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Montagsthemen (vom 26. August)

50 Jahre Bundesliga, Anekdoten und Gedönschen haben uns einen Sommer lang verfolgt, endlich ist Schluss mit dem Overkill der Nostalgie.
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Größte Aufreger des aktuellen Spieltages: Die Wespe, die es wagt, Klopp zu stechen, und mehr Rote Karten als Wespen am Pfaumenkuchen.
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Dortmund feiert einen 1:0-Kantersieg in einem Spiel, das der BVB auch hätte verlieren können. So viele Chancen, aber kaum eine so klar wie die beiden, die Bremen versemmelt. Typisch BVB. Dennoch verdichtet sich meine Ahnung: Am zweiten Spieltag übernimmt Dortmund die Spitze (ist geschehen) und gibt sie nicht mehr ab (wär’ zu schön, wenn die Eintracht dies am Sonntag widerlegt. Hessischsein übersticht Kloppomanie).
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Bei der Karten-Flut fällt mir ein Interview mit DFB-Sportrichter Hans E. Lorenz ein, in der »Welt« gelesen und als (für mich) Neuigkeit notiert: »Es gibt auch bei uns Standards wie im Bußgeldkatalog für Verkehrssünder. Ein Beispiel: Notbremse, folgender Elfmeter geht rein, ein Spiel Sperre. Folgender Elfmeter geht nicht rein: zwei Spiele Sperre.« – Aha! Hätten Sie’s gewusst?
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Hessischsein macht auch Freude, wenn Weltstars in unsere Handball-Hochburgen um Hochelheim und Hörnsheim kommen (Wetzlar ist nur deren Spielplatz). Leicht befremdlich aber, dass Ivano Balic Wetzlar überhaupt nicht kennt: »Natürlich ist hier weniger los als zuletzt in Madrid.« – So? Noch nie was vom Adlerkeller gehört? Vom Roten Salon? Von der Dunklen F… ähh, vom Fuchsbau? Na ja, zugegeben: Ist auch nur Nostalgie, ungefähr so alt wie die Bundesliga.
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Und sonst? Luftgitarren-WM. Bester Deutscher auf Platz elf. Schwach. Auch die Titelkämpfe im Handtaschenweitwurf können nicht überzeugen: Der Sieger warf gerade mal 24 Meter – so weit werfen ja kleine Räuberkinder die Taschen ihren Komplizen zu.
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Mit »Räuberkinder« bin ich PC-mäßig fein raus. Gibt ja auch deutsche Spitzbuben unter ihnen. Meine Gemeinsamkeit mit ihnen: Wir gehören nicht zu den Wunschkunden des Modelabels Abercrombie & Fitch. Sein Chef Mike Jeffries beschreibt das supersympathische Geschäftsmodell (Zitate aus der »SZ«): »Wir wollen die coolen Kids. Viele Menschen haben in unseren Kleidern nichts zu suchen. In jeder Schule gibt es coole und gut aussehende Kinder. Und es gibt solche, die nicht so cool sind. Wir sind ganz offen hinter den Coolen her. Wir wollen das attraktive All-American-Kid, das gut drauf ist und viele Freunde hat.«
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Ich bin zwar strikt gegen jede Form von Prügelstrafe, aber warum haut nicht jemand diesem Typen mal eine in die … nee, viel besser: Ihn müsste ein fieser Lehrer meiner Schulzeit am Haaransatz neben dem Ohr in die Höhe ziehen, schön lange, bis er schreit. Noch besser straft nur die Realität: Die A&B-Aktie verlor jetzt ein Fünftel ihres Wertes. Allerdings für mich noch vier Fünftel zu wenig.
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Preis der Woche: Der »Göttinger Elch« geht an … Michael Sowa! Der »Elch« heißt so nach dem Spruch von Franz Weigle, besser bekannt unter seinem Künstlernamen F. W. Bernstein: »Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.« Robert Gernhardt unterlag damals gegen Bernstein mit seiner Version: »Die größten Kritiker der Molche waren früher ebensolche«. Daher gibt es nicht den Molch-Preis, sondern den »Elch«. Der ist mit 3333,33 Euro und 99 Dosen Elchsuppe dotiert. Beide haben den Preis schon bekommen, Gernhardt und Bernstein. Und nun der geniale Schweinemaler Sowa: So war Sowa so was geschehen, was so Sowa neben Bernstein und Gernhardt stellt. Sowa das!
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Und da wäre noch die Aussage des Chefs von Gut Neuhof, einer Ikone der Dressurreiterei, im FAZ-Interview, dass »bekanntlich ein Stuhl mit drei Beinen nicht wackelt«. Ach was!? Stimmt das? Die Liebste sagt ja und verweist darauf, dass ein Schemel drei Beine hat. Und drei Beine wackeln nicht? Wirklich?
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Bevor ich diese Kolumne begann, stellte ich die Schemel-Frage schon früh am Morgen in den Blog »Sport, Gott & die Welt«. Jetzt gehe ich ins Internet und will schlau werden. Aber was googele ich als Antwort? Nichts Erhellendes, aber … meine eigene Frage vom Blog. Nicht nur Katzen beißen sich in den Schwanz. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle