Archiv für Oktober 2013

Sonntag, 27. Oktober, 8.05 Uhr

Schon wieder da. Weil: Montagsthemen wehren sich zäh.Typisch, wenn man unter Zeitdruck steht. Zur Lockerung noch ein kleines Aufwärmprogramm im Blog. Roter Faden im Sport-Stammtisch vom Samstag war Empathie. Wenn ich mir die Leser-Reaktionen bzw. Nicht-Reaktionen anschaue, ist das „Phantom-Tor“ das viel wichtigere Thema. Auch typisch? Über ein „Phantom-Tor“ kann man herrlich diskutieren und überzeugte Meinungen vertreten, denn mit einem selbst hat das nichts zu tun. Einfühlungsvermögen dagegen – da müsste man ja auch in sich gehen. Was nicht immer erfreulich ist. Einfühlungsvermögen und Toleranz haben eine aparte Gemeinsamkeit: Wer sie verlangt, denkt meist an Einfühlungsvermögen und Toleranz anderer für sich selbst oder seine Sache, seine Meinung, seine Weltanschauung. Aber Toleranz von Linken für Rechte, oder umgekehrt? Von BVB-Ultras für Schalke-Ultras? Natürlich hat das alles auch seine Grenzen: Keine Toleranz für alle, die sich aus stärkerer Position an Schwächeren vergreifen. Was ein weites Feld ist, vom täglichen Mobbing in Schule oder Büro bis zu Kinderschändern und Vergewaltigern. Aber politische oder weltanschauliche Positionierungen, zum Beispiel mein oft behandeltes Thema Gesinnungs- und Verantwortungsethik: Da sind Einfühlungsvermögen und Toleranz selten zu finden. Mein leuchtendes Gegenbeispiel war und ist immer noch Matthias Beltz, dessen Einfühlungsvermögen grenzenlos war, seine Toleranz riesig, seine eigene und wirklich sehr „eigene“  Position aber unbeugsam.

Hilft mir das weiter? Für die Montagsthemen? Nee. Aber jetzt muss ich ran. Bis dann.

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Sonntag, 27. Oktober, 5.35 Uhr

Ausschlafen ging nicht, zu viel zu tun heute. Was? Soll hier keine Rolle spielen. Die geschenkte Stunde nehme ich jedenfalls gerne an. Vielleicht hilft sie ja auch den WBI-Experten. Morgen ist Einsendeschluss, und die Spitzengruppe hält sich noch überwiegend zurück, obwohl schon einige richtige Lösungen angekommen sind.  In der ersten Mail steht sogar, es sei diesmal ja richtig leicht gewesen.

Die Montagsthemen werden wahrscheinlich ein Montagsthema: Randale auf Schalke. Schon vor zwei, drei Wochen hatte ich mir eine Kolumne von Michael Herl in der Frankfurter Rundschau zurückgelegt, Titel: „Kicken im rechtsfreien Raum“, wollte darauf in einer Anstoß-Kolumne eingehen, jetzt passt es gut in die aktuelle Diskussion. Der „rechtsfreie Raum“ ist ein Missverständnis, dem viele unterliegen, auch in der Doping-Diskussion (in der Kolumne werde ich das nur diskret und ohne D.-Wort erwähnen, wg. Tattoo-Gefahr, Sie wissen schon …)

Meldungen der Nacht: Burt Lancaster würde 100. Hat meistens kernige Männer gespielt, war dreimal verheiratet, hatte viele Kinder. In meinem Langzeitgedächtnis trudelt noch was anderes rum, ich kann es aber nicht googelnd wiederfinden, hat was mit dem Hobby zu tun, liebend gerne nach Paris zu fahren und dort in Frauenkleidern und Pumps inkognito herumzustöckeln. Blödes Zeug also, was da rumtrudelt.

Jetzt ans Tageswerk. Vielleicht melde ich mich nach dem Eintracht-Spiel noch einmal. Bis dann.

 

Veröffentlicht von gw am 27. Oktober 2013 .
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Donnerstag, 24. Oktober, 19.10 Uhr

Zwei richtige Lösungen sind schon eingetroffen, allzu schwer dürfte die neue WBI-Runde also wohl kaum sein. Hübsch, was ein Leser zum heute in der Zeitung veröffentlichten Text (vorletzter Absatz) und dem Bild-Text direkt daneben („Pure Freude“ bei Alaba) anmerkt (siehe „Mailbox“). Auch die kurze Frage in der Mail davor (zum Kießling-„Tor“) gefällt mir gut – auf beides will ich morgen in der Stammtisch-Kolumne kurz eingehen.

Wir drei alten Jungs haben am Dienstag unsere gemeinsame Rad-Saison mit einer Seniorentour beendet (an den Windrädern vorbei, kurze Visite beim Hohensolmser Judenfriedhof, der ohne jeden Hinweis mitten im Wald versteckt liegt, dann Einkehr am Aartalsee). Ich erwähne es nur, weil sich inzwischen die Fragen häufen, was denn mit der groß angekündigten schweren Tour und überhaupt mit meiner Radfahrerei sei, die im Blog überhaupt kein Thema mehr ist. Letzteres liegt vielleicht daran, dass ich immer die gleiche Route fahre und sie schon so oft beschrieben habe, dass es langweilig werden könnte. Aber wen’s interessiert: Alle sind noch da, die beiden Na-ihr-Kerle-Rappen, die Hausfrauen, und Leiterhof-Hund Nina frisst mir mittlerweile sogar Leckerchen aus der Hand. Die große Tour fand nicht statt, weil nacheinander jeweils einer von uns angeschlagen ausfiel. Daher zum Abschluss nur die Light-Tour. Upps, der bergische Hund springt mich an, will sein Fressen. Da muss ich Prioritäten setzen. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 24. Oktober 2013 .
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Sonntag, 20. Oktober, 5.50 Uhr

Es wird ja immer schlimmer. Gerade schreibe ich die Titelzeile, schaue rechts unten auf die Datums- und Uhrzeile am Computer und denke, da stimmt doch was nicht, schaue auf die Uhr und merke, das stimmt doch: erst zehn vor sechs. Um eine Stunde vertan. Wollte erst später aufstehen, später an den Computer, zur Selbstdisziplinierung, um die sinnlose Zwanghaftigkeit des sonntäglichen Frühstaufstehens zu sabotieren. Aber anscheinend hat mich der erste Blick im Dunklen auf die Uhr getäuscht, beziehungsweise: Ich habe mich selbst ausgetrickst.

„Im Dunklen“ oder „im Dunkeln“? Ich tippe auf „Im Dunklen“. Mal nachgucken. Mhm. „Im Dunkeln“ ist richtig, sagt der Duden.

Kurze Pause gemacht. Im Internet rumgesucht. Bin immer noch im Dunklen oder Dunkeln. Draußen ist es auch noch stockdunkle. Ha, kleiner Scherz. Kein Scherz, was ich gefunden habe (in Auszügen):

Wie alles im Le­ben ist aber auch diese Sache kom­ple­xer, als man meint. Beim Nachdenken fiel uns auf, wie sehr sich der Begriff Dunkel/dunkel in Dun­kel­heit hüllt. Das beginnt mit seinem Ur­sprung, über den man nur vage Aus­sagen ma­chen kann. Wir kön­nen nicht ein­mal ra­ten, ob das Wort aus dem Indo­germani­schen stammt oder ein alt­euro­päisches Sub­strat­wort ist. Auch sei­ne Ge­stalt im heu­tigen Deutsch gibt Rät­sel auf: Hoch­deutsch müßte es eigent­lich nach der hoch­deut­schen Laut­ver­schie­bung tun­kel hei­ßen, denn d- fin­det man in den ande­ren germa­nischen Sprachen, etwa im englischen dark oder im is­ländi­schen dökkur. Verg­leiche eng­lisch do, door, dish ver­sus hoch­deutsch tun, Tür, Tisch. Tat­säch­lich hieß es auch bis vor kur­zem noch tun­kel – bei Luther so­gar grund­sätz­lich. Das heutige dunkel ist ein Nie­der­ger­manis­mus. Auch die Beugung ist dunkel, läßt sich aber ertasten: Im Deut­schen gibt es zwei Grup­pen von Adjek­tiven, die zweier­lei Sub­stanti­vie­run­gen bil­den: Sprach­bezeich­nungen und die Namen von Far­ben. Wir sagen das Deutsch-e, wenn wir vom Deut­schen schlecht­hin spre­chen, aber das Deutsch, wenn wir über ein beson­deres Deut­sches Deutsch spre­chen: Das beste Deutsch, frühes oder modernes Deutsch, Beamten­deutsch, im heutigen Deutsch. Wir spre­chen von einem Häus­chen im Grünen, aber vom Blau des Himmels und nicht vom Blauen. Die Beugung von das Dunkel macht deutlich, daß auch das Adjektiv dunkel als Farb­adjek­tiv emp­fun­den wird:

Deklination des Substantivs Dunkel
Standarddeutsch Idiolekt
Nom Das Dunkel bedroht uns. das Dunkle
Akk Licht ins Dunkel brin­gen das Dunkle
Dat Im Dunkeln ist gut Mun­keln. im Dunklen
Gen die Herrschaft des Dun­keln des Dunklen

Wir haben überlegt, ob man heute sagt Das Dunkle droht über­all statt Das Dun­kel droht über­all. Wahr­schein­lich wür­den sich die mei­sten für jenes ent­schei­den, womit er­wie­sen ist, daß man das Dun­kle schlech­thin meint, aber das spe­zi­elle Dun­kel. Denn spricht man davon, Licht ins Dun­kel zu brin­gen, dann meint man damit ei­nen spezi­el­len dunk­len Fleck, eine un­klare An­ge­le­gen­heit. Aus die­ser Syste­ma­tik heraus muß es also lau­ten: Licht ins Dun­kel.

 

Habe ich mir jetzt Licht ins Dunkel meines Dunklen gebracht? Und was ist ein „Idiolekt“? Nächstes Nachguck-Päuschen.

 

Idiolekt (gelegentlich auch: Ideolekt) bezeichnet die individuelle Sprache eines einzelnen Menschen. Dazu gehören etwa sein Wortschatz, sein Sprachverhalten, seine Ausdrucksweise und seine Aussprache. Der Idiolekt ist eine sprachliche Varietät auf der Ebene des einzelnen Sprechers. Die Idiolektanalyse ist auch eine zentrale Methode in der Forensischen Linguistik. Durch Untersuchung sprachlicher Besonderheiten von Texten kann der Kreis der Täter (z.B. der Schreiber von Drohbriefen) erheblich eingegrenzt werden.

 

Oha! Dann darf ich niemals Drohbriefe schreiben, denn mein Idiolekt würde mich eindeutig verraten. Anderes Wort: Syllogismus. Bin ich gestern drüber gestolpert, bis dahin hatte ich es immer überlesen, aus dem Textzusammenhang eingeordnet oder uneingeordnet gelassen. Gestern überlegt: Muss von „logos“, das Wort, kommen; „Syl“? Vielleicht „zusammen“, „gleich“ oder so. Nachgeguckt. Jetzt weiß ich es. Wusste es. Hab die exakte Definition schon wieder vergessen, nur behalten: Ist wie das, das ich mal als Deduktionsschluss gelernt habe: Alle Menschen sind sterblich / Hessen sind Menschen / Hessen sind sterblich. – Der Induktionsschluss ist das gegenteilige Prinzip. Hatte das nicht etwas mit Hegel und der Dialektik zu tun? Wie ungebildet man doch ist.

Woran erkennt man Bildung? Zum Beispiel daran, ob man promoviert hat oder wurde? Ob man der oder die Peloponnes sagt? In der „Literarischen Welt“ vom Samstag lese ich: „Sahl, der über altdeutsche Malerei promoviert hatte …“ Ist das richtig? Nee, ich internette nicht schon wieder, jetzt wird nicht mehr nachgegoogelt. Beim Peloponnes muss ich gar nicht erst nachschauen, das habe ich oft genug in den Kolumnen untergebracht, dass er die Insel des Pelops ist, der Peloponnes also die Peloponnes sein muss, wenn man nicht als Banausenolbel wie ich gelten will.

Ebenfalls in der „Literarischen Welt“: Kolumne von Fritz J. Raddatz (unvermeidlicher Hinweis: der mit Goethe am Frankfurter Hauptbahnhof). Lese ich normalerweise nicht, wegen Penetranz. Titel aber: „Was ich immer schon über Sport wissen wollte“. Will ich dann halt doch wissen, was der Typ schon immer über Sport wissen wollte. Nur das übliche Vonobenherabgeseiere, garniert mit Sex, denn Raddatz‘ Expertenmeinung: Im Sport ist „irgendeine verborgene, verbogene Form der Sexprotzerei eklatant“. Und: „Es kann mir kein Mensch einreden, dass die ganz offensichtlich lustbetonte Körpersprache der selbst ernannten Arenahelden kein erotisches Signal sei.“ Es kann ihm kein Mensch einreden, dass es kein erotisches Signal ist, weil er sich einredet, dass es eines ist. Wem alles Sex ist, ist auch aller Sport Sex. Aparter Ausdruck: „Arenahelden.“ Wenn ich’s googeln würde, wetten, dass es in keinem Sportbericht auftaucht, nur in Artikeln Sportfremder über Sport? Raddatz benutzt auch eine meiner Lieblingsdooffloskeln: „Selbst ernannt“ (heißt in meinem Idiolekt „selbsternannt“, aber der Duden gibt Raddatz recht). Wer über „selbst ernannte“ Soundsos redet oder schreibt, hat sie meist selbst dazu ernannt, nicht sie sich.

Mit Freude stelle ich fest, dass ich mit diesem wegen des Zufrühaufstehens ausufernden Blogeintrag (in meinem Idiolekt heißt das Blog übrigens der Blog) endlich beim Sport angekommen bin und den Raddatz-Absatz daher wieder als Steinesbruch für die „Montagsthemen“ benutzen kann. Rein muss natürlich auch das zweite „Phantomtor“ der Bundesliga, obwohl ich keine Lust dazu habe. Erstens schreibe ich nicht gerne über etwas, über das alle schreiben und reden, zweitens muss ich dann unweigerlich zum überx-ten Mal auf meine Video-Hilfe kommen. Aber es muss wohl sein. Vor diesem Blogschreibenundschreiben habe ich schon im eigenen Archiv geforscht, was ich damals über Helmers Nicht-Tor geschrieben hatte. Seltsam: nichts, überhaupt nichts zu finden. Muss im Urlaub gewesen sein. Krank war ich nicht, war ich ja nie vor Beginn des Senilitätseintrittsalters. Wahrscheinlich ebenfalls ein Thema: Ballbesitz. Michael Horeni, einer der nicht allzu vielen Kollegen großer Zeitungen, auf die man als kleiner Journalist stolz sein kann, schreibt dazu am Samstag in der FAZ fast eine ganze Seite. Tenor: Ballbesitz-Statistik „lässt jedoch keine Aussage mehr über das Ergebnis zu“. Sag ich doch, schreib ich doch, hab ich doch immer schon geschrieben. Nur das „mehr“ stört mich. War schon immer so.

Nächsten Sonntag Winterzeit. Gewinne oder verliere ich eine Stunde? Jahr für Jahr die gleiche Frage, die Antwort ist immer schneller vergessen als der Syllogismus. Falls ich sie verliere, habe ich heute schon trainiert. Und. Das. Muss. Für. Heute. Früh. Endlich. Genügen.

Veröffentlicht von gw am 20. Oktober 2013 .
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Samstag, 19. Oktober, 8.30 Uhr

Zurück aus der Redaktion. Zu früheren Sonntagszeiten hingefahren, um Zeitungen und Zeitschriften der Woche zu sichten. Festgestellt: Mit klammen Gliedern frühstmorgens ins kalte Auto steigen, das muss nicht mehr sein. Freue mich schon auf morgen früh, auf das sonntägliche Ritual, das jetzt ja auch schon über ein Jahr Tradition hat.

Neues Projekt: Ich schreibe eine Glossen-Serie übers Altwerden. Auf den Titel bin ich schon mal stolz: „Mein Alttag“. Nicht abkupfern, ist meins! Die erste Glosse ist schon geschrieben, über Vergesslichkeit. Weitere Themen häufen sich schon an, zwei davon: Wie ich mit Tampons den Großzehenschiefstand bekämpfen wollte und warum Lippenherpes mit zunehmendem Alter ein abnehmendes Problem wird.

Veröffentlicht von gw am 19. Oktober 2013 .
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