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Kolumnen-Konfetti (“Sportgeschichte/n”-Anstoß vom 8. August)

Im Sport gibt es kein Sommerloch mehr, aber immer noch unsere Sommerserie »Sportgeschichte(n)« mit »gw«-Texten aus fünf »Anstoß«-Jahrzehnten. In diesem Sommer drehen sich die »Sportgeschichte(n)« um eher Randseitiges – vor allem heute, denn wir werfen Kolumnen-Konfetti, in der Hoffnung, dass damit Ihr Tag mit einem Lächeln beginnt.
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Der Alu-Roller ist schon nach einem Jahr megaout. War ja auch ein selten dämlicher Trend, dieses Nachäffen der Kinder-Ballonroller der 50er Jahre. Die waren wenigstens noch schnell und bequem. Sagten jedenfalls die reichen Kinder, die hochnäsig auf uns arme Seelen mit unseren billigen Holzröllerchen herabsahen. Ein paar Jahre später gab’s dann einen Trend, der die Klassen versöhnte: Hula Hoop. Und auch der hatte durchaus etwas mit Sport zu tun, denn von allen Trends war Hula Hoop, allenfalls mit Ausnahme des Breakdance, der beste Bauchfett-Killer überhaupt. Während wir auf Kickboard, Inlines oder Rad unsere Wampe nur spazieren fahren, geht’s ihr beim Hula Hoop an den Kragen(?), weil sie sich selbst bewegen muss. (August 2001)
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Mit der Scheinerkrankung »Cellulite« wird weltweit ein Umsatz von fünf Milliarden Euro jährlich gemacht, obwohl »Cellulite« nicht durch Medikamente und Salben zu beheben ist. Einige der größten Filmstar-Ikonen der 60er Jahre zeigten die genetisch bedingten »Cellulite«-Symptome, ohne darunter zu leiden, denn sie wussten nicht, dass es ein Leiden ist. Man, nein, leider nur frau leidet daran erst, seit in einem New Yorker Schönheitssalon 1973 das Wort »Cellulite« erfunden wurde. Seitdem kursieren auch Männer-Witze, von denen ich mich strikt distanziere, wie: »Warum haben Männer keine Cellulite? Weil es bescheuert aussieht!« (Ex-Bundesligafußballer Dieter Schatzschneider). (Dezember 2010)
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Gustave Flaubert huldigte einem prallen Torso, den er 1851 auf der Akropolis gefunden hatte: »Nur zwei Brüste blieben von ihm übrig, vom Anfang des Halses bis über den Nabel. Die eine Brust ist verhüllt, die andere frei. Was für Titten! Bei Gott! Was für eine Brust!« Das ist noch echte Begeisterung, ungetrübt von taktischen Zugeständnissen an Diskriminierungs-Fahnderinnen. Die sollten sich lieber postum um Sparta kümmern: Dort hatten die Frauen nur die Aufgabe, Nachwuchs zu produzieren. Die Erziehung der jungen Mädchen bestand daher ausschließlich aus Hausarbeit sowie Ringkampf und Laufen – und zwar splitternackt. Das heißt, bei der Hausarbeit hatten sie wenigstens eine Schürze an, eine Tradition, die sich bis ins 20. Jahrhundert gehalten hat. Alte Lüstlinge kennen das ja noch – aus Hausfrauenreport Teil 1 bis 17. (August 2004)
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Al Capone kam nicht wegen seiner Schwerverbrechen in den Knast, sondern bekam elf Jahre für vergleichsweise läppische Steuerhinterziehung von 200 000 Dollar. Nebenbei: Wussten Sie, woher das Wort »Geldwäsche« kommt? Hab’s gerade erst beim Al-Capone-Nachlesen erfahren: Der hatte das ergaunerte Geld in Waschsalons investiert. Heute heißen diese Waschsalons nicht mehr Waschsalons, sondern … ich bin doch nicht lebensmüde! (Oktober 2010)
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Und dann wäre da noch der russische Minister, der in die Kritik geraten ist, weil er sich von Schülern, die Liegestütze in Serie machten, die Schuhe küssen ließ. Wäre bei uns unvorstellbar. Dass ganze Schulklassen in der Lage wären, in Serie Liegestütze zu machen. Sollte das irgendwann doch einmal gelingen, dem zuständigen Minister müsste man glatt die Schuhe küssen. (September 2010)
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Aber die wirklich allerhärteste Sportart kommt aus Indien: Dort soll ein Fakir seit 1978 seinen rechten Arm nicht mehr bewegt haben, er verharrt in einer in Deutschland streng verbotenen Position. Dass er auch seine Fingernägel seit 1978 nicht mehr geschnitten hat, gehört zwar nicht unbedingt zu den staunenswerten sportlichen Höchstleistungen, aber der erhobene Arm … unglaublich. Im Sinne von: Ich glaub’s nicht. Muskelphysiologisch unmöglich. Versuchen Sie’s mal. Sie schaffen nicht mal eine Stunde. Schon gar nicht, wenn Sie Ihren Rekordversuch in der Öffentlichkeit starten … (Februar 2010)
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Kommen wir mit dem gebührenden Ernst noch einmal auf den Zieleinlauf beim Senioren-Marathon zurück, wobei für mich als Senior der Zieleinlauf keine anale, sondern eine finale Assoziation weckt. Zum Glück sind wir Menschen keine Blattschneiderameisen, denn diese sehr pragmatische Spezies setzt bei der Sicherung ihrer Nahrungs-Transportwege gegen Fressfeinde keine jungen, kräftigen Kämpfer ein, sondern verheizt für »solche Risikotätigkeiten ältere Tiere, die ohnehin nicht mehr lange leben« (Ameisenforscher Bert Hölldobler). Bevor jüngere Leser auf dumme Gedanken kommen, wie man das Rentenproblem elegant und durchschlagend lösen kann, mache ich hier aber schnell mal einen Punkt. (Juni 2009)
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Im holländischen Fernsehen wurden laut Statistik im Jahr 2004 pro Woche 1850 Flüche gezählt – muss das sein, verdammt noch mal?! (März 2005) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle