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Montagsthemen (vom 2. September)

»Samstag, 15.30 Uhr, Fußball-Bundesliga!« Der alte Weck- und Werberuf, er gilt schon lange nicht mehr. Bayern am Dienstag, Eintracht und BVB gestern, davor  eine weitere Partie am Sonntag und dazu ein Top-Spiel (Schalke – Bayer) am Samstag Abend  – da bleiben nur ein paar (sorry, ihr jeweiligen Fans) beliebige Begegnungen untergeordneten Belangs. »Samstag, 15.30 Uhr« … nur noch Nostalgie. Was kein Lamento ist, sondern eine Feststellung. So isses halt. Geworden.
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Die Liga schreibt die seltsamsten Geschichten, und was früher undenkbar war, gilt heute als völlig normal. Daher wechselt auch Boateng nicht zurück zu seinem Lieblingsverein BVB, sondern ausgerechnet zu Schalke. Dass er dort nicht ausgepfiffen, sondern gefeiert wird, gehört dann wieder zu den erfreulichen Entwicklungen in der Liga.
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Selbst der Toleranteste bekommt aber Probleme, wenn er Real Madrids realen Wahnsinn als »völlig normal« einordnen sollte. Hundert und ein paar Millionen mehr für Bale, wie geht das, wer finanziert das? Leider, liebe Leser, im Endeffekt Sie ganz persönlich. Und das geht so: Im Frühjahr las man in den Wirtschaftsseiten der Zeitungen, dass die EU-Kommission gegen den Madrider Stadtbebauungsplan vorgehen wolle. Der beinhaltet auch, das Bernabeu-Stadion umzubauen, inklusive diverser Grundstücks-Deals mit dem Klub, der in bester Stadtlage ein Luxushotel und ein Einkaufszentrum bauen darf. Mit dem geldwerten Vorteil für Real wären mehrere Bales zu finanzieren, der Nachteil bliebe bei der Stadt, und von der zum Staat, zur EU und zu uns führt ein sehr kurzer Weg. Von der EU habe ich dazu seit Frühjahr nichts mehr gelesen.
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Ach ja, nicht nur auf dem Platz ist der Ball rund (Herberger). Er verkörpert die Ordnung des Raumes, schafft aber durch sein Rollen Unordnung (Nikolaus von Kues). Warum aber rollt der Ball überhaupt? Nur weil er rund ist. Das Runde muss ins Eckige (Herberger). Umgekehrt wär’s viel schwieriger (gw). Kongenial, oder? Da setze ich noch einen drauf: Ich weiß auch, wie ein unter seinen Liebhabern als besonders rund gefürchteter Ball erfunden wurde – von Tolkien in »Der kleine Herr Hobbit«: »Stierbrüller schlug Golfimbul mit einer hölzernen Keule glatt den Kopf ab. Der Kopf aber segelte 100 Meter weit durch die Luft und fiel in ein Kaninchenloch. Und auf diese Weise wurde im gleichen Augenblick sowohl die Schlacht gewonnen als auch das Golfspiel erfunden.« Und gleich bei der Premiere mit einem hole-in-one!
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Von den Hobbits rudern wir zurück zum Sport, und derart rudernd landen wir beim: Rudern. Bei der WM vermisst wurde der deutsche Frauenachter, auf den mangels Medaillenperspektive verzichtet wurde. Zuvor schon wurde im Boot auf jene Frau verzichtet, die bei Olympia 2012 sehr deutschspezifische Schlagzeilen geschrieben hatte. Den Namen haben Sie, liebe Leser, sicher schon längst vergessen (wetten, dass?! Zur Erinnerung: Freund angeblich Neonazi, daher statt Olympiastart Heimreise unter Mediengetöse). Das arme Mädchen kam von der Rolle und schaffte es 2013 trotz größter Bemühungen nicht zurück ins Boot. Ich drücke ihr die Daumen und werde ihren Namen gerne nennen – wenn sie es sportlich wieder geschafft hat.
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Früher klagten mir sogar Ruder-Olympiasieger  ihr Leid, weil sie von Sponsoren stiefmütterlich behandelt würden und ihnen die großen Sportartikler nicht einmal Sportschuhe und -kleidung stellten, da sie meist barfuß führen und nie im Trainingsanzug zu sehen seien. Die Kanuten waren nun bei ihrer WM erfolgreicher in Sachen Sponsoring. Dass aber die oberkörperstarken Athletinnen ausgerechnet quer über Sekundärgeschlechtlichem für »Kunststoff« werben, wundert mich doch ein wenig.
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Mich wundert auch, dass Friedensnobelpreisträger Obama  einfach mal in die wirre syrische Gemengelage hineinbomben wollte. Oder war es nur eine Droh(nen)gebärde? Aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle