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Montagsthemen (vom 12. August)

Der Mann ist schon lange im Bundesliga-Geschäft, gilt als einer ihrer fachlich und methodisch besten Trainer, aber immer wenn sein Name fällt, fragt man sich außerhalb seines jeweiligen Trainingsstandortes: Lu ..lu …wie?
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Damit hat Jos Luhukey einem Kollegen auf der Dortmunder Trainerbank immerhin schon eine Silbe voraus, denn der langhaarige Beau, den sie »das Gehirn« nennen, ist über die Meisterjahre hinweg namenlos geblieben. Nein, natürlich nicht Klopp, sondern sein Co-Trainer. Der heißt Zeljko Buvac. Und Jos Luhukay Luhukay, nicht Luhukey. Haben Sie’s gemerkt?
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Die beiden haben nicht nur für deutsche Finger schwer zu schreibende Namen, sondern auch ein zurückhaltendes, unspektakuläres Auftreten. Das überlassen sie anderen, vorzugsweise ihren Mannschaften. Wie jetzt Luhukay seiner Hertha, die offenbar die Eintracht-Rolle der letzten Saison spielen will und dazu die Eintracht der laufenden Saison fürchterlich auseinander genommen hat. Fürchterlich für uns Hessen, herrlich für Hertha.
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Zur Eintracht mehr außerhalb dieser Kolumne. Hier drinnen, im Herzen der »Montagsthemen« und ihres Schreibers, wird das leise Unbehagen unterdrückt über die bekannte Rolle, die ein in seiner ersten Saison überragend auftrumpfender Aufsteiger im Jahr danach oft spielt, zumal mit der europäischen Drittbelastung im Kreuz und als Ballast in Bein und Herz.
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Auba … cke mein Jung’, drei Einstandstore für den BVB-Neuzu»gang«, dessen Namen wir uns längst nicht so schnell merken können, wie er läuft: Pierre-Emerick Aubameyang. Er ist noch schneller als »Sommermärchen«-Odonkor, im Gegensatz zu diesem aber nicht schneller als der Ball.
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Aber  langsamer als David Storl. Um mal ein Vorurteil über die »behäbigen Werfer« zu widerlegen: Aubameyang wird gerühmt, auf 30 Metern (handgestoppte 3,7) schneller zu sein als Usain Bolt, doch der 125-kg-Koloss Storl sprintet sogar elektronisch gestoppte 3,73, was unter  3,6 Sekunden entspricht.
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Noch schneller sind die Werfer mit dem Arm. Wussten Sie, dass neben dem (vernachlässigbaren) Abflugwinkel (etwas unter 45 Grad) alleine die Abstoßgeschwindigkeit über die erzielte Weite entscheidet? Einst versuchte ich, einem »Bild«-Reporter eine wieder einmal schwache Wettkampfleistung zu erklären: »Wenn die Schnelligkeit im Ausstoß nicht vorhanden ist, geht bei mir alles in die Hose.« Erst als ich den Satz als »Zitat des Tages« in »Bild« las, verstand ich den unfreiwilligen und  zotigen  Witz.
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In die Hose könnte auch gehen, wenn ich der weltrekordreifen Geschwindigkeit glaubte, die mir gestern eine Mail versprach: »In vier Wochen aus der Insolvenz zu 695 000 Euro.« Nur umgekehrt, das schaffen viele: Von 695 000 Euro Haben in die Insolvenz, oft sogar mit Lichtgeschwindigkeit in die Pleite.
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Apropos Pleite: Erst kürzlich erfuhr ich (und bekannte es in den letzten »Montagsthemen«), vor ein paar Jahren auf eine falsche Herkunft des Ausdrucks »alles paletti« hereingefallen zu sein und sie den Lesern (übrigens: damals ohne folgende Proteste) weitergereicht zu haben. Dabei hatte ich völlig vergessen, dass ich schon vor zwölf Jahren die wahrscheinlich richtige Herkunft beschrieben hatte: Dass die Begriffe »Pleite« und »paletti« dieselbe Wurzel haben und auf das hebräische Wort für »retten« zurückgehen.
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Hoffen wir, dass die Eintracht nicht in die Pleite schlittert, sondern dass am Saisonende alles paletti sein wird. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle