Archiv für September 2013

Montag, 30. September, 12.45 Uhr

Meine (und vieler Leser) Lieblingskolumne „Ohne weitere Worte“ steht schon seit ein paar Stunden online. Fürs Blatt habe ich soeben zwei der drei Ibrahimovic-Zitate aus dem „Spiegel“ rausgeworfen, da ich sie heute früh fast überall gelesen habe, ganz groß natürlich in „Bild“. Und die „Knaller“, die plakativen Sprüche, die in allen „Gesagt ist gesagt“-und-wie-auch-immer-sie-heißen-Rubriken auftauchen, das sind gerade diejenigen, die ich aussortiere. Am liebsten nehme ich Sätze aus langen, interessanten, aber selten komplett gelesenen Interviews, verbinde sie durch Auslassungen (…) und versuche damit, sie nicht aus dem Zusammenhang, sondern in den Zusammenhang zu reißen. Das ist anderen Sprüche-Sammlern zu mühselig, zum Glück, denn dadurch bekommt unsere Zitatensammlung ihre eigene Note jenseits von „Hammersprüchen“-Zusammenstellungen.

Dass ich die Auslassungen durch Pünktchen in Klammern kenntlich mache, ist nicht Bürokratismus oder angestrengte Akademisiererei, sondern der Versuch, redlich mit den Zitaten umzugehen. Das tun längst nicht alle, auch in den großen, seriösen Zeitungen nicht, denn dort ist es fast schon üblich, aus dem Text übernommene Zitate verkürzt, verfälscht, umformuliert und/oder die Meinung des Interviewten nicht treffend in die Überschrift zu übernehmen (kürzlich zum Beispiel sogar in der „Zeit“ im Interview mit einem DFB-Arzt).

Wahrscheinlich folgt am Freitag eine „Beste Reste“-Folge von „Ohne weitere Worte“ mit längeren Zitaten, die liegen geblieben sind, weil ich sie auch durch mehrfache Klammer-Pünktchen nicht auf die nötige Kürze bringen konnte.

Veröffentlicht von gw am 30. September 2013 .
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Sonntag, 29. September, 6.20 Uhr

Nirgendwo wird noch die christliche Sonntagsruhe eingehalten – außer in meiner Mailbox. Samstags tröpfelt’s nur noch, in der Nacht zum Sonntag herrscht völlige Ruhe, tagsüber auch, erst am Abend klingelt’s wieder in der Box, danach rattert es Werktag für Werktag. Das kann nicht nur daran liegen, dass die echte Kolumnen- und Blog-Klientel vom Arbeitsplatz aus mailt, denn auch die Spams halten Sonntagsruhe. Wie kommt’s?

Stichwort christlich. Aus den Meldungen der Nacht: In der Debatte über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche hat der Mainzer Kardinal Karl Lehmann auf hohe Dunkelziffern auch an anderer Stelle hingewiesen. ‚Mich hat natürlich auch von Anfang an geärgert, dass es ganze Bereiche von sexuellem Missbrauch gibt, die in der Öffentlichkeit viel weniger Aufmerksamkeit finden‘, sagte der Bischof der Nachrichtenagentur dpa. ‚Es gibt eine hohe Dunkelziffer im Sport, es gibt ungeheure Zahlen von Missbrauch in den Familien, es gibt auch Missbrauch, wo man es nicht vermutet, etwa im Beratungswesen und in der Therapie.‘ – Und damals bei den Grünen, als Steigbügelhalter für Pädophilie.

Pädophilie: ein beschwichtigendes Wort. „Freundschaft zu Kindern“ als Tarnung für ekligst kriminelle Machenschaften. Ihre entscheidenden Prozente haben die Grünen nicht durch den Veggie-Day (blöde Idee, schreckte aber nur die ab, die sowieso nicht Grün wählen würden) und Steuererhöhungs-Pläne verloren, sondern durch ihre damalige Haltung und spätere Unterdenteppichkehrung zur und von Vergewaltigung (ist’s immer) von Kindern.

Große Koalition: Dass die SPD sich noch ziert, ist verständlich, dass sie mitmacht, ist klar. Nicht klar und verständlich ist mir ihre Urangst, wieder untergebuttert zu werden. In der großen Koalition klein gemacht zu werden, ist kein Naturgesetz. Wette: Wenn die SPD die große Koalition mit- und durchmacht, wird sie bei der nächsten Wahl deutlich über 30 Prozent und der CDU zumindest sehr viel näher kommen als jetzt. Es sei denn, sie vergeigt’s aus eigener Kraft bzw. Ohnmacht.

Real Madrid. Verliert Stadtderby. Der 100-Millionen-Mann sitzt eine Halbzeit lang auf der Bank. Manchmal erhält Perversität dann doch die gerechte Strafe.

Das übliche Lamento um diese Zeit: Noch nix auf dem Zettel für die „Montagsthemen“ außer einem Weltrekord im Eierlaufen und dem Reus-Tor, das kein Abstauber, sondern ein Geniestreich war. Wenn ich nicht die jahrzehntelange Erfahrung hätte, dass Morgenstund Themen und Ideen im Mund hat, würde ich denken: Das wird nix mehr. Aber dann werde ich mich wie immer zügeln müssen, um nicht die ganze Zeitungsseite voll zu schreiben.

Heute früh ein paar Mal „nix“ geschrieben. Soll ich nicht. Gefällt der Liebsten nicht, die mir gleich knicksend den Kaffee servieren wird. Draußen nur dunkel, drinnen zwei Tässchen.

Kaffee. Mir auch ein Mailbox-Rätsel: Warum trinke ich ein Mal in der Woche und nur am frühen Sonntagmorgen Kaffee, ansonsten nur Kräutertee? Apropos Kräutertee: Gestern ist es mir erstmals gelungen, die wiederverschließbare Packung so zu öffnen, dass sie wiederverschließbar und nicht zerfetzt ist.

Ach ja, das noch: Rückhalt bekommen für den Blogeintrag zum Segeln und zum Klimarat. Vielleicht übernehme ich es dann doch beiläufig in die „Montagsthemen“.  Wenn’s gut läuft, stehen sie schon früh online, wahrscheinlich aber erst am späten Nachmittag. Muss zwischendurch wieder zu den „Opfern der Zeit“ ins bergige Bergische Land. Bis dann.

 

 

Veröffentlicht von gw am 29. September 2013 .
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Freitag, 27. September, 11.50 Uhr

Doppelschlag schon online: „Nach-Lese“ fürs Feuilleton, „Stammtisch“ für den Sport (Links rechts). Ich wollte ja auch noch die seltsame Segel-Show thematisieren, aber als Segel-Laie  hätte ich mich erst einmal ein bisschen kundiger machen müssen. Laienhaft: Was hat das mit Segeln zu tun, wenn das Schiff fliegt und nur ein Stäbchen ins Wasser ragt? Was ist das überhaupt für ein Sport, den sich nicht die Oberen Zehntausend leisten können, sondern nur die oberen Zehn bis Fünfzig? Für mich ähnelt das der Red-Bull-Show mit dem aus dem Himmel plumpsenden Österreicher, das wurde auch zum megageilen Weltevent mit sportlichem Einschlag hochgejauchzt, dazu noch als technischer Meilenstein für die Menschheit. Dabei ist’s nur ein Milliardärs-Spielzeug.

In den HR-Nachrichten gerade gehört, was das Ergebnis des Weltklimarat-Papiers  ist: der Anstieg des Meeresspiegels. Sonst nix. Nicht gemeldet wurde, dass der prognostizierte Temperaturanstieg seit 15 Jahren ausbleibt (steht aber auch im Papier). So pickt sich halt jeder raus, was er will und in seinen Kram passt, meist in den staatlich stattlich geförderten Instituts-Kram. Aber auch hier: Bin nicht kundig genug, um mir im Blatt eine Meinung leisten zu wollen. Am meisten überzeugen mich noch die Interviews von Hans von Storch, der keiner der Parteien anzugehören, sondern ein echter, unabhängiger Fachmann zu sein scheint. Er sieht durchaus den Klimawandel, kritisiert aber alarmistische Methoden und die falschen Rechenmodelle und sagt auch, dass es drängendere Probleme auf der Welt gibt als den Klimawandel. Finde ich auch, als Laie. Auf einem Gebiet bin ich aber ein Fachmann wie Hans von Storch: Er ist Donaldist, und da kann er nicht viel mehr wissen als ich. Er hat nur einen Vorteil: seinen Namen. Mit dem ist man von vornherein Ehrenbürger von Entenhausen.

Veröffentlicht von gw am 27. September 2013 .
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Sonntag, 22. September, 6.40 Uhr

Draußen noch stockdunkel. Wieso eigentlich „stock“? Muss ich mal nachschauen, im Grimm oder, einfacher, bei Google. Die lange, dunkle Zeit beginnt. Da vermisse ich die frühsonntagmorgendlichen Fahrten in die Redaktion noch weniger als sonst. Obwohl sie oft ungewöhnliche und nie vergessene Eindrücke lieferten, am Himmel und auf der Erde. Mein Freund, der Fuchs, der sicher schon lange in den ewigen Jagdgründen lebt. Der rasende Rollator-Fahrer. Die Erbaulichkeiten auf HR1. Der „Antik und Trödel“-Stau. Und die Ampel … die rote Ampel, an der weit und breit niemand hielt, weil niemand da war. Nur ich … gut, dass ich mich jetzt daran erinnere. Nächsten Samstag schreibe ich wieder eine „Nach-Lese“ fürs Feuilleton, da bekommt die alte Ampel einen Ehrenplatz (Knoten ins Taschentuch: plus Martensteins Ampel-Kolumne, die Klitschkos, Beust, Öttinger, Neururer).

„Ampel“ wäre auch ein Stichwort für die Wahl, aber nicht für mich. Auch kein Montagsthema. Die Kolumne wird sowieso extrem kurz, da für den gesamten Ü-Sport (Ü = überregional) nur drei Seiten zur Verfügung stehen, die Wahl schluckt den Rest, da muss ich mich ran-, weil kurz&knapp halten. Ob ich das alles zusammenbacken kann: Klopp und seine typische „Freude“, die kein Gegenstück zum bösen zweiten Gesicht ist, sondern dazu passt – Warum Boxen kein Sport ist: die Boatengs und die Klitschkos – Julio Iglesias wird 70 (der Real-Ersatztorwart und die zigtausend Frauen) – Warum man die Drehtechnik verbieten sollte – Was man alles mit einem Ball anfangen kann (Video, von Brian Oldfield in Facebook gestellt bzw. „geteilt“).

Das Video findet man, indem man „words cannot describe this routine“ suchmaschinen lässt. Eine Gymnastin mit Ball, schon ein paar Jahre alt. Dieses Ballgefühl! Wie sensationell sie den Ball stoppt! Unglaublich.

Heute mal wieder eine Sauerland-Tour. Die Montagsthemchen folgen also erst nachmittags. Bis dann.

 

Veröffentlicht von gw am 22. September 2013 .
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Sonntag, 15. September, 7.00 Uhr

Im eigenen Haus eingesperrt. Bis gegen Mittag. Mountainbike-Cup, die Strecke führt direkt am Haus vorbei, dann scharf um die Kurve, den großen Garten entlang und am kleinen Garten vorbei, meinem Experimentierfeld. Dort hängt auch eines meiner „Divieto di Caccia“-Schilder, die ich in Vor-Griechenland-Zeiten in Mittelitalien gesammelt habe (korrekt: geklaut). Ganz schön lange her. „Divieto di Caccia“ (Jagen verboten), die weißen Schildchen hingen dort überall, und überall wurde gejagt. Ich habe auch Variationen in meiner Sammlung, zum Beispiel „Divieto di raccolti funghi“ (Pilze sammeln verboten) usw. Jedenfalls bin ich jetzt eingesperrt, bald werden die Besten schon von der Burg her wie Habichte hinunterstoßen, an meinem Fenster vorbeiwutschen, die scharfe Kurve im Höllentempo nehmen und sich in die Felder stürzen. Erst wenn die Letzten vorbei sind, darf man’s wagen, das Haus zu verlassen. Hunde bleiben eingesperrt, müssen ihr Morgengeschäft im Garten erledigen. Hoffentlich spüren die Katzen die Gefahr und verkriechen sich irgendwo.

Gestern vor dem BVB-Spiel bei Sky einen schönen Satz von Klopp über Löw mitgeschrieben bzw. einen indirekten über Löw und seine Art, einzelne Spieler rauszupicken, früher Kuranyi (im Wortsinn raus gepickt), heute Schmelzer und Hummels: „Wenn Fehler Namen kriegen, ist das nicht selten ein Dortmunder Name.“ Sehr fein, und das aus dem Stegreif! Muss nur noch nachgoogeln, ob der Satz schon irgendwo zitiert ist (den zweiten Teil habe ich sinngemäß notiert), Kommt entweder in die „Montagsthemen“ oder in „Ohne weitere Worte“.

Auch eine weitere Plattitüde von Thorsten Fink auf dem Zettel, nach dem sehr seltsamen Spiel gesagt: „Wir müssen das jetzt erst mal sacken lassen.“ Ganz sicher in OWW kommt eine Passage aus einem „Zeit“-Interview mit dem Nationalmannschafts-Arzt Tim Meyer: „Die öffentliche Dopingdebatte wird meiner Meinung nach von einer kleinen Gruppe ‚moralischer Unternehmer‘ gesteuert, wie der Sportsoziologe und -ökonom Eike Emrich sie treffend bezeichnet, also von Menschen, die die Moral bemühen, um davon zu profitieren. Neben wenigen Journalisten gehören dazu auch eine kleine Zahl stets wiederkehrender sogenannter Experten.“ – Herrlich. Kleiner Einwand: Es sind nicht „wenige“ und „eine kleine Zahl“, sondern viele und eine große. Und die Frankes schert’s wenig, wenn sie derart erkannt und bloßgestellt werden. Bezeichnend auch: Die „Zeit“-Überschrift des Interviews, ein Meyer-Zitat („Fußball ist nicht frei von Doping“), spiegelt nicht den Tenor des Interviews wider, sondern fast das Gegenteil, ist also eine Manipulation, um zu skandalisieren. Ich schreib’s natürlich nur im Blog, sonst gäb’s Tattoo-Alarm.

Ansonsten noch wenig Stoff für die „Montagsthemen“. Eine kleine Rechthaberei werde ich mir wohl nicht verkneifen: Dass die leere Drohung eine solche ist und schon beim nächsten Schalke-Heimspiel die Polizei dabei sein wird, diese Wette habe ich zwischen „Sport-Stammtisch“ und „Montagsthemen“ noch viel schneller gewonnen als vermutet.

Veröffentlicht von gw am 15. September 2013 .
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