste Reste (Anstoß vom 4. Oktober)

Beim Zusammenstellen der dienstäglichen »Ohne weitere Worte«-Kolumne bleibt aus Platzgründen einiges von dem gesammelten Material unberücksichtigt. Dabei gehen einige Perlen verloren, was schade ist. Bevor der große Stapel entsorgt wird, präsentieren wir heute das Beste vom Rest der vergangenen Monate.

Gregg Popovic (OWW-Anmerkung: Basketball-Coach der San Antonio Spurs) ist Mitbesitzer eines Weingutes in Oregon, verfügt über einen Weinkeller mit 3000 Flaschen und über einen Humor, der trockener ist als ein guter Sauvignon Blanc. »Mein Ziel ist es, so viel wie möglich davon zu trinken, ehe ich sterbe«, sagte er. Denn er möchte nicht, dass seine »Kinder anschließend mit Limonade kommen und Sangria aus dem Wein machen«. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

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»Auffällig war, dass wir am Anfang zu wenige Sprints hatten. In den ersten vier Spielen hatten wir einen Schnitt von 150. In Gladbach haben wir plötzlich einen Wert von 229 Sprints rausgehauen. Ich habe deshalb meinen Jungs gesagt: Wäre der Ball nicht dabei gewesen, wären wir an diesem Tag überragend gewesen.« (Eintracht Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht im SZ-Interview)

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»Im Ruhrgebiet gibt es so viele Bolzplätze wie nirgendwo in Deutschland. Es war ein Glück, dass ich dort aufgewachsen bin. Wenn ich in Freiburg aufgewachsen wäre, wäre ich vielleicht Winzer geworden.  Oder wenn du auf dem Dorf groß wirst mit nur zehn Kindern, davon sind drei etwas dicker und trauen sich nicht, zwei haben keine Lust auf Sport, zwei andere haben zwei linke Füße für den Fußball und nur einer will mit dir kicken – das war’s dann. So ein Weg wie meiner ist auch Glückssache.« (Manuel Neuer im FAS-Interview)

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»Wir bekamen dann ein Westpaket.« – Was war da drin? – »Bifis, Scheibletten-Käse, Ohrwärmer. Wir wussten alle nicht, was das ist. Die verpackten Bifis hielt ich für Schlagstöcke. Mit den Scheibletten konnten wir gar nichts anfangen, wir wussten nicht einmal, dass das Nahrung ist, bis ein entfernter Onkel kam und an der roten Lasche an der Packung zog. Wir wollten ihn davon abhalten, weil wir wahnsinnig Angst hatten, was in der Packung steckt. Aber es war bloß Käse. Da ging ein Jubel durch die Kommunalwohnung.« (Palina Rojinski, aus Leningrad stammende Schauspielerin, Moderatorin und Ex-Gymnastin, im SZ-Interview)

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»Als Teenager war ich schwermütig und sexuell extrem frustriert. Mit 19 habe ich über Selbstmord nachgedacht.« (…) – Was würde der 17-jährige Robert Crumb über den heutigen denken? – »Sein Herz würde ihm bis in den Hals springen vor ungläubiger Begeisterung. Vor allem bei der Vorstellung, mit so vielen Frauen Sex zu haben! Ich habe alles erreicht, was ich mir erträumt habe.« (Comic-Zeichner Robert Crumb, 69, in der KulturSpiegel-Interviewserie »Mit 17 hat man noch Träume«)

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»Im Liebesleben (hat) die reine klinische Schönheit nichts besonders Anziehendes, zumindest nicht für mich. Ich bin auch sicher, dass sich die beste Erotik nicht bei den Schiffers und Klums dieser Welt abspielt. Stattdessen registriere ich  eine enorm vitale Sinnlichkeit im verschlampten Bereich: Wenn zum Beispiel im Supermarkt eine verschwitzte, leicht angejährte Jugoslawin im billigen, verschmierten Schurz das Regal einräumt, kann das eine umwerfende animalische Qualität haben.« (Ex-Oberarzt Georg Ringsgwandl, Kabarettist und Musiker, im FAZ-Interview)

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Ihnen wird viel Humor nachgesagt. Kennen Sie einen guten SPD-Witz? – »Ja, Gerhard Schröder, der Papst und ein Hippie sind in einem Flugzeug. Plötzlich kommt der Pilot aus dem Cockpit, schreit, sie würden abstürzen, hätten aber nur drei Fallschirme dabei. ›Ich habe Frau und Kinder, ihr müsst das verstehen‹, sagt der Pilot, nimmt einen Fallschirm und springt. Schröder nimmt auch einen und sagt: ›Ich bin der klügste Mann der Welt, ich werde gebraucht.‹ Dann springt auch er ab, Der Papst sieht den Hippie an: ›Junger Mann, nimm du den letzten Fallschirm. Du hast dein Leben noch vor dir.‹ Der Hippie antwortet: ›Heiliger Vater, es sind noch zwei Fallschirme da. Der klügste Mann der Welt hat meinen Rucksack genommen.‹ – Den Witz habe ich von Schröder selbst. Den gibt es aber auch mit Helmut Kohl.« (Sigmar Gabriel im Welt-am-Sonntag-Interview) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle