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Dr. Roland Bitsch: Die Helden von Bern und der Blutglukosespiegel

Wenn es denn stimmen sollte, was man seinerzeit  z.B. im <Kicker> lesen konnte, daß nämlich die Helden von Bern mit Glukose- und Askorbinsäureinfusionen fit gemacht worden sein sollten, dann bleibt einiges unklar. Da ja der Blutglukosespiegel beim Gesunden in engen Grenzen konstant gehalten wird, führt eine durch parenterale Glukosezufuhr herbeigeführte Erhöhung sehr schnell unter dem Insulineinfluß zu einer reaktiven Hypoglykämie, bis sich nach einer gewissen Zeit der normale Spiegel wieder eingependelt hat (der Blutglukosespiegel gehorcht in gewissem Sinne dem physikalischen Prinzip einer gedämpften Schwingung). Eine hypoglykämische Reaktion hat aber im Gegenteil einen Leistungsabfall zur Folge, würde also kontraproduktiv wirken. So viel hat man aber 1954 eigentlich auch schon gewußt. Unterzeichneter bittet daher um Aufkärung, ob er einer Fehlinformation anheimgefallen ist.
Askorbinsäure- und generell Vitamininfusionen hat man lange Zeit für leistungsfördernd gehalten, bis sich zeigte, daß bei ohnehin optimal ernährten Sportlern erhöhte Dosen sehr schnell wieder im Harn ausgeschieden werden.
(Dr. Roland Bitsch/Gießen)

Um die WM 1954 ranken sich Gerüchte, Genaues weiß meines Wissens niemand. Es wurde nur gemunkelt, die im WM-Kader später gehäuft aufgetretenen Gelbsucht-Fälle hätten etwas mit den gebrauchten Spritzen zu tun, die man in der Kabine gefunden haben will. Ob und wenn ja was gespritzt wurde, was nach damaligen und/oder nach heutigen Regularien als Doping galt/gilt, ist nach meinem Kenntnisstand nie verifiziert worden.

Baumhausbeichte - Novelle