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Sonntag, 15. September, 7.00 Uhr

Im eigenen Haus eingesperrt. Bis gegen Mittag. Mountainbike-Cup, die Strecke führt direkt am Haus vorbei, dann scharf um die Kurve, den großen Garten entlang und am kleinen Garten vorbei, meinem Experimentierfeld. Dort hängt auch eines meiner “Divieto di Caccia”-Schilder, die ich in Vor-Griechenland-Zeiten in Mittelitalien gesammelt habe (korrekt: geklaut). Ganz schön lange her. “Divieto di Caccia” (Jagen verboten), die weißen Schildchen hingen dort überall, und überall wurde gejagt. Ich habe auch Variationen in meiner Sammlung, zum Beispiel “Divieto di raccolti funghi” (Pilze sammeln verboten) usw. Jedenfalls bin ich jetzt eingesperrt, bald werden die Besten schon von der Burg her wie Habichte hinunterstoßen, an meinem Fenster vorbeiwutschen, die scharfe Kurve im Höllentempo nehmen und sich in die Felder stürzen. Erst wenn die Letzten vorbei sind, darf man’s wagen, das Haus zu verlassen. Hunde bleiben eingesperrt, müssen ihr Morgengeschäft im Garten erledigen. Hoffentlich spüren die Katzen die Gefahr und verkriechen sich irgendwo.

Gestern vor dem BVB-Spiel bei Sky einen schönen Satz von Klopp über Löw mitgeschrieben bzw. einen indirekten über Löw und seine Art, einzelne Spieler rauszupicken, früher Kuranyi (im Wortsinn raus gepickt), heute Schmelzer und Hummels: “Wenn Fehler Namen kriegen, ist das nicht selten ein Dortmunder Name.” Sehr fein, und das aus dem Stegreif! Muss nur noch nachgoogeln, ob der Satz schon irgendwo zitiert ist (den zweiten Teil habe ich sinngemäß notiert), Kommt entweder in die “Montagsthemen” oder in “Ohne weitere Worte”.

Auch eine weitere Plattitüde von Thorsten Fink auf dem Zettel, nach dem sehr seltsamen Spiel gesagt: “Wir müssen das jetzt erst mal sacken lassen.” Ganz sicher in OWW kommt eine Passage aus einem “Zeit”-Interview mit dem Nationalmannschafts-Arzt Tim Meyer: “Die öffentliche Dopingdebatte wird meiner Meinung nach von einer kleinen Gruppe ‘moralischer Unternehmer’ gesteuert, wie der Sportsoziologe und -ökonom Eike Emrich sie treffend bezeichnet, also von Menschen, die die Moral bemühen, um davon zu profitieren. Neben wenigen Journalisten gehören dazu auch eine kleine Zahl stets wiederkehrender sogenannter Experten.” – Herrlich. Kleiner Einwand: Es sind nicht “wenige” und “eine kleine Zahl”, sondern viele und eine große. Und die Frankes schert’s wenig, wenn sie derart erkannt und bloßgestellt werden. Bezeichnend auch: Die “Zeit”-Überschrift des Interviews, ein Meyer-Zitat (“Fußball ist nicht frei von Doping”), spiegelt nicht den Tenor des Interviews wider, sondern fast das Gegenteil, ist also eine Manipulation, um zu skandalisieren. Ich schreib’s natürlich nur im Blog, sonst gäb’s Tattoo-Alarm.

Ansonsten noch wenig Stoff für die “Montagsthemen”. Eine kleine Rechthaberei werde ich mir wohl nicht verkneifen: Dass die leere Drohung eine solche ist und schon beim nächsten Schalke-Heimspiel die Polizei dabei sein wird, diese Wette habe ich zwischen “Sport-Stammtisch” und “Montagsthemen” noch viel schneller gewonnen als vermutet.

Baumhausbeichte - Novelle