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Montagsthemen (vom 30. September)

Wer ist Lena Kruske? Die Freundin von Sami Khedira? Nee, die heißt Lena Gercke, das weiß doch jeder Fußball-Fachmann. Also, wer ist Lena Kruske? Sie kennen sie, sehen sie fast täglich. Sie haben Bedenkzeit bis zum Kolumnenende.
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Woran erkennt man überhaupt einen Fußball-Fachmann? Er kennt den Unterschied zwischen Doppel-Sechs und Doppel-Sex.
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Entschuldigung. Peinlicher Ausrutscher. Habe die »Montagsthemen« mit einer Büttenrede für »Da steppt der Bär beim MDR« verwechselt.
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Zwei Tore zum Genießen: Lewandowskis Lupfer – ganz groß. Aber auch Reus’ »Abstauber«, der keiner war, sondern ein Geniestreich: Andere hätten den Ball auf den Torwart gedroschen, Reus aber streichelte ihn ins Tor, so zart und sanft, dass ich die liebste Zielgruppe seufzen höre: Ach, hätte meiner doch so viel Gefühl in den Händen wie dieser Junge im Fuß …
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Auch nach der Leichtathletik-Saison werden Weltrekorde gebrochen, nicht nur in Berlin. In Sydney lief Hürden-Olympiasiegerin Sally Pearson neue 100-Meter-Bestzeit. Alter Rekord: 19,39. Erschwernis: Sie lief nicht über Hürden (Weltrekord: 12,21), sondern mit einem Löffel in der Hand und einem Ei auf dem Löffel. Neuer Weltrekord im 100-m-Eierlauf: 16,59 Sekunden.
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Ebenfalls auf der anderen Seite des Globus: Das Kugelstoß-Wunderkind Jacko Gill (18) hat einen neuen Trainer. Nun könnte man mit Recht der Meinung sein, als Nachricht sei dies die Belanglosigkeits-Steigerung des in China umfallenden Sackes Reis. Doch hier steckt der Nachrichtenwert in einer Zahl in Klammern hinter dem Namen des Trainers Les Mills: (78). In Worten: achtundsiebzig. Senioren aller Länder, schaut auf diesen Mann!
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Als Laie muss ich mal ganz naiv fragen: Was hat das mit Segeln zu tun, wenn das Schiff fliegt und nur ein Stäbchen ins Wasser ragt? Was ist der Unterschied zur Red-Bull-Show mit dem aus dem Himmel plumpsenden Österreicher? Auch das wurde zum Weltevent mit sportlichem Einschlag hochgejauchzt, dazu noch als technischer Meilenstein für die Menschheit. Dabei ist’s nur ein Milliardärs-Spielzeug. Oracle-Orakel: Bei der nächstlogischen Weiterentwicklung ragt auch kein Stäbchen mehr ins Wasser, und Ellison darf nur noch bei den Segelfliegern mitspielen.
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Britta Steffens Rücktritt ist die logische Konsequenz einer erfüllten Karriere. Sie hatte es trotz ihrer Goldmedaillen nie leicht mit den Medien und den Funktionären. Als sie einmal wegen schwächerer Leistungen hart kritisiert wurde, merkte sie an, damit immerhin »nicht den Weltfrieden zu gefährden«. Dafür gab es Buh-Rufe, die aber nur die Buh-Rufer bloßstellten. Meinen Beifall hatte sie, auch für die Antwort auf die Frage, was sie an sich selbst für besonders gelungen halte: »Ich bin sehr kritisch mit mir, aber meine Ohren finde ich ganz hübsch.« Noch besser bei ihr gelungen ist das, was zwischen den Ohren liegt.
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Ähnlich bei Sebastian Vettel. Im Gegensatz zum frühen Schumi ein rundum prima Kerl, was kein hessischer Lokalpatriotismus ist. Dass er im Ausland ausgebuht wird, kann er verschmerzen. Den schrillen Ton geben die Ferraristi an, die aber heimlich zu ihrer Mutter Gottes beten, dass Vettel schnellstmöglich einer der Ihren werden möge.
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Er ist keine Steffen und kein Vettel sondern …   nein, kein Wort zu Boris Becker und seiner Autobiographie. Allerhöchstens ein Fall für die »Da steppt der Bär«-Bütt’.
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Steppen auf der Bühne: Haben Sie gesehen, wie die CDU-Spitze nach der Wahl in Verzückung geriet, auf der Bühne tanzte und sang (Angela Merkel im Joe-Cocker-Stil)? Dass sie ausgerechnet »Tage wie diese« der Ex-Punker Tote Hosen anstimmten … Campino wurde da zum sauren Drops.
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Wer ist Lena Kruske? Sie joggt fast täglich vor der »Tagesschau« für die Commerzbank durch Frankfurt, nicht ganz so schnell wie der neue Marathon-Weltrekordler aus Kenia,  aber  bankensystemkritischer als Sahra Wagenknecht. Lena Kruske heißt wirklich Lena Kruske und ist  im wahren Leben Commerzbank-Filialdirektorin in Hamburg. Dass ausgerechnet die Commerzbank jene Praktiken geißelt, die sie selbst in den Quasi-Untergang geführt hatten (und wir sie mit unserem schönen Geld retten mussten), ich glaube, so etwas nennt man Chuzpe. Und Lena läuft und läuft, demnächst in einem neuen Spot.
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Chuzpe. Dazu auch meine Schlagzeile der Woche: »Drei Jugendliche klagen gegen hohen Migrantenanteil unter Mitschülern.« Was keine rechtschaffene Empörung über Rechtsgerichtete auslöst, denn zur Mann-beißt-Hund-Schlagzeile gehört auch die Chuzpe der Klagenden: Es sind keine Neonazis, sondern drei Jugendliche mit türkischen und arabischen Wurzeln, die ihre schlechten Noten auf zu geringen deutschen Muttersprachler-Anteil in ihren Klassen zurückführen.
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Was ist Chuzpe? Wikipedia: »Eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit«  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle