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Sonntag, 11. August, 6.10 Uhr

“Bin gespannt, wie Sie aus dieser Nummer rauskommen wollen.” Niemand glaubt mir. Die ersten Wettangebote sind schon eingegangen. Aber: Ihr werdet es erleben! Mit der Tattoo-Selbstdrohung (“Sportstammtisch” vom Samstag) habe ich endlich den Weg in die dopingfreien Kolumnen gefunden. Außerhalb des “Anstoß”-Kastens bin ich als Rentner nicht mehr zuständig, das Nachrichtliche dort und die dazugehörigen eventuellen Kommentierungen sind Sache der Ex-Kollegen, und in den Kolumnen schreibe ich sowieso, was ich will, und !DAS! will ich einfach nicht mehr.

Der Besuch der jungen Dame (von der “Zeit”) war ein angenehmer, zumal sie BVB-Freundin ist und als solche Vertrauensvorschuss verdient. Sehr taff, sehr professionell, sehr gut (wie ich beim Nachlesen einiger Ihrer Arbeiten festgestellt habe). Ob ich dabei bleibe? Das werde ich nicht professionell, sondern emotional entscheiden, wenn ich den Artikel lese. Qualitätsurteil also nicht wie ein Journalist über eine Journalistin, sondern wie von jedem, der zum Objekt von Journalisten wird, also rein selbstbezüglich (blöde, weil hoffentlich überflüssige Zwischenfrage: Erkennt man die Selbstironie?).

Den “Zeit”-Artikel verfasst eine Art Autoren-Kollektiv, das für das Thema, das mein Tattoo-Tabu ist, durch die Lande reist und mit Leuten spricht, die damals irgendwie irgendwas damit zu tun hatten (also mit alten Knackern). Nach dem mehr als zweistündigen Gespräch fuhr ich meine Besucherin zu ihrer nächsten Station vom Berg in die Stadt, absonderlicherweise zu einem Sportmediziner, der … nee, nee, nee, das muss ich sogar im Blog strikt selbstzensieren. Aber ausgerechnet … was weiß DER denn?

Gestern Radtour mit dem Schwager. Er auf meinem Reserverad, letztes Jahr für viel Geld generalüberholt. Dafür kriegt man im Supermarkt ein neues. Nach 60 Kilometern (von geplanten ca. 110)  gewundert: Warum fährt er so langsam? Macht er schlapp? Er ist doch jünger, schleppt nicht so viel Gewicht mit sich, ist ausdauergestählt? Was klickt und klackt er denn so seltsam? Er beruhigt meine Fürsorge: Alles okay, nur die Schaltung, seltsam. Als er immer langsamer wird, halten wir an, schauen uns sein Rad an. Sein Hinterrad. Es schlackert herum. Die Nabe! Kaputt. Nabenbruch, gibt’s so was? Nabelbruch, ja, schon mal gehört. Aber Nabenbruch? Ich versuche, selbst auf dem Rad zu fahren. Auf flacher Strecke so anstrengend wie auf einer 20-Prozent-Steigung, und es wird immer schlimmer. Die vorherige Fürsorglichkeit war also eher Selbstüberschätzung, ist doch klar, dass ich viel eher schlapp mache als er.

Abbruch der Fahrt, die Liebste der liebsten Zielgruppe, die gleich kaffeeknicksen wird, holt uns ab. Immerhin 60 Kilometer, die ersten zehn wie nach Alpe d’Huez (na ja, etwa die Hälfte der dortigen Steigung), das geht als Trainingseinheit durch. Und der Sonntagmorgenblog als Übungseinheit für die “Montagsthemen”. Bis dann.

Baumhausbeichte - Novelle