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Sonntag, 29. September, 6.20 Uhr

Nirgendwo wird noch die christliche Sonntagsruhe eingehalten – außer in meiner Mailbox. Samstags tröpfelt’s nur noch, in der Nacht zum Sonntag herrscht völlige Ruhe, tagsüber auch, erst am Abend klingelt’s wieder in der Box, danach rattert es Werktag für Werktag. Das kann nicht nur daran liegen, dass die echte Kolumnen- und Blog-Klientel vom Arbeitsplatz aus mailt, denn auch die Spams halten Sonntagsruhe. Wie kommt’s?

Stichwort christlich. Aus den Meldungen der Nacht: In der Debatte über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche hat der Mainzer Kardinal Karl Lehmann auf hohe Dunkelziffern auch an anderer Stelle hingewiesen. ‘Mich hat natürlich auch von Anfang an geärgert, dass es ganze Bereiche von sexuellem Missbrauch gibt, die in der Öffentlichkeit viel weniger Aufmerksamkeit finden’, sagte der Bischof der Nachrichtenagentur dpa. ‘Es gibt eine hohe Dunkelziffer im Sport, es gibt ungeheure Zahlen von Missbrauch in den Familien, es gibt auch Missbrauch, wo man es nicht vermutet, etwa im Beratungswesen und in der Therapie.’ – Und damals bei den Grünen, als Steigbügelhalter für Pädophilie.

Pädophilie: ein beschwichtigendes Wort. “Freundschaft zu Kindern” als Tarnung für ekligst kriminelle Machenschaften. Ihre entscheidenden Prozente haben die Grünen nicht durch den Veggie-Day (blöde Idee, schreckte aber nur die ab, die sowieso nicht Grün wählen würden) und Steuererhöhungs-Pläne verloren, sondern durch ihre damalige Haltung und spätere Unterdenteppichkehrung zur und von Vergewaltigung (ist’s immer) von Kindern.

Große Koalition: Dass die SPD sich noch ziert, ist verständlich, dass sie mitmacht, ist klar. Nicht klar und verständlich ist mir ihre Urangst, wieder untergebuttert zu werden. In der großen Koalition klein gemacht zu werden, ist kein Naturgesetz. Wette: Wenn die SPD die große Koalition mit- und durchmacht, wird sie bei der nächsten Wahl deutlich über 30 Prozent und der CDU zumindest sehr viel näher kommen als jetzt. Es sei denn, sie vergeigt’s aus eigener Kraft bzw. Ohnmacht.

Real Madrid. Verliert Stadtderby. Der 100-Millionen-Mann sitzt eine Halbzeit lang auf der Bank. Manchmal erhält Perversität dann doch die gerechte Strafe.

Das übliche Lamento um diese Zeit: Noch nix auf dem Zettel für die “Montagsthemen” außer einem Weltrekord im Eierlaufen und dem Reus-Tor, das kein Abstauber, sondern ein Geniestreich war. Wenn ich nicht die jahrzehntelange Erfahrung hätte, dass Morgenstund Themen und Ideen im Mund hat, würde ich denken: Das wird nix mehr. Aber dann werde ich mich wie immer zügeln müssen, um nicht die ganze Zeitungsseite voll zu schreiben.

Heute früh ein paar Mal “nix” geschrieben. Soll ich nicht. Gefällt der Liebsten nicht, die mir gleich knicksend den Kaffee servieren wird. Draußen nur dunkel, drinnen zwei Tässchen.

Kaffee. Mir auch ein Mailbox-Rätsel: Warum trinke ich ein Mal in der Woche und nur am frühen Sonntagmorgen Kaffee, ansonsten nur Kräutertee? Apropos Kräutertee: Gestern ist es mir erstmals gelungen, die wiederverschließbare Packung so zu öffnen, dass sie wiederverschließbar und nicht zerfetzt ist.

Ach ja, das noch: Rückhalt bekommen für den Blogeintrag zum Segeln und zum Klimarat. Vielleicht übernehme ich es dann doch beiläufig in die “Montagsthemen”.  Wenn’s gut läuft, stehen sie schon früh online, wahrscheinlich aber erst am späten Nachmittag. Muss zwischendurch wieder zu den “Opfern der Zeit” ins bergige Bergische Land. Bis dann.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle