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Dienstag, 10. September, 17.45 Uhr

Thomas Bach hat’s geschafft. War ja klar. Er träte nicht an, wenn er nicht alle Trümpfe in der Hand hätte. Eine leider nicht zu verifizierende Behauptung: Er ist heilfroh, aus der deutschen Gemengelage rauszukommen, das kleine undankbare Amt abgeben und das große übernehmen zu können, das entgegen heutiger Voraussagen leichter und nervenschonender zu leiten sein wird als das mit Selbstschussanlagen umgebene deutsche. Als IOC-Präsident wird er eher eine Art Weltbundespräsident sein, als deutscher Sportboss war er Sportbundeskanzler, umzingelt und unter Feuer von “Freund” und Feind.

Hier im Blog darf ich ja das Doping-Wort schreiben, ohne daraufhin tätowiert zu werden (neue Blog-Leser: um das zu verstehen, müssen Sie meine Kolumnen – Link rechts: “gw-Beiträge Anstoß” - lesen). Thomas Bach hat jedenfalls einige meiner früheren Kolumnen gelesen oder zumindest lesen lassen. So zum Beispiel “Sport ist fort – Abgesang auf ein kulturelles Phänomen des 20. Jahrhunderts. Wie der Kampf gegen das Doping den Sport zerstört” vom 26. Februar 2009. Bach teilte damals mit, dass er den Text »mit Interesse gelesen« habe, aber: »Sie werden verstehen, dass ich einige Ihrer Schlussfolgerungen nicht teile, auch wenn wir im Ausgangspunkt – der Bedeutung des Anti-Doping-Kampfes für die Glaubwürdigkeit des Sports – einer Meinung sind.« Klar. Verstand ich. Wenn er meine außenseiterischen Schlussfolgerungen geteilt hätte, wäre seine Karriere sofort beendet gewesen.

Drei Jahre zuvor, aus ähnlichem Anlass, schrieb er mir einen Brief (in echt, keine Mail), in dem er beteuerte, Kolumnen von mir “mit ebenso großem Interesse wie Vergnügen gelesen” zu haben. Und: “Da wir offensichtlich der gleichen Athletengeneration angehören, würde ich mich sehr freuen, wenn sich einmal die Gelegenheit zur persönlichen Begegnung ergäbe.”

Wäre für manchen der Startschuss gewesen, den DOSB-Präsidenten journalistisch anzubaggern. Nicht mein Ding. Habe nie versucht, die persönliche Begegnung zu verwirklichen. Aber jetzt, als IOC-Präsident … kann er ja einfach mal bei mir vorbeikommen. Aber bitte vorher anrufen. Bin sonst mit dem Rad unterwegs. Er darf auch gerne mitfahren. Dann lade ich auch unseren alten Kumpel Ulle ein. Wir drei on tour durch Mittelhessen. Und danach nehmen Sie Jan Ullrich in die Hall of Fame auf. Einverstanden?!

So, genug rumgealbert. Ist vielleicht auch ein bisschen Stein(es)bruch für die Kolumne, die ich morgen fürs Blatt schreibe. Bis dann.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle