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Montagsthemen (vom 16. September)

Keine Polizei mehr ins Schalker Stadion zu schicken, das sei eine leere Drohung, habe ich behauptet und mit der Wette verknüpft: »Beim nächsten Heimspiel ist die Polizei wieder zur Stelle. Wetten!?« Schneller als gedacht, schon zwischen »Sport-Stammtisch« und »Montagsthemen«, wurde die Wette gewonnen. – Natürlich keine Kunst. Kunst war eher, aus einer leeren Drohung ein dröhnendes Schlagzeilen-Gedöns zu machen.
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Hatte natürlich auch mit Wahlkrampf zu tun, wie auch das noch dröhnendere Gedöns um einen gewissen Finger. Angeblich mehr als halb Deutschland empört sich, aber von mir dazu kein Wort. Allenfalls entfährt mir als nonverbaler Kommentar ein doppelter Inui.
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BVB, Bayern und Bayer haben sich scheinbar schon abgesetzt, doch das täuscht: Achtet auf die Schalker! Da steckt Potenzial drin. Klar, nicht so viel wie im BVB, aber wenn die Borussen ihr Potenzial weiter so verschludern wie bis zum 2:2 (bei 15:2 Torschüssen!), rächt sich das irgendwann.
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Überhaupt, solch ein absurdes Spektakel  gab es selten. Litte Klopp nicht unter dem Löw-Problem Innenverteidigung (das beide wider besseres Wissen öffentlich leugnen) und dem eigenen des Chancenverschleu- und -schluderns, hätte das Spiel gut und gerne zwölf zu null enden können. Sensationell vor allem das 4:2 von Lewandowski auf Flanke Aubameyang – ein Tor, das eigentlich Reus gehört, indem er genial einfach nichts tat. Man kann es nicht beschreiben, man muss es gesehen haben.
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Ja, klar, das »Problem Innenverteidigung« ist Ansichtssache, klar ist auch, dass die Defensive in der Offensive beginnt (richtig, aber ab damit ins Phrasenschwein), doch ich bleibe dabei: Mit dem zu lässigen Boateng und dem zu steifen Mertesacker wird man nicht Weltmeister, und mit dem ausgebrannten Subotic und dem in seinem Selbstbewusstsein von sich selbst und anderen (Löw!) untergrabenen Hummels kann man gar nicht so viele Tore schießen, wie man gegen starke Gegner kassiert. Vorteil Klopp: Er hat ja noch den starken Sokratis, der jetzt hintereinander beide Schwächelnde ersetzt hat. – Ach ja, das noch zum BVB: Als Götzes Weggang feststand, wettete ich, dass er den Kagawa machen wird. Allerdings eine wacklige Wette. Ich würde sie am liebsten verlieren.
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Damit zu einem anderen Japaner. Inui machte in Bremen ein gutes Spiel, wie die gesamte Mannschaft. Eine Augenweide, wie die Eintracht auch im gefährlichen zweiten Jahr erstklassig aufspielt. Gegen Braunschweig mehr als eine Klasse besser, gegen Dortmund keine viertel Klasse schwächer, gegen Bremen eine halbe Klasse stärker – das alles kann kein Zufall mehr sein, das ist Veh. Plus ein tolles Team, das Fußball kämpft und spielt, mit Betonung auf dem »und«. Respekt allen Beteiligten!
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Noch mal zur DFB- und BVB-Innenverteidigung: Zugegeben, ziemlich polemisch und mit etwas viel warmer Luft schwadroniert. Leser-Kontra nehme ich daher demütig entgegen. Zu viel warme Luft hatte sich aber bei Inui aufgestaut, der wegen Beamtenbeleidigung 250 Euro ans Kinderhilfswerk zahlen muss. Eintracht Frankfurts Japaner wurde am Flughafen wegen einer unverzollten Uhr vernommen, rastete aus, und statt auf Fragen zu antworten, flatulierte er die Beamten lautstark an.
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Zu seiner Entlastung muss aber auf die Eintracht-Homepage verwiesen werden, denn Inui könnte da auf die Idee gekommen sein, dass Flatulieren ein anerkannter Brauch ist, der in Hessen auf Respekt stößt. Denn auf der Fan-Chat-Seite stieß ich beim Flatulenz-Recherchieren auf diesen Satz: »Wenn Chuck Norris auf der Toilette furzt, fliegen in der Stadt die Kanaldeckel hoch.«
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Wer allerdings im »Stern« ein Interview mit Henry Hübchen liest, kommt ins landsmannschaftliche Grübeln. Auf die Frage, was der ungewöhnlichste Ort sei, an dem er jemals geschlafen habe, antwortet der Schauspieler: »Zwischen zwei kleinen furzenden Japanern auf dem Flug von Berlin nach Santiago.«
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Oh. Hoffentlich haben Japaner mehr Sinn für nicht ganz normenkontrollgerechten Humor als die fingerempörte deutsche Mehrheit. Aber das ist eventuell ein ganz anderes Thema und hat … Sie wissen schon. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle